UMTS "Kein großer Wachstumstreiber"

Top oder Flop - für Lars Godell von Forrester Research hat UMTS nur geringe Chancen. "Wir brauchen UMTS nicht", meint der Chefanalyst der US-Marktforscher.

"UMTS ist kein großer Wachstumstreiber für die Wirtschaft." Lars Godell lässt kaum ein gutes Haar an dem dritten Mobilfunkstandard. Nicht umsonst hätte die "Newsweek" ihn 'Gloomy Godell' getauft, sagt der Chefanalyst von Forrester Research. Sein Urteil: Die Erwartungen in UMTS sind völlig überzogen.

Godell sieht dafür drei Hauptgründe. Zum einen komme UMTS viel später als von den Anbieter versprochen. Zum anderen wollten die Unternehmen nun nicht mehr groß investieren. Und schließlich kämen die Innovationen sowieso aus anderen Bereichen. Von UMTS als Revolution könne längst nicht mehr die Rede sein. UMTS sei (allenfalls) eine Evolution, sagt Godell.

Der Marktforscher macht seinem 'Kosenamen' alle Ehre. 2007 würden nur etwa zehn Prozent der Mobilfunknutzer auf UMTS zurückgreifen. Dabei hätten die Betreiber ursprünglich noch mit der Hälfte der Handynutzer gerechnet. Als Grund gibt der Forrester-Analyst an, dass sich die Einführung des Standards so sehr verspäte, dass die ehrgeizigen Ziele sich nicht erfüllen könnten. Ähnlich sei es schon bei WAP und GPRS gewesen, konstatiert Godell.

"Armseliger Business-case"

Probleme hat der Analyst auch mit der Vorstellung, Handykunden würden für Contentangebote zahlen. Die Bereitschaft sei gering. Zudem hätte bisher noch niemand ein überzeugendes Businessmodell vorgewiesen. Die Betreiber gingen davon aus, dass einfache Angebote wie Bilder oder Videoclips bereitgestellt werden könnten. Aber Godell ist da ganz anderer Meinung: "Dieser Content ist nicht King".

Zwar mag so mancher Kritiker sagen, auch im Internet sei dies zunächst so gewesen, mit der Zeit habe sich aber das Nutzerverhalten verändert. Doch Godell lässt sich nicht beirren. Er redet vom "armseligen Business-case". Neben Verkehrsinfo und möglicherweise Lotsendienste würde nicht viel geboten. Dabei würde GPRS und GSM schon ausreichende Bandbreiten zur Verfügung stellen. Ist UMTS also überflüssig?

Gewinne ab 2014

Godell mag zumindest einen Bereich erkennen, wo die Nutzer doch Geld ausgeben würden. Er nennt es "Conversational Content". Damit meint der Forrester-Abgesandte Services, die dem Aufbau und der Pflege von Kontakten dienten – so wie beispielsweise die SMS-Nachrichten. Das Potenzial derartiger Angebote sieht er dabei für 2007 in Westeuropa bei 15 Milliarden Euro.

Doch das größte Wachstum sieht Godell in einem anderen Bereich. "Die Kommunikation Mensch zu Mensch wird immer weniger interessant." Nein, seiner Meinung nach ist es spannender, wenn die Maschinen flüstern. "Wir gehen davon aus, dass 2005 mehr Maschinen miteinander kommunizieren werden als Handynutzer miteinander telefonieren." Und so prognostiziert er für "invisible mobile" ein großes Potenzial. Im Jahr 2020 würden diese Funkverbindungen um das Dreißigfache gestiegen sein.

Aller Kritik zum Trotz lässt Godell aber einen Hoffnungsschimmer. Mit UMTS könnten die Konzerne doch noch den Break-even erreichen. "Unserer Meinung nach wird der durchschnittliche Betreiber die Gewinnschwelle 2014 erzielen. Deutschland erst 2016."

UMTS: Killerapplikation ist tot UMTS: Auflagen gelockert UMTS: Vorreiterrolle in Gefahr


Breitband: Wird UMTS ein Flop?

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.