ProSiebenSat1 Saban verliert die Lust

Platzt die spektakuläre Übernahme von ProSiebenSat1 doch noch? Der schillernde US-Milliardär Haim Saban findet keine Investoren und keine geeigneten Topmanager für sein Konzept - das er eigentlich noch gar nicht hat. Das könnte eine neue Chance für Verleger Heinz Bauer sein.
Von Andreas Nölting

Hamburg - Haim Saban liebt es luxuriös. Zum Poker um die lukrativen Reste des fallierten Kirch-Imperiums flog der schillernde US-Milliardär standesgemäß mit einer Gulfstream V (Kennung: N -451 CS) der Saban Capital Group ein. Und besucht er jetzt seine jüngste Akquisition, den Fernsehsender ProSiebenSat1 , dann gastiert Saban stilvoll im Münchener Mandarin Oriental, einer edlen Nobelherberge im Neorenaissance-Stil.

Es darf gerne etwas mehr sein. Saban sei ein Mensch, der das Leben wohl zu genießen wisse, erzählt ein enger Bekannter des sonnengebräunten Kaliforniers. Mühsame Kleinarbeit und der zähe Kampf gegen Widrigkeiten sei seine Sache nicht: "Er liebt das Leben und die kalifornische Sonne."

Genau dieser Hang zum Mondänen führt möglicherweise dazu, dass der bisher größte deutsche Mediendeal (Volumen etwa zwei Milliarden Euro) scheitert, bevor er endgültig besiegelt ist. Saban verliert offensichtlich die Lust an der Übernahme der einstigen Kirch-Sendergruppe und des Filmrechtegeschäfts, die er eigentlich aus der Insolvenzmasse erwerben wollte.

Schlüssiges Sanierungskonzept fehlt immer noch

Zunächst hatte sich Saban 36 Prozent an ProSiebenSat1 und 72 Prozent der Stimmrechte im Bietergefecht gegen den Hamburger Bauer Verlag gesichert. Der Vertrag ist unterzeichnet, das Kartellamt hat der Übernahme bereits zugestimmt.

Zwar war auch das Angebot des Bauer Verlags nach Meinung des Kirch-Insolvenzverwalters Michael Jaffé "schlüssig und stimmig". Allerdings sei die Offerte des Mitbieters Saban sowohl im materiellen Bereich als auch in der zeitlichen Umsetzung attraktiver, begründete Jaffé Mitte März den Zuschlag.

Doch nun gerät die spektakuläre Übernahme ins Stocken. Saban fehle immer noch ein schlüssiges Sanierungskonzept, überzeugendes Personal für die Umsetzung der notwendigen Schritte und das nötige Netzwerk ("er spricht kein Wort Deutsch"), erzählen mit dem Geschäft vertraute Manager.

Schlimmer noch: Dem Amerikaner fehlen offensichtlich die zahlungskräftigen Investoren. Saban versuche momentan Anteile in der Größenordnung von 350 Millionen Euro je "Slot" zu platzieren, sagt ein Insider. Bisher habe er sich bei institutionellen Finanzinvestoren wie Blackstone, Apax oder Permira nur Absagen eingehandelt.

Die potenziellen Geldgeber monierten vor allem die fehlende Exit-Strategie, sie sähen kaum eine Möglichkeit, ihren Einsatz nach vier bis sieben Jahren mit einer ordentlichen Risikoprämie (etwa 20 bis 30 Prozent jährlich) zu versilbern.

Heinz Bauers zweite Chance

Vier bis fünf Slots muss Saban wohl verkaufen, sollte er seine Pläne umsetzen können. Doch von diesem Ziel ist er noch weit entfernt. Selbst das Engagement des französischen TV-Senders TF1 (angedacht ist eine Beteiligung von zehn Prozent ) an dem deutschen Unternehmen ist noch nicht unter Dach und Fach. Der politische Zwist zwischen den USA und Kriegsverweigerer Frankreich erschwere die heikle Vereinbarung, heißt es.

Eigentlich könnte Saban auf Partner verzichten, Geld hat er genug. Sein Vermögen wird auf 1,5 Milliarden Dollar geschätzt. Doch dass er einen solchen Mega-Deal allein finanziert, das können sich mit dem Geschäft vertraute Insider nicht vorstellen ("Dazu liebt er sein Geld zu sehr").

Ein Mann wie Saban werde nie alle Eier in ein Nest legen, heißt es. Er wolle maximal 250 Millionen Euro aus eigenen Mitteln beisteuern.

Gut möglich also, dass der Lebenskünstler Saban sich wieder in seine kalifornische Heimat verabschiedet. Im Vertrag hat er sich, wie es heißt, etliche Ausstiegsmöglichkeiten zusichern lassen. Und auch sein jüngst begonnener Streit mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) deutet womöglich auf ein Ende hin.

Squeeze-Out würde weitere 400 Millionen Euro kosten

Nach deutschem Übernahmerecht müsste Saban auch den freien Aktionären ein Kaufangebot machen. Ein solches Squeeze-Out würde ihn zusätzlich noch einmal 400 Millionen Euro kosten.

Nun allerdings hat Saban bei der BaFin den einen Antrag eingereicht, in dem er darauf drängt, von der Pflicht eines Angebots an die Kleinaktionäre befreit zu werden. Sein Argument: ProSiebenSat1 sei ein Sanierungsfall. In einer solchen Situation sieht das Recht eine Ausnahme zum Pflichtangebot vor.

Rohner will am kommenden Dienstag Zahlen vorlegen

Eine paradoxe Lage: Saban macht ein Unternehmen schlecht, das er eigentlich als Sicherheit bei den Banken und Investoren einbringen will. Zudem unterläuft er die Politik des ProSiebenSat1-Chefs Urs Rohner. Der will am kommenden Dienstag Zahlen vorlegen und eigentlich eine optimistische Prognose für das Gesamtjahr abgeben.

Findet die Kirch-Krise, eines der größten deutschen Unternehmensdebakel der Nachkriegszeit, also immer noch kein Ende? Geht das Drama nun wieder von vorne los?

Nutznießer der sich anbahnenden Entwicklung könnte der Bauer Verlag sein. Die Hamburger sind weiterhin an einer Übernahme von ProSiebenSat1 interessiert. Geschäftsführer Manfred Braun sagte kürzlich auf einer Podiumsdiskussion: "Ich zünde jeden Abend eine Kerze an, gehe in mich und warte, was auf uns zu kommt". Fraglich allerdings ist, ob Pfennigfuchser Bauer weiterhin zur Höhe seines einstigen Angebotes steht.

Hinter der Kulisse, so heißt es, bereite sich Bauer bereits für die "Nach-Saban-Zeit" vor und spreche mit Partnern sowie Investoren über den potenziellen Deal. Saban, der für einen Kommentar nicht zu erreichen war, dürfte das nicht zu sehr ärgern. Was soll's, mag sich der Milliardär denken, sollen die Deutschen ihre Probleme doch alleine lösen, ich lege mich wieder in die kalifornische Sonne und genieße das Leben.