Software "Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe"

"Unternehmenssoftware wird sich weiter durchsetzen", da sind sich Analysten sicher. Marktforscher gehen sogar von zweistelligen Wachstumsraten aus. Als Manko erweisen sich allerdings fehlende Standards.

Hamburg - Die New Economy ist tot, es lebe der netzgestützte Einsatz von Unternehmenssoftware. Die Investitionen für IT-Projekte zur Verbesserung betriebsinterner Abläufe haben sich für die meisten Unternehmen längst rentiert. Die Programme für Logistikketten, Kundenbeziehungen und Warenwirtschaftssysteme tragen sperrige Namen wie Supply Chain Management (SCM), Customer Relationship Management (CRM) und Enterprise Resource Planning (ERP).

Volkswagen gilt als einer der Trendsetter bei der Verknüpfung von Unternehmenssoftware mit dem Internet. Seit November 2001 betreiben die Wolfsburger ihr Lieferantenportal "VW Group Supply.com". Auf diesem virtuellen Marktplatz gibt es Online-Auktionen, Lieferanten zeigen ihr Angebot, Zulieferer und Konzern tauschen sich über Bedarf und Kapazitäten aus.

"Wir haben unsere Prozesszeiten um bis zu 95 Prozent gesenkt. Die Abläufe sind schneller und transparenter geworden", sagt Emanuela Wilm von der Volkswagen Kommunikation. "Jährlich sparen wir einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe, unsere Investitionen haben wir bereits wieder eingespielt."

Wie bei den meisten deutschen Großkonzernen gehört entsprechende Software auch beim Chemiekonzern Bayer zum Standard. "Beschaffung, Produktion, Vertrieb, Marketing - sämtliche Glieder der Wertschöpfungskette sind ohne Web-Aktivitäten kaum noch vorstellbar", sagt Dietmar Bochert, Sprecher der Bayer Business Services. SAP, Siebel Systems, Oracle, Peoplesoft, J.D. Edwards, i2 Technologies oder Manugistics gehören zu den etablierten Anbietern bei Unternehmenssoftware für Konzerne.

"Die New Economy hat Unternehmen mobilisiert, sich mit neuen Techniken zu beschäftigen", sagt Uwe Ritter, Direktor Produktmarketing bei Siebel. Das US-Unternehmen sieht sich als weltweiter Marktführer beim Customer Relationship Management (CRM).

Nachholbedarf hat vor allem der Mittelstand

Nachholbedarf bei der Verknüpfung von Unternehmenssoftware mit dem Internet hat vor allem der Mittelstand. Nur wenige Prozent der Firmen nutzen nach Beobachtung des Kölner E-Commerce-Centers Handel die Möglichkeiten des elektronischen Einkaufs. Dabei bergen Programme zur Verknüpfung der Informationen über Finanzen, Personal, Produktion, Vertrieb und Lagerverwaltung nach Einschätzung von Experten ein enormes Potenzial, um Engpässe früh zu erkennen, Abläufe abzustimmen und Doppelarbeit zu verhindern.

Die Kundendialogprogramme helfen Firmen, Übersicht über ihren Kontakt zu Kunden zu bekommen. Zentrale Bedeutung kommt nach Angaben des Anbieters Siebel der Verknüpfung von Kundendaten aus verschiedenen Teilen des Unternehmens zu. Über Logistik-Software lassen sich Einkauf und Lieferungen abstimmen und optimieren. Eine Vielzahl von Softwareherstellern buhlt deshalb um die Mittelstands- Kunden. SAP strebt mittelfristig einen Anteil des Mittelstands von 20 bis 25 Prozent am Gesamtumsatz an. Auch Microsoft sieht Chancen: Nach Schätzung des Softwarekonzerns besitzen lediglich rund 30 Prozent der Mittelständler ein integriertes System für Enterprise Resource Planning (ERP).

Weltmarkt von über 30 Milliarden US-Dollar

Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan geht von zweistelligen Wachstumsraten bei diesen Programmen aus. Bei CRM-Anwendungen sehen die Experten laut einer Untersuchung von Mitte vergangenen Jahres den Weltmarkt 2007 bei Umsätzen von 30,9 Milliarden US-Dollar. "Unternehmenssoftware wird sich weiter durchsetzen, schon auf Grund der Potenziale wie Kostensenkung, Schnelligkeit und besserer Service", analysiert Günter Prockl, wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl Logistik der Universität Nürnberg-Erlangen. "Woran allerdings noch gearbeitet werden muss, sind einheitliche Softwarestandards, damit es unternehmensübergreifende Plattformen geben kann."

Von Iris Auding, dpa

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