Apple Musikalischer Alleingang

Führende Plattenfirmen hoffen, endlich eine Geheimwaffe gegen Gratis-Downloads geschmiedet zu haben: Im kommenden Monat startet ein Musikdienst, der so sagenhaft komfortabel sein soll, dass Nutzer freiwillig dafür zahlen. Schade, dass die Mehrheit ihn gar nicht benutzen kann.

Cupertino - Das neue, von Apple entwickelte Programm soll die sehnlichsten Wünsche der Musik-Produzenten erfüllen: Musikfans müssen für Songs wieder zahlen, so wie es in den Zeiten vor Napster und KaZaa selbstverständlich war.

Die fünf größten Plattenkonzerne der Welt, Sony, Universal, Warner, BMG und EMI wollen mitmachen, wenn der Online-Service mit noch unbekanntem Namen startet. Sie alle hoffen, dass wegen der Vorzüge des Dienstes auch die treuesten Kazaa- und Grokster-Anhänger die Fronten wechseln.

"Das ist genau das, worauf die Musik-Industrie seit langem gewartet hat", zitiert die "L.A. Times" Kreise, die an den Verhandlungen zwischen Musik- und Computerfirmen teilnahmen. "Wenn die Leute wirklich daran interessiert sind, Musik zu kaufen und nicht zu klauen, ist das die Antwort."

Das Apple-Programm soll Nutzer vor allem durch einfache Bedienung zum freiwilligen Bezahlen verführen. Für File-Sharing-Programme wie Kazaa spricht nämlich nicht nur der Kostenvorteil, sondern auch die Bequemlichkeit. Bisherige Abo-Dienste für Musik, die den Segen der Industrie fanden, waren in der Bedienung und den Zahlungsmodalitäten langsam, schwerfällig und kompliziert. Das soll mit dem neuen Apple-Programm anders werden.

Über den genauen Preis des Services wurde zwar laut "L.A. Times" Stillschweigen bewahrt. Er soll aber vergleichbar mit dem anderer Abo-Dienste sein und dürfte sich damit um die zehn Dollar monatlich bewegen.

Aus Sicht der Industrie spricht noch ein weiteres Argument für das Apple-Angebot. Es verwendet nicht das gebräuchliche MP3-Format, sondern eine neue Technik namens "Advanced Audio Codec". Durch eine Art elektronisches Schloss gewährleistet sie, dass die Songs nur auf einem Computer abgespielt werden können. Das Brennen von CDs bleibt aber angeblich trotzdem möglich.

Auch wenn der neue Dienst ein Erfolg werden sollte: Die Sorgen der Plattenfirmen würden sich nicht einfach in Luft auflösen. Auch wenn Apple-Gründer Steven Jobs erst im Januar versprochen hat, mit neuer Technologie und Software Kunden zurückgewinnen, tragen nur noch drei Prozent der weltweit verkauften Computer das Apple-Logo, die Markanteile sinken. Der Großteil der "Piraten", die Musik herunterladen, nutzt die Software von Microsoft - und bleibt damit zumindest vorerst vogelfrei.

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