UMTS Killerapplikation ist tot

Die Mobilfunkkonzerne rätseln, wie sie mit dem Mobilfunkstandard der dritten Generation einmal Gewinn machen könnten. Immer deutlicher wird: Spezialangebote haben Chancen, doch für den Massenmarkt sind verkaufsträchtige Angebote noch nicht gefunden.

Hamburg – UMTS wird erst in 10 Jahren profitabel. Diese Einschätzung ist nun auch in der Branche angekommen. Auf dem internationalen UMTS-Forum zeichnete Verbandspräsident Bernd Eylert einen schwachen Ausblick. "Bei den Gewinnerwartungen müssen wir vernünftigerweise von einem Zeitraum von sieben bis zehn Jahren ausgehen."

UMTS ist mit milliardenschweren Investitionen verbunden – für die Lizenz und für den Aufbau der Infrastruktur. Doch über das Danach scheint sich kaum jemand vorher ernsthaft Gedanken gemacht zu haben. Kein Unternehmen weiß, wie es im UMTS-Geschäft eigentlich in absehbarer Zeit Gewinne schreiben soll. Dazu kommt die Angst, dass das billigere WLAN dem UMTS-Geschäft langfristig in die Quere kommen könnte.

Mobilcom hat sich überschätzt

Was fehlt, ist die Killerapplikation, gestehen sich die Mobilfunker inzwischen ein. SMS hat im GMS-Netz wunderbar funktioniert. Nun warten die Unternehmen auf den Durchbruch der MMS-Nachrichten, mit denen die Kunden Bilder von Handy zu Handy verschicken können. Die Hersteller legen nach und liefern die passenden Kamerahandys. Der Makel: Allein dafür bracht man UMTS nicht.

Sollte MMS den Durchbruch schaffen, was bleibt dann für UMTS? "Es gibt keine Killerapplikation für UMTS", konstatierte auch Mobilcom-Chef Thorsten Grenz auf der Hauptversammlung Anfang dieser Woche. "Und es ist für uns auch nicht ersichtlich, wann es eine geben wird." Grund genug, sich von der UMTS-Vision gänzlich zu verabschieden. Doch genau an dieser Frage entzündete sich einst der Konflikt zwischen Ex-Mobilcom-Chef Gerhard Schmid und Mitgesellschafter France Telekom. Mittlerweile ist Schmid weg, und der Büdelsdorfer Konzern sucht dringend nach einem Käufer für das Netz und Lizenz.

Lösung für Quam gesucht

Als die UMTS-Lizenzen vor bald drei Jahren versteigert wurden, war Mobilcom von offenbar überzogenen Vorstellungen ausgegangen. Grenz: "Wir hatten damit gerechnet, dass durch UMTS der Umsatz pro Mobilfunkkunde auf 70 Euro steigen wird." In Wahrheit liege er wohl nur bei einem Drittel.

Auch im Branchenkompass von Mummert Consulting, manager magazin und FAZ-Institut schlussfolgern Experten: "Die Suche nach der Killerapplikation beim Geschäft via Handy ist gescheitert." Sicherlich - die meisten Unternehmen wollen nicht aufgeben. Haben sie doch teilweise über acht Milliarden Euro pro Lizenz in Deutschland zahlen müssen.

Ist der Flop noch abzuwenden?

Abgeschreckt hat das allerdings Telefónica und Sonera nicht, als sie das operative Geschäft für ihr Mobilfunk-Joint-Venture Quam einstellten. Nun erwarten Branchenkenner, dass die beiden Konzerne die Quam GmbH im Laufe des Jahres verkaufen werden, damit die Lizenz nicht unentgeltlich an die Regulierungsbehörde zurückfällt.

Während die UMTS-Stimmung also auf dem Tiefstpunkt zu sein scheint, suchen die Firmen verzweifelt nach einem Ausweg. "Je genauer die M-Business-Angebote auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt sind, desto größer der Nutzen. Und je größer der Nutzen, desto eher ist der Kunde bereit zu zahlen", lautet das Kalkül der Unternehmen. Anders gesagt: Die Mobilfunkfirmen und Inhalteanbieter setzen auf Nischen- und Spezialprodukte.

Dabei eruierten die Unternehmen sehr genau, was die Kunden wollen, sagt Mummert Consulting. Besonders die Autobranche suche sehr gründlich, was bei den Kunden ankommen könnte. In dieser Hinsicht planten die Unternehmen, Teilmärkte in noch kleinere Zielgruppen zu untergliedern.

Neben den Inhalteanbietern bereiten sich auch die Handy-Hersteller auf UMTS vor. Doch ihre Euphorie ist längst verschwunden. So zum Beispiel bei Oliver Doleschal, Senior Marketing Manager Wireless Communication bei Samsung Deutschland. "Ich kann keine Killerapplikation für UMTS sehen", sagt der Manager vor Journalisten. Dennoch wird sein Konzern auf der CeBIT - wie die anderen Hersteller - neue UMTS-Handys vorstellen.

Die Vorbereitungen laufen, doch vom großen Geschäft hat sich die Branche scheinbar verabschiedet. "UMTS ist ein langfristiges Investment", resümiert Verbandchef Bernd Eylert. "Ein Geschäft mit der Hoffnung", konstatiert ein Branchenkenner. "Vielleicht ein hoffnungloses."

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