Lycos Europe In der Verlustzone

Erwartungsgemäß schreibt das Internetportal wieder rote Zahlen. Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen macht der Verlust eines lukrativen Werbevertrags mit Bertelsmann dem Unternehmen zu schaffen.

Haarlem - Der Internetportalbetreiber Lycos Europe  hat im ersten Quartal einen deutlichen Umsatzrückgang verzeichnet und erneut operativ rote Zahlen geschrieben. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) belief sich auf 10,9 Millionen Euro nach minus 17,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, teilte das Unternehmen am Dienstag nach Börsenschluss mit.

Bereinigt um den Verkauf von Konzerngesellschaften reduzierte sich der Fehlbetrag auf Ebitda-Basis auf 14,7 Millionen Euro. In den ersten drei Monaten des Vorjahres stand noch ein Verlust von 119,7 Millionen Euro in den Büchern. Der Umsatz sank von 32,1 Millionen Euro auf 20,8 Millionen Euro.

Den Rückgang begründete das Unternehmen mit dem anhaltend schwachen Werbemarkt und dem Verkauf verlustbringender Tochterfirmen. Zudem hatte Lycos im Oktober 2002 einen Werbevertrag mit der Bertelsmann AG verloren.

Überrascht ist Vorstandschef Christoph Mohn von den Zahlen nicht. Er hatte bereits zur Bekanntgabe der Jahreszahlen für das Gesamtjahr 2002 angekündigt, dass das Unternehmen in den nächsten Quartalen wieder rote Zahlen schreiben werde. Ende 2002 wies das Internetportal erstmals für ein Quartal operativ schwarze Zahlen aus.

Mehr Marketing

So sieht Mohn auch für das laufende Quartal kaum Besserung. Der CEO rechnet sogar mit einem höheren Verlust als noch in den ersten drei Monaten des Jahres. Lycos Europe plane höhere Marketingausgaben und Investitionen in die Entwicklung neuer Produkte, sodass die Kosten im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Vierteljahr um zwei Millionen Euro steigen würden, sagte Mohn.

Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen werde daher im laufenden Quartal bei etwa 18 Millionen Euro liegen, im ersten Quartal lag es bei 16,2 Millionen Euro. Der Umsatz werde auf dem Level des Vorquartals bei etwa 21 Millionen Euro stagnieren. "Wir erwarten einen weiter schwierigen Werbemarkt", erläuterte Mohn.

Einstieg in Bezahldienste

Anfang des Jahres hatte das Unternehmen bekannt gegeben, verschiedene Bezahlangebote einzuführen. Mohn sagte, dass das Unternehmen mit den kostenpflichtigen Diensten in drei bis fünf Jahren rund 100 Millionen Euro umsetzen wolle.

Die Bezahlofferten will der Sohn von Bertelsmann-Gründer Reinhard Mohn zum einen im Bereich Web-Hosting und Domainnamen, im gesamten Kommunikationsbereich mit Premium-E-Mail-Angeboten, SMS, MMS und Instant Messenger anbieten. Darüber hinaus sollen auch Chat-Angebote, die Suche nach Klassenkameraden und die Kontakt- beziehungsweise Flirtbörse teilweise kostenpflichtig werden.

Wie das Unternehmen nun mitteilte sanken die Werbeeinnahmen im Vergleich zur Vorjahresperiode um 46 Prozent, während die Einnahmen aus Paid Services und Shopping deutlich um 77 Prozent auf 4,8 Millionen Euro gestiegen seien. Die Marktforscher Forrester Research sehen Lycos Deutschland dabei im Bereich von Paid Content gleichauf mit Yahoo. Erfolgreicher seien einer Studie zufolge T-Online (Platz eins) und Web.de (Platz zwei).

Bertelsmann macht auch Terra Lycos zu schaffen

Auch einer der Gesellschafter von Lycos Europe präsentierte am Mittwoch seine Zahlen: Terra Lycos. Auch bei dem Madrider Unternehmen sank der Umsatz im ersten Quartal 2003 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Ebitda und das Nettoergebnis waren ebenfalls rückläufig.

Als Gründe führte die spanische Internetgesellschaft den nicht zu Stande gekommenen Werbe- und Servicevertrag im Volumen von 675 Millionen Dollar mit Bertelsmann an. Belasten würden zudem Währungsverluste des Euro gegenüber der südamerkanischen Währungen und gegenüber dem US-Dollar.

Zwar sei die Muttergesellschaft Telefonica mit einem Sechs-Jahre-Werbevertrag eingesprungen, dies habe den geplatzten Bertelsmann-Auftrag aber nicht ausgleichen können, hieß es. Ein weiterer Grund für das Resultat des ersten Quartals sei die unveränderte Abonnementenzahl von 122.00 in Spanien für den High-Speed-Internetzugang. Telefonica habe in diesem Bereich rund eine Million Kunden und sei ein großer Wettbewerber für Terra Lycos für diesen Service

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