M-Commerce Zahlen, bitte

Mobiles Bezahlen - seit Monaten kündigen Netzbetreiber und IT-Unternehmen neue Standards an. Bislang blieb es oft aber bei leeren Versprechungen. Auf der Cebit stellt Siemens nun das System Paycircle vor, gemeinsam mit Oracle und Sun Microsystems.

Hannover - Das Bezahlen per Mobiltelefon, der so genannte M-Commerce, hat nach Einschätzung von Siemens  trotz Unkenrufen noch Zukunft. "Bisher fehlt noch ein allgemein akzeptierter Standard zum Bezahlen per Mobiltelefon, um das Potenzial des M-Commerce zu entfesseln", sagte der Siemens-Manager Stefan Schneiders. Die bisherigen Umsatzprognosen für den Handel per Handy hätten weiter Bestand, wenn sich auch der Zeithorizont verschoben habe.

Abhilfe soll das Bezahlsystem schaffen, welches das Konsortium Paycircle entwickelt hat. Gemeinsam mit Software-Konzernen wie Oracle , Sun Microsystems , dem IT-Berater T-Systems und über 20 weiteren Partnern hat Siemens in dem Konsortium bereits einen entsprechenden Prototypen entwickelt, der nun der Telekombranche zur Bewertung vorliegt.

Der Vorzug von Paycircle bestehe darin, dass es sich um einen offenen Standard handelt, sagte der Leiter Kooperationen bei der Siemens-Sparte ICM. Jeder Interessent kann deshalb beispielsweise Paycircle-Software entwickeln, ohne Lizenzgebühren zu zahlen.

Mobile Alltagsvisionen

Paycircle soll Schneiders zufolge die größte Schwäche der bisherigen Bezahlverfahren für den mobilen Markt ausmerzen. Produkte, wie das von dem mittlerweile vom Markt verschwundenen Paybox, hätten versucht, eine zusätzliche Form des Geldverkehrs einzuführen. "Diese Systeme haben den Umgang mit Geld nicht ausreichend Rechnung getragen," sagte Scheiders.

"Elektronische Bezahlsysteme müssen die Alltagsrealität im M-Commerce abbilden." Der Paycircle-Standard werde deshalb sowohl die Rechnungsstellung eines elektronischen Einkaufs auf der Telefonrechnung erlauben, als auch die Zahlung per Kreditkarte oder Bankverbindung. So könnten Kunden beispielsweise Klingeltöne für Handys weiter über die Telefonrechnung bezahlen. Größere Ausgaben würden dagegen eher via Paycircle wie gewohnt über ein Kreditkartenkonto oder eine Bankverbindung erledigt.

Pre-Paid für mobiles Bezahlen

Der Siemens-Manager rechnet damit, dass diese Aufteilung den Unternehmen, die den Zahlungsverkehrs abwickeln, entgegen kommt: "Kleinstbeträge abzurechnen ist nicht das Geschäft der Kreditkartengesellschaften." Deren Spezialität sei das Risikomanagement, etwa bei der Einordnung, ob ein Einkauf dem Kaufverhalten des Kunden entspricht.

Dass dabei auch was für Siemens abfällt, davon geht der Schneiders aus. "Siemens ist bereits mit einem Marktanteil von 28 Prozent weltweit führend bei Systemen für Pre-Paid-Telefonkarten. Wir können uns vorstellen, diesen Erfolg in andere Bereiche des M-Commerce zu übertragen."

Skeptisch steht Schneiders der Ankündigung eines mobilen Bezahlverfahren durch T-Mobile und Vodafone für das Jahr 2004 gegenüber: "Derartige Ankündigungen haben in der Vergangenheit die Kunden eher verunsichert, da später die entsprechende Produkte ausblieben."

Es sei nun eher mit einer Bereinigung bei den vielen Initiativen zum Zahlen per Mobiltelefon zu rechnen. Den Telefongesellschaften sei daran gelegen, schnell ihre Investitionen in UMTS wieder einzuspielen. Ein einheitliches Verfahren zum Einkaufen per Mobiltelefon sei dazu ein wichtiger Schritt. Dabei eröffneten sich auch neue Einsatzfelder für das Mobiltelefon. So könnten beispielsweise hochwertige, fälschungssichere Fahrscheine preiswert verbreitet werden.

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