UMTS "Ich bin viel gelassener"

Die Deutsche Telekom hat sich mit dem Lizenzkauf kräftig verschuldet. Ob sich das UMTS-Geschäft jemals auszahlt, ist umstritten. Kai-Uwe Ricke und sein T-Mobil-Vorstand Rene Obermann lassen daran aber keinen Zweifel.

"Wir sollten eigentlich nicht mehr von UMTS sprechen, sondern von 'mobile Multimedia'", sagt Kai-Uwe Ricke. Der Chef der Deutschen Telekom hat offenbar genug von der negativen Grundstimmung, die UMTS in weiten Teilen der Bevölkerung hervorruft. Auch Konkurrent Vodafone spricht mittlerweile lieber von 'mobile Multimedia'.

Die Tekom hat wegen der hohen UMTS-Kosten heftig Prügel erhalten. Der Vorstandsvorsitzende wechselte, Ricke soll den Konzern nun in ruhigere Bahnen führen. Der Schuldenabbau soll vorangetrieben werden.

Mit Unbehagen blickt Ricke jedoch auf die Entwicklung im deutschen Mobilfunkmarkt. "Noch gibt es keine vagabundierenden UMTS-Lizenzen", sagt Ricke mit Blick auf die Situation von Mobilcom und Quam. Beide Unternehmen haben ihr Engagement für den dritten Mobilfunkstandard eingestellt und müssen die Lizenzen wahrscheinlich an die Regulierungsbehörde zurückgeben – sofern kein Investor die entsprechenden Unternehmensbereiche übernimmt.

"Meine Empfehlung: Falls die Lizenzen freiwerden, sollten sie am besten in einem Tresor verschlossen werden und (zunächst) vom Markt verschwinden", so Ricke. Doch egal, was passieren wird, Ricke will sich davon nicht beirren lassen. "Ich bin inzwischen viel gelassener als noch vor 15 bis 18 Monaten."

Hohe Kosten

Bis Ende 2003 will der Telekom-Chef 200 Städte in Deutschland mit UMTS ausgestattet haben. 5000 Stationen sollen bis dahin stehen. "Damit hätten wir eine größere Reichweite erlangt, als die Regulierungsbehörde fordert", sagt der Manager.

Der Aufbau des Netzes und der Services werde jedoch in den kommenden fünf Jahren noch hohe Kosten verursachen, sagt Ricke. Das werde sicherlich die Konsolidierung vorantreiben. Platz wäre für vier Anbieter.

T-Mobile-Chef Rene Obermann erklärt, dass sich der Konzern die Kosten beim Netzaufbau mit Kooperationspartner O2 teile. Das gelte auch für Großbritannien. Das deutsche Unternehmen konzentriere sich dabei aber zunächst auf London. "Durch die Partnerschaft werden wir gleich von Anfang an eine hohe Netzauslastung haben", verspricht Obermann. Auch in Österreich baue die Telekom-Tochter 100 Standorte auf.

Ricke wie Obermann zweifeln nicht an der dritten Mobilfunkgeneration. Die kommenden Handys seien sowohl für GPRS wie UMTS nutzbar, sagt Obermann. Dass die Kunden möglicherweise gar nicht an UMTS interessiert seien, lässt der T-Mobile-Chef nicht gelten.

Von Homestations und anderen Dingen

Mit einer schnelleren Verbindung, steige die Akzeptanz mehr zu zahlen, fabulisiert der Manager. Mehr als zehn Prozent der Kunden will der Konzern von UMTS überzeugen. Neben UMTS will der Konzern aber auch im WLan-Geschäft punkten, erklärt Obermann. Dabei spielten sowohl 'Homestations' wie öffentliche Stationen in Hotels oder Bahnhöfen eine zentrale Rolle.

Technische Innovationen fünktionierten, bekräftigt der T-Mobile-Manager: Der erst vor wenigen Monaten eingeführte Service für MMS-Nachrichten entwickelten sich zum Erfolg. "Alleine im Dezember haben wir eine Millionen Bildnachrichten gezählt, die in unserem Netz verschickt wurden", so der Mobilfunkexperte. Ob der Manager auch für UMTS eine spezielle Anwendung findet, die dem dritten Mobilfunkstandard den Durchbruch verschaffen soll, lässt der Manager offen. "Wir stehen erst am Anfang der mobilen Dienste", sagt Obermann.

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