Cebit-Halbzeit IT-Branche sieht sich auf Kurs

Trotz Besucherrückgang und Konjunkturschwäche zieht die Industrie auf der Cebit eine positive Zwischenbilanz. Bislang strömten 300.000 Besucher zu der High-Tech-Messe.

Hannover - Die von der Konjunkturschwäche gebeutelte IT-Branche sieht ihre Prognose einer "schwarzen Null" für dieses Jahr durch die Cebit bestätigt. "Wir haben das Tal hoffentlich hinter uns gelassen und erwarten eine Nachfrage von insgesamt 132 Milliarden Euro in diesem Jahr", sagte der Vizepräsident des Branchenverbands Bitkom, Willi Berchtold, am Sonntag in Hannover zur Halbzeit der weltgrößten Messe für Computer und Telekommunikation. Auch das für 2004 erwartete Branchenwachstum von drei Prozent stehe unverändert.

Zwar sei die Besucherzahl bisher um mehr als zehn Prozent auf 300.000 gefallen. Angesichts von mehr als 90 Prozent Fachbesuchern gehe es aber bei den Kontakten an den Ständen bei knapp der Hälfte um "sehr konkrete Investitions- und Optimierungsvorstellungen", hieß es.

"Der Trend des Vorjahres, dass vor allem Entscheider an die Stände kommen, setzt sich in diesem Jahr verstärkt fort", sagte Berchtold. Vielfach gehe es um Kostendruck und den Bedarf nach "kurzfristigem Return-on-investment". Zu den Schwerpunkten der Messe gehörten wie erwartet die Themen Mobilität, IT-Sicherheit, E-Government und Breitbandkommunikation sowie bei der Telekommunikation erste konkrete Anwendungen für das schnelle Handynetz UMTS

Leichter Besucherrückgang

Mit 300.000 (2002: 340.000) Besuchern liege die Cebit "zur Halbzeit im Rahmen der Erwartungen", sagte Ernst Raue, Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG. Nach 674.000 Gästen vor einem Jahr rechnen die Veranstalter dieses Mal mit rund 600.000 Besuchern. Die Cebit dauert noch bis zum kommenden Mittwoch.

Die flaue deutsche Konjunktur macht sich nach Angaben von Raue auch bei den gesunkenen Besucherzahlen aus dem Inland bemerkbar. Dementsprechend sei Anteil der ausländischen Gäste aber von 24 auf 27 Prozent gestiegen. Insbesondere aus dem europäischen Ausland habe es ein deutliches Plus von 56.400 auf 62.100 gegeben.

Computer hat persönliches Leben nur bei Minderheit verändert

Unterdessen hat eine Umfrage des Polis-Instituts im Auftrag der dpa (1006 Befragte zwischen dem 11. und 13. März) ergeben, dass Computer nur bei einer Minderheit der Deutschen das persönliche Leben verändert haben. Lediglich 36 Prozent nannten einen entsprechenden Einfluss. Besonders stark wirkt sich der Computer auf das Leben von Menschen unter 35 und Befragten mit Abitur (jeweils 48 Prozent) aus. 71 Prozent gaben in der Umfrage an, einen PC zu besitzen. Bei den 14- bis 19-Jährigen waren es 93 Prozent. Noch in diesem Jahr wollen sich 14 Prozent der Befragten einen neuen Computer kaufen. 43 Prozent interessieren sich für die auf der IT-Messe gezeigten Produktneuheiten.

Auf der Cebit wurde auch der Trend eines stark zunehmenden Handels mit bereits vergebenen Internet-Adresse ("Domain") deutlich. Insgesamt würden dafür jährlich inzwischen rund 20 Millionen Euro ausgegeben, sagte Tim Schumacher von der Domain-Marketingfirma Sedo (Köln) der dpa. "Der Wert einer Domain hängt davon ab, wie eingängig der Name ist und wie oft sie direkt aufgerufen oder in Suchmaschinen gesucht wird." So zahlte der Internet-Reifenhändler Delticom (Hannover) Anfang 2003 für die Adresse "Reifen.de" einen mehrfachen sechsstelligen Preis. Selbst Privatleute würden mehrere Tausend Euro ausgeben, um "ihre" bereits besetzte Adresse zu bekommen.

Nach Angaben Schumachers haben sich 50 bis 70 Prozent aller vergebenen Internet-Adressen Inhaber gesichert, die diese mit Gewinn verkaufen oder auch erst später nutzen wollen. "Wir haben Kunden, die verfügen über Tausende von Domains und leben vom Handel mit diesen Adressen." In den USA gebe es einen Händler mit mehr als 200.000 registrierten Domains. In Deutschland wurde Anfang 2003 die sechsmillionste Domain vergeben.

Wer, was, wo: Der Cebit-Hallenplan

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