Mittwoch, 21. August 2019

Scholz & Friends Die Fesseln sprengen

Wir haben nichts zu verlieren als unsere Ketten - Scholz & Friends will sich freikaufen. Die finanziell angeschlagene Mehrheitseignerin, die Werbeholding Cordiant, hat damit als Geldgeber ausgedient.

Stuttgart - Das Management von Scholz & Friends will die einzige börsennotierte Werbeagentur Deutschlands zusammen mit einer Finanzbeteiligungsfirma übernehmen.

"Wir trauen uns ein Management Buyout zu" - Sebastian Turner
Einer der beiden Vorstandsvorsitzenden, Sebastian Turner, bestätigte am Donnerstagabend vor dem Wirtschaftspresse-Club in Stuttgart die Pläne. "Wir trauen uns ein Management Buyout zu", sagte er.

Die britische Werbe-Holding Cordiant, die unter dem Druck der Banken steht, hatte im Februar angekündigt, ihre Beteiligung von 77 Prozent an der Berliner Agentur zu verkaufen, die seit 2001 an der Börse ist. Das Management ist bereits jetzt mit zehn Prozent an Scholz & Friends beteiligt.

Ziel der Transaktion sei ein in Deutschland noch einmaliges Modell mit bis zu 25 Partnern aus der Führungsriege der Agentur, wie es bei Unternehmensberatern oder Wirtschaftsprüfern üblich ist, sagte Turner.

"Die Summe ist für uns nicht aufbringbar"

Für den Kaufpreis, der über dem Börsenwert von 20 Millionen Euro liegen soll, bräuchten die Agentur-Chefs aber einen Finanzpartner, der den Löwenanteil der 76 Prozent übernehmen soll: "Die Summe, um die es geht, ist für uns nicht aufbringbar", betonte der Co-Vorstandschef. Ob Scholz & Friends nach einer Übernahme an der Börse bleiben könnte, sei offen.

Auch die weltgrößte Werbeagentur WPP hatte Interesse an Scholz & Friends angemeldet. Cordiant hatte erklärt, es gebe zahlreiche Bewerber um die 1981 von Jürgen Scholz gegründete Agentur. Turner, der Kreativdirektor der Agentur, gilt als der Urheber der erfolgreichen Kampagne "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und des Slogan "Wir können alles - außer Hochdeutsch", mit dem das Bundesland Baden-Württemberg wirbt.

Zwischen 30 und 40 Prozent der Umsätze macht Scholz & Friends mit seinem Hauptkunden Tchibo. Zwischenzeitlich hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass der neue Chef des Kafferösters, John Karakadas, sich nach einer neuen Agentur umsehen würde. Das dementiert Marc Schwieger, Geschäftsführer bei der Agentur, entschieden. "Das ist definitiv nicht der Fall", so Schwieger gegenüber manager-magazin.de. Vielmehr habe Tchibo gerade die Zusammenarbeit mit der Agentur vertieft, so Schwieger weiter.

Im vergangenen Jahr war Scholz & Friends bei einem Rückgang des Umsatzes auf 69,0 von 74,4 Millionen Euro mit einem Verlust von 10,4 Millionen Euro vor Steuern tief in die roten Zahlen gerutscht.

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