Telekom Enttäuschender Milliardendeal

Der Konzern hat seine TV-Kabelnetze verkauft. Neuer Herr im Hause der Kabelbetreiber ist ein Konsortium um Goldman Sachs. Der Preis liegt aber deutlich unter den einst geforderten 5,5 Milliarden Euro.

Bonn - Nach monatelangen Verhandlungen hat die Deutsche Telekom  ihre TV-Kabelnetze verkauft. Wie das Unternehmen mitteilte, gingen die sechs Netze an ein Finanzkonsortium aus Goldman Sachs , Apax Partners und Providence Equity. Damit bestätigte der Konzern am Dienstag Presseberichte, wonach der Verkauf unmittelbar bevorstehe.

Die Telekom erhält maximal 2,1 Milliarden Euro, hieß es weiter. Der Kaufpreis liege bei 1,725 Milliarden Euro in bar. Unter günstigen Umständen soll es noch einen Zuschlag von bis zu 375 Millionen Euro geben, womit ein maximaler Erlös von 2,1 Milliarden Euro zu Stande käme. die Transaktion soll bis Ende März vollzogen sein. Allerdings muss unter anderem auch noch das EU-Kartellamt den Kauf genehmigen.

Die Telekom-Aktie, die am Vormittag noch im Plus gelegen hatte, stürzte nach Bekanntwerden der Verkaufsvereinbarung ab und lag am Nachmittag zeitweise um mehr als vier Prozent unter dem Vortageskurs.

Bundeskartellamt durchkreuzte Verkaufspläne

Bei dem Verkauf geht es um sechs regionale Kabelgesellschaften der Telekom in Bayern, Berlin/Brandenburg, Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen, Bremen/Niedersachsen, Rheinland-Pfalz-Saarland sowie Hamburg/Schleswig-Holstein/Mecklenburg- Vorpommern.

Während die sechs Kabelnetze wegen des Einspruchs des Bundeskartellamtes im vergangenen Jahr nicht verkauft werden konnten, hatte die Telekom bei der Veräußerung der Kabelnetze in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen mehr Glück. Sie gingen an die Investoren Callahan und Klesch.

TV-Kabelnetze in US-Hand

Die Telekom will mit dem Verkauf ihren milliardenschweren Schuldenberg abbauen. Doch der Preis der Kabelnetze ist in den vergangenen Monaten rapide gefallen, nachdem in Europa immer mehr Kabelbetreiber in finanzielle Schwierigkeiten gerieten.

Liberty Media, mit der sich die Telekom zuvor auf den Verkauf der Kabelnetze geeinigt hatte, hatte noch 5,5 Milliarden Euro geboten. Doch das Bundeskartellamt legte im vergangenen Jahr ein Veto ein und der Deal platzte an den Bedingungen, die die Wettbewerbshüter an den US-Investor stellten.

In den folgenden Monaten schätzten Experten den Wert der TV-Kabelnetze nur noch auf einen Wert von rund zwei Milliarden Euro. Zu hoch seien die Kosten, um die Netze aufzurüsten. Europaweit strauchelten Kabelnetzbetreiber an den großen Investitionen, die sie auf sich zukommen sahen.

Der Ausbau der Netze wurde teilweise abgebrochen, wie beispielsweise auch in Deutschland bei dem Kabelbetreiber Ish. Die Telekom versuchte noch (in letzter Minute) den Wert ihrer Kabelnetze in die Höhe zu treiben, indem sie kurzfristig die Preise für Kabelanschlüsse erhöhte. Doch es half letztendlich nicht viel.

Insgesamt hat der Verkauf der TV-Kabelnetze der Deutsche Telekom nur sechs Milliarden Euro eingebracht. Ein enttäuschendes Ergebnis. Ursprünglich hatte die Telekom auf mehr als 15 Milliarden Euro Einnahmen gehofft. Geld, das der Konzern dringend benötigt, um seine Schulden abzubauen.

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