Verlagsgruppe Milchstrasse Manthey bläst zum Rückzug

Nach herben Verlusten zieht sich Dirk Manthey, Gründer und Verleger der Milchstrasse, zum Teil aus dem Unternehmen zurück. Er legt alle Geschäftsführer-Ämter nieder und trennt sich von einem Großteil seiner Beteiligungen.

Hamburg - Verlagsgründer Dirk Manthey hat große Teile seiner Beteiligungen an der Verlagsgruppe Milchstrasse abgeben. Der einst als "Medienmanager des Jahres" (1999) gekürte Unternehmer zollt damit der Flaute auf dem Medienmarkt Tribut. Vorbei ist das schnelle Geschäft mit trendigen Zeitschriften, vorbei ist der Internethype, vorbei ist offenbar auch die Zeit für Manthey.

Wie am Freitag bekannt wurde, hat der 48-Jährige alle Ämter als Geschäftsführer seiner einzelnen Gesellschaften in der Verlaggruppe niedergelegt. Dennoch will der Manager operativ in der Milchstrasse tätig bleiben, heißt es. Gegenüber manager-magazin.de bestätigte eine Sprecherin des Verlags einen entsprechenden Bericht des "Kressreport".

Einen Käufer für seine Anteile hat Manthey bereits gefunden. Die beiden Mitgesellschafter Hubert Burda Media und der italienische Verlag Rizzoli stocken ihre Anteile auf. Der Gründer des Hamburger Verlagshauses zieht sich demnach komplett aus den drei Gesellschaften für "TV Spielfilm", "Cinema" und "Amica" zurück.

Bei den Zeitschriften "Max" und "Tomorrow" schrumpft Mantheys Anteil von rund 50 auf 25 Prozent. Bei "Fit for Fun" wird der Medienmann nur noch 20 Prozent halten. Allerdings ist auch Burda bei "Max" ausgestiegen, während Rizzoli seine Beteiligung auf 75 Prozent erhöhte.

Manthey will wiederkommen

Über einen Verkaufspreis wurde nichts bekannt, doch dürfte das Geschäft für Manthey lukrativ gewesen sein. Das Branchenblatt "Kressreport" zitiert den Verleger: "Ich glaube, es gibt kaum jemanden in der Medienlandschaft, der eine vor vielen Jahren ausgehandelte Put-Option besitzt und angesichts der ungewissen Entwicklung der nächsten Jahre davon keinen Gebrauch macht."

Bittere Pille für Burda. Manthey ließ derweil verlautbaren, dass die Eigenständigkeit der Verlagsgruppe weiterhin unangetastet bleibe. "Sobald sich die Wirtschaft wieder normalisiert hat, werde ich mit viel Spaß neue Milchstrassen-Titel auf den Markt bringen", kündigte der Zeitschriftengründer an. Ein Burda-Sprecher bestätigte gegenüber manager-magazin.de, Manthey werde auch künftig Verleger der Verlagsgruppe Milchstrasse bleiben. "Wir haben uns in der Vergangenheit nicht eingemischt, und das werden wir auch weiterhin nicht tun."

Niedergang eines Verlags

Der Niedergang eines einst erfolgreichen Verlags

Der (vorläufige) Rückzug Mantheys überrascht nicht. Die Werbeflaute hat die Verlagsgruppe Milchstrasse heftig erwischt, schon in der Vergangenheit war Burda dem Hamburger Verlagshaus finanziell zur Seite gesprungen und stockte im Zuge dessen seine Beteiligungen auf.

Vergangenes Jahr setzte die Milchstrassen-Gruppe schließlich nur noch 189 Millionen Euro um und schrumpfte damit nahezu auf das Niveau von 1994 mit 175 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2000 lag der Umsatz bei 491 Millionen Euro.

Vor allem das einstige Flaggschiff "Tomorrow", eine Zeitschrift für und über das Internet, ist eines der größten Sorgenkinder des Verlags. Allein im Jahr 2002 verlor das Heft beim Anzeigenvolumen 60,9 Prozent.

Doch auch "TV Spielfilm" und "Max" büßten 23 Prozent ihrer Anzeigen ein. Manthey scheiterte zudem mit seinem Versuch, "Max" als Gegenpart zum "Stern" zu etablieren. Nachdem das Heft auf einen 14-täglichen Takt umgestellt wurde, machte Manthey nur wenige Zeit später einen Rückzieher und stellte den Rhythmus wieder auf monatlich um – einhergehend mit einem erheblichen Personalabbau.

Die schmerzhafte Pleite mit "Net-Business"

Gänzlich von der Bildfläche verschwand auch die "New Economy"-Zeitung "Net-Business", die Manthey ebenfalls zuvor kostspielig auf einen wöchentlichen Rhythmus umgestellt hatte, um nur wenig später den 14-täglichen Takt wieder aufzunehmen. Das Blatt wurde letztlich eingestellt. Die Belegschaft der Verlagsgruppe Milchstraße ging von ehemals über 800 auf 520 Mitarbeiter (Ende 2002) zurück.

Auch bei den Internetgeschäften strauchelte Manthey. Zwar brachte er seine Tomorrow Internet AG noch an die Börse, doch im Zuge der Börsenmalaise verloren die Titel deutlich an Wert, die Kosten liefen aus dem Ruder und die Internetfirma fusionierte mit dem Burda-Unternehmen Focus Digital zur Tomorrow Focus AG . Die Geschäfte wurden schließlich weitgehend nach München verlagert. Der Standort Hamburg ist überwiegend abgebaut.

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