Fernsehmarkt Die Achse "USA-Frankreich" lebt

Mit dem Einstieg des US-Moguls Haim Saban und seines Partners, dem französischen Privatsender TF1, in den deutschen Markt ergeben sich viele Fragen. Medienexperten sprechen schon von einer neuen Zeitrechnung.
Von Martin Scheele

München/Paris - Der Verkauf der insolventen KirchMedia scheint nahezu perfekt. Doch parallel zur Übernahme durch den US-Milliardär Haim Saban und dem französischen Privatsender TF1 gibt es viel Klärungsbedarf. Was hat die amerikanisch-französische Kooperation mit ProSiebenSat.1  vor, wird das Programm der Senderfamilie verändert, steigt TF1 auch beim Deutschen Sport Fernsehen ein?

Bisher sind nur wenige Fragen eindeutig zu beantworten. Klar scheint: Einen politischen Streit über den Einstieg des US-Milliardärs in den deutschen Fernsehmarkt wird es nicht geben. Das haben Kanzleramt und politische Parteien bereits deutlich gemacht. Der Düsseldorfer Medienwissenschaftler Jo Groebel meint gegenüber manager-magazin.de, anders als befürchtete Engagements eines Rupert Murdoch oder Silvio Berlusconi in den deutschen Markt werde Saban keinen politische Auseinandersetzung auslösen.

Wie wird sich der deutsche Fernsehmarkt durch den Einstieg von Haim Saban verändern? Lehrt Sabans Einstieg dem Branchenprimus Bertelsmann und seiner 75-prozentigen Tochter, der RTL Group , das Fürchten? Mitnichten, meint Medienexperte Groebel. RTL habe kurzfristig nicht um seinen ersten Platz im Fernsehmarkt zu fürchten.

Vom Beginn einer neuen Zeitrechnung auf dem Fernsehmarkt, spricht hingegen der Hamburger Journalistik-Professor Siegfried Weischenberg. "Die inländischen Unternehmen müssten sich auf einen Konkurrenten einstellen, der sehr gute Kontakte nach Hollywood habe." Der Wissenschaftler erwartet, dass sich mit den neuen Eigentümerverhältnissen auch das Programm der ehemaligen Kirch-Sender verändern wird. "Es wird unter Saban einen viel stärkeren Akzent auf Film und Fernsehfilm geben, als es bei Bauer der Fall gewesen wäre", betonte der Medienexperte.

Dieser Ansicht ist auch sein Kollege Groebel. "Saban wird vor allem auf die Zweit- und Drittverwertung internationaler Produktionen setzen." Der Medienexperte machte deutlich, dass Saban einen starken Kontrast zum offenbar geplanten Geschäftsmodell von Bauer darstellt. "Bauer hat das crossmediale Modell forciert, also analog zu Bertelsmann, das perfekte Zusammenspiel von Print, TV und Musik. "Das wird bei Saban nicht stattfinden." Ob Haim Sabans Engagement aber von Dauer ist, da haben die Medienwissenschaftler so ihre Zweifel. "Das ist schwierig einzuschätzen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Saban sich mittelfristig von seinem Engagement trennt", meint Medienwissenschaftler Horst Röper. Diese Meinung teilt auch sein Kollege Groebel.

Steigt TF1 beim DSF ein?

Weitere Fragen stellen sich zu Haim Sabans Partner, dem größten französischen Privatsender, TF1, der mehrheitlich dem Baukonzern Bouygues  gehört. TF1 bietet derzeit auch für das Deutsche Sport Fernsehen (DSF). Hier könnten sich konzentrationsrechtliche Probleme ergeben.

Medienwissenschaftler Röper meint: "Dazu müsste das Bundeskartellamt aber als erstes von einem eigenständigen Sportfernsehmarkt ausgehen." Erst wenn diese Frage positiv beantwortet wird, seien Eingriffe des Wettbewerbshüter denkbar. Nicht von der Hand zu weisen sei, dass TF1, der großer Anteilseigner von Eurosport ist, mit einem Engagement bei DSF eine sehr wichtige Rolle auf dem deutschen Sportfernsehmarkt spielen würde.

Eine Beteiligung bei KirchMedia wäre das erste größere Auslandsengagement des bislang auf den Heimatmarkt konzentrierten Unternehmens TF1. Offiziell gibt sich das Management des Privatsenders zu einem Engagement bei KirchMedia sehr zurückhaltend. Vergangene Woche hatte TF1-Präsident Le Lay allerdings erstmals konkrete Zahlen für einen Einstieg genannt. "Höchstens 350 bis 400 Millionen Euro wollen wir investieren." Diese Summen reichen allerdings nicht für einen 50-prozentigen Einstieg aus, wie es in Presseberichten heißt.

TF1 ist offenbar vor allem an den Filmrechten von KirchMedia interessiert. Das Interesse begründet sich vor allem durch die Beteiligung am digitalen Satellitensender TPS. TPS's Hauptkonkurrent ist Canal Satellite, der vom Pay-TV-Anbieter Canal Plus  betrieben wird. Vor allem bei den Sportrechten ist die Wettbewerb scharf. Bei den Filmrechten hat TF1 gegenüber Canal Plus allerdings hohen Aufholbedarf. Canal Plus und sein Satellitensender haben in Frankreich hier nahezu ein Monopol.

TF1 könnte zudem noch einen weiteren Grund haben, sich am Filmgeschäft der KirchMedia zu beteiligen. Der französisch-belgischen Versorger Suez  plant den Ausstieg aus Canal Satellite. Und eben an der Übernahme dieser Anteile ist ganz besonders die RTL Group interessiert, die ebenfalls zum Aktionärskreis gehört. So gesehen, könnte TF1 durch einen Einstieg bei Kirch in Frankreich Bertelsmann Paroli bieten.

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