ProSiebenSat.1 Weg frei für Saban

Friede, Freude, ... . Der Axel Springer Verlag einigt sich mit Haim Saban und verzichtet auf sein Vorkaufsrecht auf Anteile an der Sendergruppe. Gleichzeitig stockt Springer aber auch seine Anteile bei ProSiebenSat.1 auf.

Frankfurt - Nachdem die Verhandlungen sich über Monate dahinschleppten, geht jetzt alles rasant schnell. Saban hat es geschafft. Nicht nur mit KirchMedia hat sich der neue Gesellschafter von ProSiebenSat1  geeinigt, auch mit dem Axel Springer Verlag sind Differenzen aus dem Weg geräumt.

Springer verzichtet auf das Vorkaufsrecht an Anteilen von ProSiebenSat1 und wird im Gegenzug von der insolventen KirchMedia einen Anteil an ProSiebenSat1 von zwei Prozent übernehmen. Damit erhöht das Verlagshaus die eigene Beteiligung auf 13,5 Prozent, erläuterte eine Sprecherin des Konzerns am Dienstag. Dazu erhalte der Verlag einen zweiten Sitz im Aufsichtsrat der Senderfamilie, in dem bisher Springer-Chef Mathias Döpfner vertreten ist. Geld fließe keines, fügte die Sprecherin hinzu.

Der US-Investor hatte am Montag mit KirchMedia einen Vertrag zum Kauf von 36 Prozent an ProSiebenSat1 unterzeichnet und fasst damit als erster Ausländer auf dem deutschen Medienmarkt im großen Stil Fuß. Für die Übernahme weiterer Anteile aus dem Besitz von KirchMedia, deren Beteiligung nun auf 14,5 von 16,5 Prozent sinkt, war bisher eine Zustimmung des Springer-Verlags notwendig, weil dieser ein Vorkaufsrecht auf die Anteile besaß. "Springer und Saban haben eine Vereinbarung über die künftige Zusammenarbeit getroffen", erläuterte die Springer-Sprecherin.

Verhandlungen um Filmbibliothek laufen noch

Für die Kontrolle von ProSiebenSat1 bräuchte Saban weitere Anteile allerdings nicht. Da die Investmentfirma nur Stammaktien kauft, die zwar 36 Prozent am Grundkapital, aber 72 Prozent der Stimmrechte ausmachen, erlangt sie schon allein dadurch die Mehrheit bei der größten deutschen Privatsender-Gruppe. Außerdem befindet sich der 58-jährige Medienunternehmer mit KirchMedia noch in Verhandlungen zur Übernahme der umfangreichen Filmbibliothek, die zunächst alle Aufmerksamkeit beanspruchen. Der Vertrag soll in den nächsten Tagen unterschrieben werden.

Der ProSiebenSat1-Vorstand und der Axel Springer Verlag als Großaktionär hatten den Einstieg des in Hollywood wohl bekannten Medienunternehmers begrüßt. Man hofft, dass Saban der unter dem schwachen Werbemarkt leidenden Sendergruppe mit frischem Kapital und seinen Verbindungen zur US-Filmindustrie helfen kann.

TF1 hat sich noch nicht entschieden

Viele Details der künftigen Strategie wurden noch nicht bekannt. "Unser Ziel ist erst einmal, für Stabilität bei ProSiebenSat1 zu sorgen", hatte Saban in München nach der Vertragsunterzeichnung erläutert. Ein Abbau von Arbeitsplätzen oder ein Wechsel des Managements sei zunächst nicht geplant. Die Saban Group werde sich aber in den nächsten Wochen einen Überblick über die Situation verschaffen und danach alles Nötige tun, um die Senderfamilie wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

Unklar ist auch, ob Saban für die Übernahme von ProSiebenSat1 und die Filmrechtebibliothek noch die französische Sendergruppe TF1 mit an Bord holen wird. Den Vertrag zur Übernahme von ProSiebenSat1 hat die Saban Gruppe zunächst alleine unterschrieben, da der Verwaltungsrat von TF1 das Engagement noch nicht genehmigt hat. Eine TF1-Sprecherin erklärte am Dienstag in Paris, der Konzern sei bei der Entscheidung nicht unter Druck: "Wir haben Zeit, über unsere Beteiligung an der Finanzierung zu entscheiden".

TF1-Chef Patrick Le Lay, der am Dienstag in München erwartet wurde, hatte erklärt, nicht mehr als 350 bis 400 Millionen Euro in einen solchen Deal stecken zu wollen. Die Aussichten auf eine Kapitalmaßnahme, um diese Summe zu finanzieren, hatte die TF1-Aktien in den vergangenen Wochen unter Druck gesetzt.