FC-Kirchgeld-Affäre Rummenigges Rechtfertigung

Vorteilsnahme, Lobbyarbeit, Schweigegeld - laut FC-Bayern-Vorstand Rummenigge stimmen die Vorwürfe gegen den Top-Verein nicht. Die geheimen Kirch-Millionen flossen vielmehr aufgrund von Pay-per-View-Fantasien, sagt er.

Hamburg / München - Bei vielen Bundesliga-Clubs, Fans und auch bei der Dachvereinigung DFL hat der FC Bayern derzeit schlechte Karten. Als ungerechtfertigte Bereicherung haben Experten einen Geheimvertrag zwischen dem Münchener Top-Club und Leo Kirch gegeißelt.

Das manager magazin hatte enthüllt, dass Kirch von den Bayern Lobby-Arbeit bei der Rechtevergabe für Übertragungslizenzen erwartete - und dafür mehr als 40 Millionen zahlte.  Ein Vertrag, wie in nach derzeitigem Kenntnisstand kein anderer Bundesliga-Verein besitzt oder besaß.

In einem Interview mit dem stern hat sich jetzt erstmals der Vorstandschef der FC Bayern München AG mit einer überraschenden, neuen These zu Wort gemeldet. "Der wesentliche Punkt unserer Vereinbarung war, unsere Spiele im Pay-per-View zu zeigen", sagte Karlheinz Rummenigge demnach.

Traum von Einzelbestellungen für jedes Spiel

Zur Zeit des Vertragsabschlusses sei klar gewesen, "dass die Bundesliga auch im Pay-per-View zu sehen sein sollte". Danach hätten die TV-Zuschauer jedes Live-Spiel des FC Bayern einzeln bestellen können. Laut Rummenigge sah der Vertrag vor, dass der Gastgeber-Verein 64 Prozent der Einnahmen, der Gegner 32 Prozent und der Deutsche Fußball-Bund vier Prozent der Einnahmen erhalten hätte.

Umfragen hätten ergeben, dass es in Deutschland mehr als zehn Millionen Bayern-Fans - mithin jeder achte Deutsche - gebe. "Wenn es uns gemeinsam mit Kirch gelungen wäre, nur fünf Prozent davon dazu zu bewegen, unsere Spiele zu buchen, dann hätte man bei einem Preis von fünf Euro pro Begegnung am Ende einer Saison 51 Millionen Euro eingenommen."

Die "Leute von Kirch sind nicht blöd", so Rummenigge weiter. "Die wussten ganz genau, warum sie mit uns den Vertrag gemacht haben. Das wäre ein Riesengeschäft gewesen."

Bezahlplan aus Rücksicht auf kleine Vereine begraben

Schließlich sei Pay-per-View mit Rücksicht auf weniger attraktive Bundesliga-Mannschaften dann aber doch nicht eingeführt worden. Rummenigge: "Die Befürchtung war, dass wir dadurch den anderen Vereinen noch mehr enteilen würden."

Weil die Deutsche Fußball-Liga (DFL) den Standpunkt vertritt, dass ihr der Vertrag hätte vorgelegt werden müssen, muss der FC Bayern jetzt mit einer Strafe rechnen. Die DFL stehe "nach dem Sturm der Empörung sehr stark unter Zugzwang". Deshalb hofft Rummenigge, "dass sie noch wertfrei urteilen kann und sie sich nicht dem Druck der öffentlichen Meinung beugt und eine populistische Entscheidung trifft".

Entschieden bestritt Rummenigge den Vorwurf, er habe Lobbyarbeit für Kirch geleistet. Das sei "absurd". Er habe "nie eine persönliche Vereinbarung mit Kirch und seinen Firmen getroffen. Nochmals: Ich war kein Lobbyist für Kirch."

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