UMTS Ollilas Breitbandvisionen

UMTS - Top oder Flop? Jorma Ollia rechnet mit einem deutlichen Wachstumspotenzial. Was denkt der Nokia-Chef über die Zukunft der dritten Mobilfunkgeneration.

Der Konzernchef Jorma Ollila sitzt auf dem Podium. Der Chef des Handykonzerns Nokia, spricht über die Zukunft des Handymarktes und über UMTS. "Ja, es stimmt. In der Branche hat sich Ernüchterung breit gemacht". Aber er wisse gar nicht, ob die schlechte Stimmung denn wirklich so schlecht sein müsse.

"In diesem Jahr wird die Zahl der Handykunden deutlich ansteigen", sagt Ollila, der normalerweise die Presse scheut, aber beim Internationalen Pressekolloquium der Deutschen Telekom eine Ausnahme macht. Derzeit telefonierten rund eine Milliarde Menschen mit Mobiltelefonen. "Und es werden mehr", verspricht Ollila.

Der Chef des wohl erfolgreichsten Handyherstellers weltweit sieht vor allem in China, Russland, Indien und Brasilien die Wachstumsmärkte der kommenden Jahre. Sicherlich – auch in den USA sollen in diesem Jahr bis zu 90 Millionen Handynutzer dazukommen. In Europa, wo die Handydichte schon relativ groß sei, kurbelten neue Services mit "wirklichem Mehrwert" den Markt an.

Später, als gedacht

"Mobile Kommunikation ist nicht mehr wegzudenken." Und wie er in den vergangenen Jahren und Monaten festgestellt habe, nehme dabei die Non-Voice-Kommunikation immer mehr zu. Was Ollila damit meint, sind zum Beispiel SMS-und die jüngst ins Angebot vieler Betreiber aufgenommenen MMS-Nachrichten. "Die Kunden interessieren sich für Fotos."

Doch angeschoben würde der Markt vor allem durch Bandbreite. "UMTS kommt", wiederholt Ollila. Fast trotzig reagiert er auf kritische Töne, gesteht aber gleichzeitig ein, dass der Aufbau des UMTS-Netzes langsamer vorangehe als ursprünglich mal erwartet. "Klar, es geht später los als gedacht", sagt der Konzernchef fast wie selbstverständlich. Aber die hohe Besteuerung beim Erwerb der Lizenzen habe die Unternehmen zu einer gewaltigen Vorleistung gezwungen. "Das war der falsche Ansatz."

Offene Standards

Die Skepsis gegenüber UMTS kann Ollila nicht verstehen. Technologiefeindlich, urteilt er manch einen Kritiker ab. Das sei schon immer so gewesen, wenn technische Innovationen auf den Markt kämen. Ein Urteil, das übrigens auch von Pierer (Siemens) und Kai-Uwe Ricke (Telekom) teilen. T-Mobile wolle sein UMTS-Projekt im dritten Quartal ausrollen. "Und wir werden rechtzeitig passende Handys liefern", so Ollila.

Der Nokia-Chef schwört die Gemeinde ein: "Die Nachfrage wird mit entsprechend mehr Bandbreite steigen". Für Softwarespiele, Videonachrichten und Informationen vom Wetter bis zu Stadtkarten oder Verkehr. Er gehe davon aus, dass mehr als zehn Prozent der Handykunden sich ein UMTS-Gerät anschafften. Ebenso wie Bandbreite das Internet belebt habe, werde es auch den Mobilfunk antreiben.

Grundlage aller künftigen Errungenschaften seien aber offene Standards - für Handys, Computer und Fernsehgeräte. Ein offener Dialog müsse her, zwischen Herstellern und Contentlieferanten, sagt Ollila. Sonst würde die Zukunft wohl deutlich armseliger als es in den Köpfen der Technologen und Visionäre geistert. Denn Ollila spricht nicht nur von der Kommunikation von Handy zu Handy sondern auch von der Kommunikation von Maschine zu Maschine. Ein offener Standard muss her - für alles, fordert Ollila. Warum? Damit schon vom Büro aus die Mikrowelle angestellt und die Rollläden runtergelassen werden können.

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