n-tv Rücktritt der Führungsspitze

Großaktionär RTL greift durch: Geschäftsführer Brandstätter und sein Stellvertreter legen ihre Ämter nieder. Karl-Ulrich Kuhlo, AR-Chef und Gründer des Nachrichtensenders, macht ebenfalls Platz und verkauft seine Anteile.

Berlin - Die Krise beim Nachrichtensender n-tv geht weiter. Am Dienstag wurde bekannt, dass Geschäftsführer Helmut Brandstätter und sein Stellvertreter Wolfgang Fischer das Unternehmen verlassen. Auch Minderheitsgesellschafter und Aufsichtsratsvorsitzender Karl-Ulrich Kuhlo wird seinen 0,75-Prozent-Anteil an RTL verkaufen und seinen Posten abgeben. Das bestätigten die n-tv-Gesellschafter RTL und CNN Time Warner nach einer Aufsichtsratssitzung.

Neuer alleiniger Geschäftsführer des Nachrichtensenders wird Johannes Züll, der sein Amt als Geschäftsführer von RTL New Media abgibt. Kuhlos Nachfolge als Aufsichtsratschef tritt Ken Jautz an, der von 1999 bis 2001 bereits den Sender leitete und danach Geschäftsführer von CNN Financial News in New York wurde. Ihm folgte Brandstätter damals als n-tv-Chef.

Brandstätter und Fischer sollen dem Sender als Berater verbunden bleiben. Züll sei der richtige Mann, um das Profil von n-tv weiter zu schärfen und den Sender aus einer wirtschaftlich immer noch schwierigen Situation heraus wieder in die Gewinnzone zu führen, sagte RTL-Geschäftsführer Hans Mahr, der auch stellvertretender n-tv- Aufsichtsratschef ist.

Nachfolge bei RTL New Media noch offen

Thorsten Grothe, Sprecher von RTL, sagte gegenüber manager-magazin.de, dass weitere Entlassungen bei n-tv nicht geplant seien. Eine Bestandsgarantie gebe es aber angesichts der Medienkrise nicht.

Wer Nachfolger von Züll bei RTL New Media wird, will das Unternehmen noch nicht veröffentlichen. "Wir haben eine gute Nachfolgeregelung getroffen", so Grothe. Nach Informationen von "kress" soll RTL-Generalsekretär Constantin Lange diesen Posten antreten. Spekulationen, dass Deutschlands größter Privatsender mit dem Abzug von Züll möglicherweise einen Wechsel seiner Internetstrategie einläutet, weist Grothe zurück. "Das haben wir nicht vor."

Vorkaufsrecht soll nicht ausgeübt werden

Die RTL Group  hatte im vergangenen Jahr vom Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag 47,3 Prozent der n-tv-Anteile erworben. Der US-Medienkonzern CNN Time Warner hält 49,8 Prozent, der Verlag Norman Rentrop 1,6 Prozent.

Unlängst hatte sich RTL Vorkaufsrechte für die Anteile von CNN Time Warner zusichern lassen, mit denen in einigen Jahren die vollständige Übernahme von n-tv möglich wäre. Grothe versicherte, dies Vorkaufsrecht solle nicht ausgeübt werden. "Wir wollen n-tv gemeinsam mit CNN Time Warner führen." Keines von beiden Unternehmen strebe eine Mehrheitsbeteiligung an.

Zu viel Wirtschaft im Programm?

Zu viel Wirtschaft im Programm?

Ausgelöst durch die Erhöhung der RTL-Anteile bei n-tv kochen jedoch Gerüchte wieder auf, n-tv solle zum Nachrichtenlieferanten der RTL-Gruppe umfunktioniert werden. "Wir haben mit der RTL-Gruppe einen neuen Gesellschafter - aber das ist es auch schon", hatte Brandstätter noch unlängst gegenüber "textintern" gesagt.

Nun ist der neue Gesellschafter dem ehemaligen Chefredakteur Brandstätter dennoch zum Verhängnis geworden. Intern soll dem Geschäftsführer vorgehalten worden sein, er habe trotz Börsenbaisse zu stark an Wirtschaftsformaten festgehalten statt den Sender umzuorientieren.

Der 1991 gegründete Nachrichtensender peilt für dieses Jahr die Gewinnzone an. Brandstätter sprach unlängst von einem geplanten Nettoumsatz von 40 Millionen Euro für dieses Jahr. Nach Informationen von "epd-Medien" beliefen sich allerdings die Einbußen für Dezember 2002 und das erste Quartal 2003 bereits auf insgesamt drei Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr 2002 schätzen Branchenkenner den Verlust auf über 25 Millionen Euro. n-tv wies im Jahr 2001 einen Umsatzeinbruch von 40 Prozent aus und musste Verluste von 14,9 Millionen Euro verbuchen. Im vergangenen Dezember kündigte der Sender schließlich 70 seiner 360 Mitarbeitern betriebsbedingt.