Montag, 21. Oktober 2019

EM.TV Abschied von Haffas Muppetshow

CEO Werner E. Klatten hat es endlich geschafft. Nach monatelangen Verhandlungen hat er die verlustreiche Jim Henson Company verkauft - für einen Bruchteil des Preises, den einst Thomas Haffa für das US-Unternehmen bezahlt hatte.

München - Der TV-Rechtehändler EM.TV & Merchandising Börsen-Chart zeigen hat seine US-Tochter Jim Henson verkauft. Etliche Unternehmen waren als potenzielle Käufer gehandelt worden, darunter auch der Walt Disney. Doch gekauft haben die Firma schließlich überraschenderweise die Kinder des Firmengründers.

Muppetshow:/ Piggy und Kermit tanzen mit den Henson-Kindern
EM.TV habe einen bindenden Vertrag über den Verkauf sämtlicher Anteile des Produzenten von "Muppetshow" und "Sesamstraße" mit den Kindern des Gründers Henson geschlossen, teilte das Münchener Unternehmen am Mittwoch mit.

Insgesamt erhalte EM.TV 89 Millionen Dollar, davon 78 Millionen Dollar in bar und elf Millionen Dollar an liquiden Mitteln der Jim Henson Company. Zusammen mit einer bereits im Januar geleisteten Zahlung des Sesame Workshop erlöse EM.TV in etwa den Buchwert von Jim Henson von 110 Millionen Euro.

Mit dem Verkauf sei auch die Rückführung des auslaufenden Junior-Kredits gesichert. Damit hat EM.TV die drohenden Liquiditätsprobleme zunächst abgewiesen. Die EM.TV-Aktien legten nach dem lang erwarteten Verkauf der US-Tochter um mehr als 15 Prozent auf 1,13 Euro zu.

Schwierige Transaktion

EM.TV hatte unter anderem mit dem Disney und dem US-Investor Haim Saban über den Verkauf von Jim Henson verhandelt. Mit einer US-Investorengruppe unter Führung des Medienunternehmers Dean Valentine wurde im Dezember sogar eine Vorvereinbarung getroffen, die dann aber platzte.

Die Frist für eine eigentlich schon Ende 2002 fällige Kreditrate, die EM.TV mit dem Erlös aus dem Henson-Verkauf bezahlen wollte, verlängerten die Banken immer wieder, zuletzt bis Ende Mai.

Verkauf zu Bruchteil des Einkaufpreises

Der frühere EM.TV-Chef Thomas Haffa hatte die Jim Henson Company noch zu Boomzeiten des Neuen Marktes im Jahr 2000 für 680 Millionen Dollar gekauft. Wegen noch anderer überteuerter Zukäufe geriet EM.TV, einst der Star des Neuen Marktes, in die Krise. Im August 2001 übernahm Werner Klatten den Vorstandsvorsitz von EM.TV und fährt seitdem einen rigorosen Sanierungs- und Schrumpfungskurs. Im vergangenen Jahr hatte EM.TV wegen Abschreibungen immer noch tief rote Zahlen geschrieben.

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