Umfrage Wie überregionale Tageszeitungen reagieren

Der Angriff auf den Irak hat begonnen. Was bedeutet der Kriegsausbruch für Deutschlands überregionale Tageszeitungen? Welche Anstrengungen unternehmen die ohnehin dezimierten Redaktionen? manager-magazin.de hat sich in den Chefredaktionen umgehört und deutliche Unterschiede festgestellt.
Von Martin Scheele

Hamburg - Knapp zwei Stunden nach Auslaufen des Ultimatums an die irakische Führung haben die USA und Großbritannien in der Nacht zum Donnerstag mit Luftangriffen ihren Krieg gegen den Irak begonnen. Für die überregionalen Tageszeitungen in Deutschland bedeutet die Entwicklung anstrengende Sonderschichten und Überstunden sowie Mehrkosten. Wie die Verlagshäuser konkret auf die dramatische Eskalation am Persischen Golf reagieren - manager-magazin.de hat mit den Chefs vom Dienst und Chefredakteuren der wichtigsten Blätter gesprochen.

"FR": 50.000 Euro zusätzlich

Bei der krisengeschüttelten "Frankfurter Rundschau" - gerade wurde bei der Hessischen Landesregierung um eine Landesbürgschaft zur Absicherung von Krediten angefragt - sagt der Chef vom Dienst, Christian Frommert: "Die Schichten werden verlängert, Überstunden gefahren." Mehr Mitarbeiter würden aber nicht eingestellt. "Schätzungsweise 50 Redakteure befassen sich ausschließlich mit der Berichterstattung rund um das Thema Irak."

Die Donnerstagausgabe der "FAZ"

Die Donnerstagausgabe der "FAZ"

Die Donnerstagausgabe der "Bild"-Zeitung

Die Donnerstagausgabe der "Bild"-Zeitung

Die Donnerstagausgabe der "FR"

Die Donnerstagausgabe der "FR"

Die Donnerstagausgabe des "Handelsblatts"

Die Donnerstagausgabe des "Handelsblatts"

Die Donnerstagausgabe der "SZ"

Die Donnerstagausgabe der "SZ"

Die Donnerstagausgabe der "Welt"

Die Donnerstagausgabe der "Welt"


Die Donnerstagausgaben von sechs Tageszeitungen: Klicken Sie einfach auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen.

Die Freitagsausgabe werde nicht erweitert, teilte Frommert weiter mit. "Das erste Buch wird sich ausschließlich mit dem Irak-Krieg beschäftigen." "Wir versuchen aber, andere Ressorts nicht zu beschneiden." Den Lesern solle ein Mehrwert geboten werden. Der stellvertretende Chefredakteur, Jürgen Metkemeyer ergänzt: "Wir haben ein Budget von 50.000 Euro bereitgestellt, für die nächsten vier Wochen soll das erstmal ausreichen." Wie Frommert weiter sagte, wird der Redaktionsschluss von 22.30 Uhr auf 0.30 Uhr verschoben, der erste Andruck ist um 18.45 Uhr, der zweite regulär um 23.00 Uhr, der letzte um 1.00 Uhr.

"SZ": Vier bis sechs Seiten mehr

Für die "Süddeutsche Zeitung" sagt deren Chefredakteur, Gernot Sittner: "Die Freitagsausgabe wird auf vier bis sechs Seiten erweitert." Die weitere Planung für die nächsten Tage diesbezüglich stand am heutigen Vormittag noch nicht weiter fest. Auch bei der "Süddeutschen Zeitung" wird die Redaktionsbelegschaft nicht aufgestockt. "Die Kollegen oder die Mannschaft bleiben länger", sagt Sittner. In der vergangenen Nacht seien zwei Kollegen bis halb vier früh in der Redaktion geblieben.

Der Redaktionsschluss für den Andruck der Bundesausgabe werde nicht verändert, der für die Münchener-Ausgabe allerdings nach hinten verschoben. "Normal ist Redaktionsschluss um 22.30 Uhr, spätmöglichster Termin sei jetzt 1.30 Uhr." Über entstehende Kosten von Schichtverlängerungen und Überstunden konnte Sittner derzeit noch nichts sagen.

"Kein festgelegtes Kochbuch"

"Bild": "Netzwerk von 1000 Journalisten"

Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung, die "Bild", bleibt bei der Anfrage von manager-magazin.de relativ unkonkret. Pressesprecher Tobias Fröhlich weist darauf hin, dass "Bild" auf ein "Netzwerk von über 1000 Journalisten weltweit zurückgreifen kann". Redaktionsschluss, Umfang und Gewichtung der Themen in "Bild" würden ständig den aktuellen Notwendigkeiten und technischen Voraussetzungen angepasst, heißt es weiter.

"Handelsblatt": Von Tag zu Tag entscheiden

Beim "Handelsblatt" werden ebenfalls Sonderschichten gefahren. Außerdem wird der Andruck nach hinten verschoben. Wie Chef vom Dienst, Peter Pfister, sagt, liegt der Redaktionsschluss jetzt spätestens bei 24.00 Uhr. Die Freitagausgabe werde um sechs Seiten erweitert. "Das erste Buch wird sich ausschließlich dem Thema widmen". Die weitere Vorgehensweise werde von Tag zu Tag entschieden. Zusätzliche Mitarbeiter würden allerdings nicht eingestellt werden. Unklar ist derzeit noch, was der Mehraufwand kosten werde, sagte Pfister weiter.

"FAZ": "Kein festgelegtes Kochbuch"

Bei der "Frankfurter Allgemeinen" (FAZ) werden nach Aussage vom Werner d'Inka, Chef vom Dienst, keine zusätzlichen Redakteure oder freie Mitarbeiter für die Irak-Berichterstattung beschäftigt. Bei der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hingegen sind zusätzlich zwei freie Mitarbeiter mehr im Dienst. Klar sei aber, dass die gesamte Belegschaft Überstunden leisten werde. Der Redaktionsschluss, der bei 23.30 Uhr liegt, könne durch die festgelegten Vertriebswege nicht viel weiter nach hinten verschoben werden.

"Die Freitagausgabe wird nicht erweitert", sagt d'Inka weiter. Das erste Buch werde sich nicht nur ausschließlich mit dem Thema befassen, aber es werde natürlich mehr Platz für die Irak-Berichterstattung freigehalten werden. "Die weitere Entwicklung wird von Tag zu Tag entschieden, wir haben kein festgelegtes Kochbuch". Auch sei bisher noch kein zusätzliches Budget für die Irak-Berichterstattung bereitgestellt worden.

"Welt": Morgen zehn Seiten Irak

Die "Welt" wird nach Aussage von Chefredakteur Jan-Eric Peters auch kein zusätzliches Personal einstellen. Zu Redaktionsschlusszeiten und Andruckzeiten wollte sich Peters nicht äußern. Die Freitagausgabe der "Welt" werde etwa zehn Seiten Irak zum Thema haben. Möglicherweise werde die morgige Ausgabe vergrößert. Über anfallende Kosten konnte Peters noch nichts sagen.

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