UMTS Stochern im Nebel

Wie schnell wird UMTS profitabel? Auf einem hochkarätig besetzten Kolloquium gingen darüber die Meinungen weit auseinander. Details zur UMTS-Einführung gab die Deutsche Telekom bekannt, ihre Tochter T-Online will in das interaktive TV-Geschäft einsteigen.

Berlin - Auf dem Internationalen Pressekolloquium der Deutschen Telekom  in Berlin äußerten sich die Vorstandschefs großer Telekommunikationsunternehmen zu möglichen Entwicklungen ihrer Produkte und der Märkte. Im Vordergrund stand dabei die UMTS-Technologie und das interaktive Fernsehen.

Der Handyhersteller Nokia  sieht positive Aussichten für den Mobilfunkmarkt. Die Mobilfunkteilnehmerzahl wird in Europa und Asien nach Ansicht von Nokia-Chef Jorma Ollila in diesem Jahr drastisch ansteigen. "In beiden Regionen erwarten wir 150 Millionen neue Kunden", sagte Ollila. Ende 2002 hätten auf den beiden Kontinenten jeweils 400 Millionen Menschen mobil telefoniert.

Bis zum Ende des Jahrzehnts würde sich die Zahl der weltweiten Mobilfunkanschlüsse von derzeit einer auf zwei Milliarden verdoppeln, sagte der Vorstandschef des größten Handy-Herstellers der Welt. Als große Wachstumsmärkte sieht Ollila die Schwellenländer China, Indien und Brasilien sowie Russland. Allein in China würden monatlich sechs Millionen neue Mobilfunkverträge geschlossen.

Telekom will Mindestabdeckung übertreffen

Eine weitere Wachstumsregion sei Nordamerika, wo die Telekomkonzerne Ende vergangenen Jahres rund 150 Millionen Kunden unter Vertrag hatten. In diesem Jahr würde die Teilnehmerzahl um einen Wert zwischen 60 und 70 Millionen steigen, sagte Ollila.

Der weltweite Handy-Absatz wird nach Ollilas Worten in diesem Jahr um mindestens zehn Prozent steigen. Im vergangenen Jahr sei der Absatz um fünf Prozent auf 405 Millionen gewachsen, sagte Ollila, der damit frühere Aussagen bekräftigte.

Die Deutsche Telekom kündigte auf dem Pressekolloquium an, ab Herbst 2003 mit der kommerziellen Markteinführung des neuen Mobilfunkstandards UMTS zu beginnen. Zum Start würden rund 200 Städte in Deutschland bis Ende des Jahres mit der entsprechenden Technik ausgerüstet, sagte Konzernchef Kai-Uwe Ricke. 5000 Sendestationen sollen im selben Zeitraum aufgestellt sein. Die von der Regulierungsbehörde geforderte Mindestabdeckung von 25 Prozent der deutschen Bevölkerung wolle die Telekom übertreffen.

Wissenschaftler contra Unternehmensführer

Ebenso kündigte Ricke an, in diesem Jahr mit dem Mobilfunkstandard UMTS auch in Großbritannien und Österreich starten zu wollen. In Großbritannien soll Ende des dritten oder Anfang des vierten Quartals der kommerzielle Start erfolgen, ergänzte Rene Obermann, Vorstandschef von T-Mobile International.

In England will sich die Telekom vor allem auf den Großraum London konzentrieren. Beim Aufbau des UMTS-Netzes in Großbritannien und Deutschland kooperiert der Konzern mit seinem britischen Wettbewerber MMO2. Ricke hält es für möglich, dass Investoren die Wettbewerber Mobilcom  und Quam aufkaufen, um sich deren UMTS-Lizenzen zu sichern. Ohne die Unternehmen direkt zu nennen, sagte Ricke, er könne sich vorstellen, dass Interesse an einer Übernahme bestehe.

Wie wird der 3G-Standard angenommen?

Die Frage, wann UMTS sich für die Unternehmen tatsächlich lohnt, wurde unterschiedlich beantwortet. Vertreter des Marktforschungsunternehmens Forrester Research prognostizierten den Break-even im Bereich UMTS für Deutschland für das Jahr 2016, für Europa im Jahr 2014. Nach Ansicht der Marktforscher sei die Bereitschaft der Kunden deutlich geringer, den neuen Mobilfunkstandard zu nutzen.

"Wir nehmen an, dass nur zehn Prozent aller europäischen Mobilfunkteilnehmer 3G nutzen werden". Eine Umfrage unter 26 europäischen UMTS-Lizenznehmern habe ergeben, dass die Unternehmen mit einer Quote von 50 Prozent rechnen würden. Bei einer Befragung unter 23.000 Europäern habe Forrester Research festgestellt, "dass die Bereitschaft, Geld für aufwändige Content-Angebote auszugeben, sehr gering ist." Als weiteres Hemmnis sehen die Analysten auch die Verzögerung bei der Einführung von technischen Neuerungen für UMTS. So werde es in den kommenden drei Jahren nicht genügend UMTS-Endgeräte geben.

Schützenhilfe von Clement

T-Mobile-Chef Obermann glaubt an eine positivere Entwicklung. "T-Mobile wird früher schwarze Zahlen schreiben." Genauere zeitliche Hinweise wurden nicht genannt. Schützenhilfe bekam Obermann von hochrangigen Regierungsvertretern, die sich optimistisch über die Erfolgssaussichten von UMTS äußerten. "Die ersten mobilen Multimediaprodukte auf der Basis des herkömmlichen Mobilfunkstandards haben gezeigt, dass eine Nachfrage nach Breitband-Mobilfunk besteht", sagte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD). Eine Spitzenstellung im Bereich Breitband-Internet und UMTS werde sich positiv auf die ganze Wirtschaft in Deutschland auswirken.

T-Online bald TV-Programmanbieter

Der Internetdienst T-Online kündigte auf der Tagung an, das Breitband-Portal T-Vision künftig auch als interaktives Fernsehprogramm anzubieten. Der Dienst umfasst unter anderem Video auf Abruf, einen elektronischen TV-Programmführer, für den TV-Bildschirm optimierte Webinhalte sowie E-Mail und andere Kommunikationsmöglichkeiten. "T-Online schlüpft dabei immer stärker in die Rolle eines Programmanbieters", sagte Thomas Holtrop, Vorstandschef von T-Online, gegenüber manager-magazin.de.

Cebit: T-Online präsentiert interaktives TV

Das TV-Angebot von T-Online kommt über eine Settop-Box auf den Fernsehbildschirm. Diese Box wird über das Telekom-Breitband T-DSL ans Internet angeschlossen. Der Dienst soll nach den Worten von Holtrop Ende 2003 live geschaltet werden. Auf der Computermesse Cebit in Hannover (12. bis 19. März) will T-Online einen Pilotservice präsentieren.

Mit welchem Partner T-Online den Dienst anbieten will, soll erst auf der Cebit verraten werden. Holtrop sagte gegenüber manager-magazin.de: "Wir sehen uns nicht als Konkurrent gegenüber anderen digitalen TV-Anbietern, sondern stehen in Konkurrenz zu Videotheken." Bezüglich der Umsatzerwartungen, meinte Holtrop: "Wir werden erstmal kleine Brötchen backen".

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