Samstag, 18. Januar 2020

EM.TV Die Formel-1-Ära ist beendet

Nur 8,5 Millionen Euro bekommt der Konzern für seine einst milliardenschwere Formel-1-Beteiligung.

München - Drei Jahre nach dem milliardenschweren Einstieg in die Formel 1 verliert die angeschlagene Medienfirma EM.TV Börsen-Chart zeigen ihre letzten Anteile an dem Rennsportspektakel. Das 16,7-Prozent-Paket werde für 8,5 Millionen Euro an die Bayerische Landesbank verkauft, teilte die EM.TV & Merchandising in München mit.

EM.TV ist aus dem Rennen: Ferrari präsentiert den Formel-1-Boliden F2003
Damit erhält EM.TV praktisch nur einen symbolischen Preis. Das Unternehmen hatte im März 2000 rund 1,7 Milliarden Euro für eine 50-Prozent- Beteiligung bezahlt und später weiter aufgestockt. Nun muss EM.TV hohe Abschreibungen vornehmen.

Mit der EM.TV-Beteiligung an dem Rennsportspektakel waren Kredite der zusammengebrochenen KirchGruppe abgesichert. EM.TV bestritt das Pfandrecht der Gläubigerbanken - neben der BayernLB sind dies auch Lehman Brothers und JP Morgan.

Nach der Einigung mit der BayernLB muss EM.TV die Beteiligung nun voll abschreiben. In den Büchern stand die Beteiligung noch mit einem Wert von 204 Millionen Euro. Damit wird ein guter Teil des Eigenkapitals aufgefressen, das in der AG Ende September 2002 noch 485,3 Millionen Euro betrug. "EM.TV kann dies finanziell verkraften", hieß es in einer Mitteilung.

Die Bayerische Landesbank bestätigte das Geschäft, wollte aber keinen weiteren Kommentar abgeben. Das halbstaatliche Institut muss nun noch eine abschließende Lösung mit den anderen Formel-1-Banken finden. EM.TV überträgt zunächst die Anteile an eine Tochter der BayernLB. Das Pfandrecht, das noch Gegenstand eines Rechtsstreits in Jersey ist, wird ebenfalls von dieser Firma als Belastung übernommen.

Die Landesbank behielt sich das Recht vor, den Anteil der Formel 1- Anteile an EM.TV zurückzugeben, der rechnerisch auf die anderen beiden Banken entfällt. Wenn die BayernLB die Beteiligung zu einem hohen Preis losschlagen kann, wird EM.TV an dem über die Kredite hinausgehenden Verkaufspreis prozentual beteiligt.

EM.TV hatte zwischenzeitlich 75 Prozent der Formel 1 besessen, im Zuge der Finanzkrise aber einen Großteil davon an die KirchGruppe verkauft. Nach dem Zusammenbruch der KirchGruppe kündigten die Banken die Vollstreckung an. Das Gericht in Jersey untersagte im Fall EM.TV aber zunächst die Verwertung per einstweiliger Verfügung. Wenn auch die anderen Banken zustimmen, soll das Gerichtsverfahren beendet werden.

© manager magazin 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung