Montag, 24. Juni 2019

"Bild"-Zeitung Auflage fällt auf historischen Tiefstand

Die Durchschnittsauflage der "Bild" lag zuletzt so tief wie seit 28 Jahren nicht mehr. Möglicher Grund: Die Boulevard-Zeitung kostet trotz eigener "Teuro"-Kampagnen mehr als in D-Mark-Zeiten.

Berlin/Hamburg - Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" ist die "Bild"-Auflage erstmals seit Anfang der siebziger Jahre unter die Marke von vier Millionen Exemplaren gefallen. Der Axel Springer Verlag werde der Auflagenprüfinstanz IVW in dieser Woche mitteilen, dass er im vierten Quartal 2002 durchschnittlich 3,952 Millionen "Bild"-Zeitungen am Tag verkauft habe.

Zwar bleibe "Bild" damit die meistgelesene Zeitung nicht nur Deutschlands, sondern Europas - allerdings sei ein neuer Tiefstand der Auflage erreicht, die in den frühen achtziger Jahren noch stetig über fünf Millionen gelegen habe.

 "Bild"-Seite: Dank gestiegener Preise hat sich der Umsatz gut entwickelt
DDP
"Bild"-Seite: Dank gestiegener Preise hat sich der Umsatz gut entwickelt
Trotz des Abwärtstrends der Auflage gab sich der Verlagsleiter der "Bild"-Gruppe, Christian Nienhaus, gegenüber der "FTD" zuversichtlich. So seien die Umsatzzahlen entgegen dem Auflagentrend gestiegen. "Wir haben einen Rekordvertriebsumsatz, die höchste Reichweite aller Zeiten und vergleichsweise geringe Rückgänge im Anzeigengeschäft", sagte Nienhaus der FTD. Er fügte hinzu: "Wenn 'Bild' Schnupfen hat, hat Springer eine Lungenentzündung, heißt es, aber 'Bild' hat keinen Schnupfen."

Preissteigerungen bis zu 25 Prozent

Trotzdem wird der Auflagentrend der "Bild" des Springer-Flaggschiffs aufmerksam beobachtet. Derzeit nämlich sucht der Verlag nach Investoren für ein 30-prozentiges Aktienpaket, das früher Leo Kirch gehörte und nun in den Händen der Deutschen Bank liegt. Sie hatte das Paket als Pfand für einen Kredit an die insolvente KirchGruppe erhalten hatte.

Nach der Preiserhöhung für die "Bild"-Zeitung im vergangenen Jahr kündigte Nienhaus auch für 2003 eine Preisanhebung an. "Wir werden aller Voraussicht nach Mitte des Jahres den Preis für die Bundesausgabe auf 50 Cent erhöhen", sagte Nienhaus. Die Bundesausgabe, die außerhalb der Großstädte verkauft wird, kostet derzeit 45 Cent. 2002 habe der Verlag den "Bild"-Verkaufspreis um bis zu 25 Prozent gesteigert, berichtete die "FTD".

Springer hatte 2002 dem Einbruch der Anzeigeneinnahmen mit Kostensenkungen und Personalabbau entgegengesteuert und rechnet für das Gesamtjahr wieder mit schwarzen Zahlen, nachdem der Verlag 2001 mit 198 Millionen Euro den ersten Verlust seiner 50-jährigen Geschichte verbucht hatte. Für den Anzeigenmarkt sieht er in 2003 noch keine Erholung.

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