Deutsche Telekom "Etwas Luft verschaffen"

Der Verkauf von Unternehmensteilen des Telefonriesen schreitet voran, jetzt ist offenbar die Telefonbuch-Tochter DeTeMedien an der Reihe.

Bonn - Für die Deutsche Telekom (Kurswerte anzeigen) wird 2003 ein Konsolidierungsjahr. Nur mit größten Anstrengungen, glauben Experten, wird der Bonner Konzern sein Schuldenziel von rund 50 Milliarden Euro zum Ende des Jahres erreichen können. Jetzt ist der Verkauf der DeTeMedien im Gespräch.

Eine Gruppe von Verlegern, die für die Deutsche Telekom die Gelben Seiten produziert, hat ihr Interesse an dem Telefonbuchgeschäft angemeldet. Der Verkauf von DeTeMedien könnte der hoch verschuldeten Telekom bis zu einer Milliarde Euro einbringen. Das berichtet die "Financial Times".

An der Veröffentlichung der Gelben Seiten sind derzeit mehr als 100 Verlage beteiligt. Das Konsortium habe die Investmentbank Sal. Oppenheim als Berater eingeschaltet, schreibt die "FT". Die Telekom hatte in der vergangenen Woche bestätigt, sie sei bereit, die Auskunftei-Sparte zu verkaufen. Gegenüber manager-magazin.de wollte die Pressestelle der Deutschen Telekom die Verhandlungen nicht weiter kommentieren.

"Nicht aus der Luft gegriffen"

Wie die "FT" weiter schreibt, sind interessierten Verlage zwar relativ klein, befinden sich aber in einer guten Verhandlungsposition, da sie bereits in das Geschäft mit den Gelben Seiten involviert sind. Potenzielle andere Investoren könnten die Regionalverlagen daher schwerlich umgehen. Mit dem möglichen Verkauf folgt die Telekom anderen verschuldeten Konkurrenten, die sich ebenfalls vom Telefonbuch-Geschäft getrennt haben.

Analyst Andreas Heinold von der Landesbank Baden-Württemberg hält den möglichen Verkaufserlös von einer Milliarde Euro "für nicht aus der Luft gegriffen". DeTeMedien würde schließlich eine ordentliche Marge bringen. Experten wie Heinold schätzten den Jahresumsatz von DeTeMedien auf rund 350 Millionen Euro. Dies würde in etwa eine erzielte Gewinnmarge im zweistelligen Prozentbereich bedeuten.

Andere Analysten glauben nicht an einen derart hohen Verkaufserlös. So glaubt Holger Bosse von der Helaba Trust eher an eine Spanne von "500 bis 800 Millionen Euro". Eine Milliarde wäre zu optimistisch, so der Experte.

Neben der DeTeMedien stehen allerdings noch andere Töchter und Beteiligungen auf der Verkaufsliste des Telefonriesen. Während das TV-Kabelnetz unlängst an eine Investorengruppe um Goldman Sachs verkauft wurde, soll auch die Funkturm GmbH unter den Hammer kommen. Allein die 15.000 deutschen Mobilfunkstandorte der T-Mobile sind hier gebündelt. Auch diesem Thema war die Deutsche Telekom gegenüber manager-magazin.de zu keiner Kommentierung bereit.

"Etwas Luft verschaffen"

Anlysten wie Andreas Heinold schätzen, dass die Telekom mit dem Verkauf dieser Tochter etwa eine bis 1,5 Milliarden Euro einnimmt. Er wie der Fachmann Holger Bosse weist aber daraufhin, dass der Telefongigant einige Standorte - vor allem die des Mobilfunks - zurückmieten muss. Somit reduziert sich der Verkaufserlös zukünftig durch die Mietausgaben.

Hinsichtlich der Gesamtschulden von insgesamt 64 Milliarden Euro, "verschaffen diese Schritte der Telekom etwas Luft, die großen strategischen Glanzpunkte sind sie allerdings nicht", kommentiert Analyst Bosse.

Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick plant bis Ende dieses Jahres den Schuldenstand auf rund 50 Milliarden Euro zu senken. Insgesamt rund sechs Milliarden Euro sollen durch Verkäufe erzielt werden, jeweils rund zwei Milliarden Euro durch den Verkauf von Immobilien, von Anlagen und von Unternehmensbeteiligungen.

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