Fußball "Kein Interesse"

Wer will schon die Fußball-Bundesliga? Nachdem Sat.1 eine Option für die Übertragung der nächsten Saison nicht gezogen hat, findet sich kein Interessent für die künftige Übertragung der Spiele. Auch die ARD und RTL winken ab. Bleibt der Vermarkter Infront nun auf den teuren Rechten sitzen?

Frankfurt – Die Winterpause ist gerade beendet, da steht den Fußball-Bundesliga-Vereinen eine Menge Ärger ins Haus. Nicht, dass es um die spielerischen Leistungen ginge – zumindest nicht direkt. Nein, es handelt sich um den Widerstand der TV-Sender. Sie haben offensichtlich genug von den millionenschweren Investitionen, die bislang erforderlich waren, um die (oft genug unspektakulären) Begegnungen im Fernsehen zu übertragen.

Die Werbeeinnahmen brechen weg, und angesichts der nahezu inflationären Übertragung im TV ist auch das Interesse der Zuschauer gesunken. Nun machen die Sender ernst. Der Konzern ProSiebenSat.1 gab bekannt, auf eine Option zu verzichten, die ihm die Free-TV-Rechte an der Bundesliga für ein weiteres Jahr zusichert. Und es kommt noch schlimmer. Wer bislang dachte, die anderen Sender würden sich um die Übertragungsrechte reißen, der sieht sich eines Besseren belehrt. Die Fußballübertragung ist meist ein defizitäres Geschäft.

Absage von ARD und RTL

Am Dienstag meldeten sich nun die ARD und RTL zu Wort. Nein, sie hätten kein Interesse, heißt es. ARD-Chef Jobst Plog sagte, die Senderanstalten würden nicht als Bieter für die TV-Rechte an der nächsten Bundesliga-Saison auftreten. Auch RTL-Informationsdirektor Hans Mahr winkt ab. Der Kölner Privatsender zieht sich sowieso schon seit einer Weile aus dem Fußball-Geschäft zurück und sucht stattdessen lieber andere sportliche Herausforderungen wie beispielsweise in der Formel 1.

Wie geht es also weiter? Bleibt der Rechtevermarkter Infront von Günter Netzer etwa auf dem Free-TV-Paket sitzen? Nun, Sat.1 hat die Fußball-Bundesliga noch nicht ganz aufgegeben. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" stellte ProSiebenSat.1-Chef Urs Rohner klar, dass die Sendergruppe weiterhin an der Bundesliga interessiert sei.

Doch angesichts eines hohen Defizits kann und will Sat.1 nicht mehr die vielen Millionen Euro investieren. "Wir sind bereit, einen fairen Preis für einen Dreijahresvertrag zu bezahlen", sagte Rohner. Für die vergangene Saison hatte der Sender 80 Millionen Euro entrichtet. Spekuliert wird über einen Betrag von rund 50 Millionen Euro, den Sat.1 zu zahlen bereit wäre.

Zu teure Rechte

Die Position Rohners spricht Bände. Angesichts der Marktflaute müssen die Sender auf kostenintensive Investitionen verzichten. Allein für das eigene Image mag kaum mehr jemand Millionen Beträge zahlen. Mit anderen Worten. Die Übertragungsrechte sind in der Krise zu teuer.

Das Problem ist längst bekannt. Auch der Vermarkter Infront versuchte, die Deutsche Fußball Liga, die die Rechtevergabe unter ihren Fittichen hält, im Preis zu drücken. Doch die Liga zeigte nur wenig Mitgefühl. Denn sie muss ihre Vereine vertreten, und die leiden schon fast chronisch unter Geldmangel. Das Magazin "Kicker" bezifferte den Gesamtschuldenberg der Liga vor kurzem auf über 500 Millionen Euro.

Geradezu verzweifelt wirkt die Forderung an die insolvente KirchMedia, die ausstehenden 400 Millionen Euro zu zahlen. Die Liga wird in dem Insolvenzverfahren möglicherweise nur einen Bruchteil der Summe erhalten. Kein Wunder also, dass die Vermarkter und Sender auf geringe Nachgiebigkeit hoffen können. Droht doch dem einen oder anderen Bundesligaverein sonst das Aus.

So hält die Liga auch allen Forderungen nach einem Preisnachlass entgegen: Das Produkt Bundesliga sei mehr wert, als es zur Zeit öffentlich dargestellt würde. Alles Taktik, was Sat.1 treibe, urteilt auch Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

Doch sollte es nicht zu einer Einigung kommen, müssten sich die DFL wie der Rechtevermarkter Infront in Verzicht üben. Das Schweizer Unternehmen, an dem auch Günter Netzer beteiligt ist, hat immerhin 290 Millionen Euro für die gesamten TV-Rechte der laufenden wie kommenden Saison gezahlt. Das umfasst die Übertragungsrechte für das Pay-TV sowie die Erst-, Zweit- und Drittverwertungsrechte für das Free-TV. Für die Spielzeit 2004/05 und 05/06 hält das Unternehmen aber nur eine Option. Ein langfristiger Vertrag, wie ihn Rohner in der "SZ" forderte, ist also zur Zeit noch nicht möglich.

Sollte sich Infront nun nicht mit Sat.1 einigen können, bleibt dem Unternehmen fast nur noch eines: eine Beteiligung an dem Sender DSF. Ein Angebot liegt Presseberichten zufolge bereits vor. Doch dei Schweizer sind nicht die einzigen Interessenten. Auch EM.TV wirbt zusammen mit KarstadtQuelle um den Sportsender aus dem ehemaligen Kirch-Imperium. Ein weiterer Bieter ist die skandinavische Gruppe Modern Times.

"Bei gutem Willen auf allen Seiten finden wir eine vernünftige Lösung", beschwichtigt Rohner schon die Gemüter, die sich möglicherweise um die Bundesliga-Berichterstattung gebracht sehen. Ob auf Sat.1 oder DSF, ausführlich sind die Spiele sowieso nur auf Premiere zu sehen.

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