BBC Schrumpfungskur

Das beispiellose Wachstum von BBC Online kommt zu einem Halt: Hundert Mitarbeiter sollen entlassen werden. Eine Trendwende bei den Online-Engagements öffentlich-rechtlicher Online-Anbieter?

London - Die Krise des Online-Publishings holt mit deutlicher Verzögerung auch die Betreiber öffentlich-rechtlich finanzierter Websites ein. Nun erwischt es die BBC, die nach einer internen Finanzprüfung ihre Prioritäten neu setzt: Das Investment in interaktive TV-Technologie verschlingt Geld, und das will unternehmensintern gesammelt sein. BBC Online, vor wenigen Monaten zu "BBCi" relaunched, trennt sich von hundert seiner Mitarbeiter.

Damit gerät auch die "alte Tante" ins Kielwasser der Medienkrise. Nach einem beispiellosen Wachstum der Online-Aktivitäten, zeitweilig begleitet von einem Zurückfahren der internationalen Rundfunk-Engagements, stehen die Zeichen jetzt nicht nur auf Notstop, sondern auf "Gesundschrumpfung".

Die Medienbranche in Großbritannien verfolgt die Entwicklung mit zwiespältigen Gefühlen. Bei allem Respekt vor ihren Leistungen steht die BBC seit langem vehement in der Kritik: Mit ihren steuerähnlich erhobenen Etats und der internen Verteilung von Geldern seien ihr Investments möglich gewesen, die es der frei finanzierten Online-Publishing-Branche in Großbritannien schwer gemacht hätten, sich zu profilieren. Böse Worte fielen da von Konkurrenten: Die BBC "zerquetsche" kommerzielle Websites.

Öffentliche-Rechtliche haben mehr Mittel

Ein Vorwurf, mit dem die Websites öffentlich-rechtlich finanzierter Sender in ganz Europa leben müssen: In der Regel stehen ihnen bei weitem größere Mittel zur Verfügung als der Konkurrenz. Ashley Highfield, Chef von BBCi, verfügte im letzten Jahr über die in diesem Mediensektor beispiellose Summe von 111,6 Millionen Pfund. Im laufenden Jahr, verspricht Highfield, sollen es nicht mehr werden.

In Deutschland sind die öffentlich-rechtlichen Anstalten der ARD schon einen Schritt weiter: Sie haben sich von den auch finanziell ambitionierten Plänen ihres ehemaligen Intendanten Fritz Pleitgen weitgehend verabschiedet und analysieren nun auch ihren eigenen Finanzbedarf neu.

Der Personalabbau bei der BBC betrifft sowohl die Nachrichtenredaktionen, als auch die programmbegleitenden Redaktionen - das Sahnestück des Angebotes. Die Firmenleitung von BBCi hofft, den größten Teil der Kündigungen durch Versetzungen, Vorruhestandsregelungen und die Nichtbesetzung frei werdender Posten verhindern zu können. Beobachter sehen in dem Schritt ein Stück vorauseilenden Gehorsams: In Großbritannien wacht der Staat selbst über das öffentlich-rechtliche Netzwerk. Für die nächsten Monate ist eine Kommission angekündigt, die das Finanzgebaren der BBC näher untersuchen soll. Die BBC selbst bestreitet jeden Zusammenhang.

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