Hynix Umstrittener Hilfsplan

Erneut retten Gläubigerbanken den hoch verschuldeten südkoreanischen Chiphersteller vor dem Aus. Hynix-Konkurrenten wie Infineon laufen Sturm gegen die Intervention. Sie wittern staatliche Einflussnahme.

Seoul – Für den angeschlagenen Chiphersteller Hynix  begann das Jahr 2003 hoffnungsvoll. Um 13 Prozent legte der Aktienkurs zu, nachdem die Gläubigerbanken dem Konzern erneut mit einer Finanzspritze von umgerechnet vier Milliarden Euro das Überleben sicherten.

Das von der Deutschen Bank erarbeitete Rettungspaket sieht vor, dass die Kreditinstitute ihre Forderungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro in Eigenkapital umwandeln. Gleichzeitig werden Kredite über drei Milliarden Euro bis 2006 verlängert.

Zum dritten Mal innerhalb von zwei Jahren schrammt Hynix damit am Zusammenbruch vorbei. Wie der Rest der DRAM-Hersteller kämpft auch die Nummer drei der Branche mit Überkapazitäten und der Investitionsflaute im IT-Bereich. Zudem hadert Hynix mit einem Modernisierungszwang. Die Herstellungsanlagen gelten als veraltet.

Konkurrenten wittern Wettbewerbsverzerrung

Während sich die Hynix-Belegschaft über die Rettungsaktion zweifellos freuen dürfte, laufen Konkurrenten Sturm gegen die Intervention der Banken. Sowohl der US-Hersteller Micron , als auch der deutsche Chipproduzent Infineon  werfen der koreanischen Regierung Einflussnahme zu Ungunsten des Wettbewerbs vor, zumal einer der Hauptgläubiger, die Korea Exchange Bank, nach Angabe von Micron von staatlicher Seite kontrolliert wird. In einer Stellungnahme bezeichnete die Nummer zwei der Branche die Finanzhilfe als "illegale Subvention".

Micron und Infineon klagen bereits aus diesem Grund in den USA und bei der EU-Kommission gegen die südkoreanische Konkurrenz. Jüngst bestätigte ein US-Gericht einen materiellen Schaden durch die Billigimporte aus Korea für die heimische Computer- und Speicherindustrie. Micron hatte zudem 2002 versucht, Hynix zu übernehmen. Der Merger scheiterte, weil die Koreaner die Schließung von Produktionsanlagen fürchteten.

Wohl zu Recht, denn Experten gehen davon aus, dass ein Ausscheiden von Hynix zum Abbau der Überkapazitäten am DRAM-Markt beitragen würde. Derzeit liegen die Produktionskosten bei vielen Herstellern über den Verkaufspreisen.

Durch die neuerliche Rettung von Hynix bleibt die lang erwartete Marktbereinigung jetzt erneut aus. Sollte die Nachfrage nach Speicherbausteinen nicht überraschend stark zunehmen, bleibt die DRAM-Branche weiter in den roten Zahlen.

Das Tafelsilber wird verscherbelt

Derweil arbeitet Hynix weiter am Abbau des gigantischen Schuldenbergs. So wird das Unternehmen seine 47-prozentige Beteiligung am Monitorhersteller Hyundai ImageQuest für knapp 37 Millionen Dollar an das südkoreanische Investmentunternehmen GB Synerworks verkaufen. ImageQuest macht mit CDT-Monitoren und LCDs weltweit Jahresumsätze von 300 Million Dollar.

Zuvor veräußerte Hynix bereits seinen Firmensitz in Seoul für 36,8 Millionen Dollar und die Anteile an Hyundai Syscomm für 49,3 Millionen Dollar. Nach Medienberichten sind auch die Verkäufe der Beteiligungen an Hyundai Display Technology, Hyundai Autonet, ONSE Telecom und Hyundai Information Technology geplant.

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