Kirchgeld-Affäre Die gesamte Chefetage hat's gewusst

Nicht 40,5 sondern 42 Millionen Mark hat Leo Kirch dem FC Bayern heimlich überwiesen, sagt Manager Uli Hoeneß. "Scheinheilig" nennt er den schäumenden Ärger der Liga-Verantwortlichen. Moralisch sei der FC Bayern "nicht zu packen". Im Gegenteil: Den selben Vertrag würde Hoeneß morgen wieder unterschreiben.

München - Uli Hoeneß ist nach Tagen heftigen Medienwirbels um die vom manager magazin enthüllte "Kirchgeld-Affäre" des FC Bayern München in die Offensive gegangen.

Der Manager des deutschen Fußball- Rekordmeisters nannte am Freitag in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz erstmals öffentlich Beträge, die von KirchMedia an den FC Bayern gezahlt wurden.

Hoeneß setzte sich auch mit zum Teil drastischer Wortwahl gegen seine Kritiker zur Wehr. Tags zuvor hatte Hoeneß noch geäußert, die vom manager magazin genannte und im Geheimvertrag genannte Summe (40,5 Millionen Mark) entspreche nicht den Fakten.

"Die Hälfte hat Herr Eichel bekommen"

Heute behauptete der FC-Bayern-Manager, dass es sich dabei um eine Untertreibung handelt: "Insgesamt sind 42 Millionen Mark an den FC Bayern geflossen", sagte Hoeneß über die Einnahmen aus dem umstrittenen Vertrag mit der Kirch-Gruppe. "Da ist auch ein Betrag X für die Vertrags-Auflösung dabei", so der Manager weiter.

Rund die Hälfte der umgerechnet 21,47 Millionen Euro "hat Herr Eichel in Berlin bekommen", so der Manager. Gleichzeitig verwies er im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Kirchgeld-Affäre auf seine Kollegen in der Chefetage des Clubs: "Alle haben mitgearbeitet. Ich habe keine Lust, als Chef-Angeklagter des Vereins zu gelten."

Verweis auf Benefizspiele

Begleitet von riesigem Medien-Interesse widersprach Hoeneß den Kritikern, die den 17-maligen deutschen Meister wegen des Kirch-Vertrags der Wettbewerbsverzerrung und Bestechlichkeit beschuldigten. "Ich glaube nicht, dass es irgendjemanden gibt, der den FC Bayern an der Moral packen kann."

"Wir haben in dieser Saison sieben Benefizspiele gemacht", so der 51-Jährige weiter. "So zu tun, als ob wir irgendjemandem eine Mark weggenommen hätten, ist eine Riesensauerei." Man habe niemandem in der Liga geschadet: "Der einzige, dem wir Geld weggenommen haben, ist Herr Kirch."

Angeblich mußte der FC Bayern nicht alles verraten

Die Frage, warum der FC Bayern den Vertrag nicht öffentlich gemacht habe, beantwortete der Manager mit dem Hinweis, dass die Kirch-Gruppe Wert auf Geheimhaltung gelegt habe. Beim Lizenzierungsverfahren musste der damals nicht mit dem Gesamtverein, sondern mit der Tochterfirma Sportwerbe-GmbH geschlossene Kontrakt nicht gemeldet werden, nur die Einkünfte.

Dem Vernehmen nach kann die Deutsche Fußball-Liga (DFL) dann aber detailliert nachfragen. "Hätte die DFL nachgefragt, wären wir bereit gewesen, die Beträge zu nennen."

Normalerweise seien es zehn bis 15 Millionen Euro pro Jahr, die nicht detailliert aufgeschlüsselt werden. Ausnahme: "Ein Verein, der Probleme hat, hätte alles bekannt geben müssen."

Vorwurf der Scheinheiligkeit

Neue Spieler auch ohne Kirchgeld zu finanzieren

Den Liga-Verantwortlichen, die die Kirchgeld-Affäre in den vergangenen Tagen teilweise drastisch kritisiert hatten, hielt Hoeneß seinerseits vor: "Alle Scheinheiligen dieser Welt, die sagen, sie hätten den Vertrag nicht gemacht, möchte ich kennen lernen."

Besonders ärgerten den Bayern-Manager offenbar Pressekommentare, wonach die Münchner durch die Kirch-Einkünfte die Möglichkeit zum Einkauf teurer Stars hatten. "Wir haben 2001 und 2002 so viel Gewinn gemacht, dass wir voll Steuern bezahlen. Wir hätten uns diese Spieler auch ohne dieses Geld leisten können."

Berliner Rechtsanwalt stellte Strafanzeige

Gegen den Vorwurf der Bestechlichkeit argumentierte Hoeneß, er habe 1999 bei den Verhandlungen um die Bundesliga-Vermarktung keinen großen Einfluss gehabt, nur einen Ratschlag geben können. "Glauben Sie, ein Uli Hoeneß hätte einem Gerhard Mayer-Vorfelder klarmachen können, für weniger Geld diesen Vertrag zu machen?"

Der Manager betonte weiter, dass sein Verein denselben Vertrag mit Kirch wieder unterschriebe, "wenn er morgen auf dem Tisch liegen würde".

Die Bayern hatten seit Bekanntwerden des Kirch-Deals heftig in der Kritik gestanden. Am Donnerstag stellte ein Berliner Rechtsanwalt sogar Strafanzeige gegen den Münchner Vorzeige-Club. Dem "sehen wir gelassen entgegen", sagte Hoeneß der Zeitung "Die Welt". Selbstkritik kam von Präsident Franz Beckenbauer. Der Aufsichtsratschef bezeichnete es gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" als "Fehler", dass der Vertrag nicht öffentlich gemacht wurde.

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