Webservices "Völlig neue Dienste möglich"

Sie haben die Internetrevolution erst ermöglicht. Doch Webservices sollen in Zukunft maschinelle Prozesse vorantreiben. Thorsten Wichmann, Geschäftsführer vom Marktforscher Berlecon Research, beschreibt für manager-magazin.de die Perspektiven.
Von Thorsten Wichmann

Hannover - Können technische Standards faszinieren? Wohl höchstens Informatiker, werden die meisten denken und sich wieder anderen Dingen zuwenden, wenn am Nachbartisch ein paar Leute aufgekratzt über UDDI, WSDL, SOAP und womöglich über BPEL4WS diskutieren.

Schade eigentlich, Chance verpasst. Denn Webservices, und dazu gehört der Buchstabensalat, ist derzeit nicht umsonst eines der großen Themen der IT geworden.

Was also steckt dahinter? Zunächst einmal sind Webservices keine neue Software, keine Technologie, die sich anfassen lässt, sondern einfach nur Standards. Aber Standards, nämlich HTTP und HTML, haben auch die Internetrevolution ermöglicht. Denn jede WWW-Seite, die sich an diese Standards hält, kann von jedem Standard-konformen Browser angezeigt werden.

Beispielhafte Kooperation

Jeder konnte auf dieser Basis seine Ideen verwirklichen (einige mehr, die meisten weniger erfolgreich), ohne langwierige Verhandlungen mit Software- oder Diensteanbietern führen zu müssen. Webservices sollen diese Revolution auf die nächste Stufe heben: Ihr Fokus ist die Kommunikation zwischen Programmen (Maschine-Maschine), und nicht mehr zwischen dem Internetsurfer und dem Webserver (Mensch-Maschine). Es geht auch nicht mehr nur um den Austausch von Inhalten, sondern um Funktionalität.

Dieser Austausch von Funktionalität soll auf standardisierte Weise und über das Internet erfolgen. Microsoft und die amerikanische Copyshop-Kette Kinkos geben einen Eindruck dessen, was dadurch möglich wird: Wird ein entsprechender Dienst aktiviert, kann auf dem PC direkt aus dem Druckmenü zusätzlich zum lokalen Drucker der Ausdruck bei Kinkos ausgewählt werden – auf Wunsch natürlich in Farbe, geheftet und sogar geliefert.

Neue Dienste

Das Schöne an Standards ist aber, dass diese Möglichkeit nicht auf Kinkos beschränkt bleibt. Stellt sich dies als neues und lukratives Geschäft heraus, können andere Copyshops ähnliche Dienste anbieten, einfach und schnell programmiert und ohne die Notwendigkeit, mit dem Softwareanbieter direkte Abkommen treffen zu müssen. Aber bis solche Beispiele überall zu finden sind, wird es sicher noch einige Jahre dauern.

Bis dahin werden Webservices-Standards zunächst einmal in anderen Bereichen eingesetzt werden, so in der Integration der Unternehmens-IT, im Bereich der Content Syndication oder in der E-Business-Integration zwischen Unternehmen. Trotzdem zeigt das Beispiel, dass Webservices das Potenzial haben, in Zukunft völlig neue Dienste und Anwendungen möglich zu machen, an die bislang noch keiner gedacht hat. Wenn das Unternehmer und Manager nicht faszinieren kann, was dann?

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