Kirch-Krise Was lange währt, wird endlich ...

Nach langen Monaten neigen sich die Verhandlungen um die insolvente KirchMedia dem Ende zu. Nun ist es besiegelt. Der Bauer Verlag übernimmt die Kerngeschäfte des Kirch-Unternehmens: ProSiebenSat1 und den Filmrechtehandel.

Frankfurt - Der Heinrich Bauer-Verlag wird die Mehrheit an ProSiebenSat.1  sowie den Filmrechtehandel von der insolventen KirchMedia übernehmen und steigt so im großen Stil ins TV-Geschäft ein. Zugleich geht damit ein monatelanger Bieterprozess um das Kerngeschäft des früheren Medienimperiums von Leo Kirch zu Ende.

Bei der Übernahme der 52,5-prozentigen Mehrheit an Deutschlands größtem TV-Konzern ProSiebenSat.1 durch das Konsortium von Bauer und dem Juniorpartner HypoVereinsbank  sei man sich in sämtlichen Punkten einig, teilten Bauer und KirchMedia am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Auch über den Erwerb des Filmrechtehandels der Münchener Mediengruppe hätten sich beide Parteien im Grundsatz verständigt. Über Details werde noch gesprochen. Mit dem Axel Springer Verlag würden zudem Verhandlungen über den Kauf seines 11,5-Prozent-Anteils an ProSiebenSat.1 aufgenommen.

Insgesamt rund zwei Milliarden Euro geboten

"Wir wollen sämtliche Verträge bis Ende Januar abschließen und unterzeichnen", erklärte KirchMedia-Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems. Dank des positiven Verhandlungsklimas sei es möglich gewesen, eine Einigung wie angekündigt noch in diesem Jahr zu erzielen, fügte Bauer-Geschäftsführer Manfred Braun hinzu.

Nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen hatte Bauer für KirchMedia insgesamt rund zwei Milliarden Euro geboten und davon etwa 700 Millionen Euro für die 52,5 Prozent an ProSiebenSat.1.

Übernahmeangebot auch an restliche Aktionäre

Nach dem Erwerb der Mehrheit an der Senderfamilie muss der Bauer-Verlag nach deutschem Aktienrecht auch den außen stehenden ProSiebenSat.1-Aktionären (ohne Springer) ein Übernahmeangebot machen, für das der Verlag noch einmal bis zu rund 450 Millionen Euro bezahlen müsste, wenn alle Anteilseigner der Offerte zustimmen.

"Wir sind gesetzlich verpflichtet, ein Übernahmeangebot zu machen", bestätigte Bauer-Sprecher Andreas Fritzenkötter am Freitag. Der im M-Dax notierte TV-Konzern werde aber an der Börse notiert bleiben. Die ProSiebenSat.1-Aktien reagierten mit Kurszuwächsen auf die Nachricht und legten zeitweise mehr als vier Prozent zu.

Verhandelt werde nun vor allem noch über finanzielle Details des Erwerbs der Filmrechtebibliothek, erläuterte Fritzenkötter. Der Bauer-Verlag werde auf jeden Fall auch hier eine Mehrheit von wahrscheinlich 52 Prozent übernehmen. Die vier Gläubigerbanken von KirchMedia – Commerzbank, HVB, BayernLB und DZ Bank - würden sich dann mit den restlichen 48 Prozent am Filmrechtehandel beteiligen.

Der Bauer-Verlag, mit seinen Programm- und Frauenzeitschriften im Boulevard-Stil Marktführer im deutschen Zeitschriftengeschäft ("TV Hören und Sehen", "TV Movie", "Bravo", "Neue Revue"), erfüllt sich mit der Übernahme von KirchMedia einen lang gehegten Wunsch und steigt groß in das TV-Geschäft ein.

Kartellamt will die Übernahme prüfen

Der Konzern ist seit vier Generationen in der Hand der Familie Bauer. Verlagschef Heinz Bauer gilt als öffentlichkeitsscheu und renditebewusst. Auch im Medienkrisenjahr 2002, in dem andere Verlagshäuser mit Verlusten kämpfen, erzielt Bauer nach Einschätzung von Experten eine Umsatzrendite von zehn bis 15 Prozent.

Das Kartellamt wird die Übernahme genau prüfen. Denn Bauer ist mit 31,5 Prozent am Sender RTL 2 beteiligt. Der Verlag hält nach früheren Angaben einen Verkauf dieser Beteiligung nicht für nötig, auch wenn er die Familie der Sender ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 übernimmt.

KirchMedia hatte seit Oktober exklusiv mit dem Bauer-Konsortium über eine Übernahme der Kerngesellschaft des früheren Medienimperiums von Leo Kirch verhandelt. In dem monatelangen und immer wieder von Verzögerungen begleiteten Verfahren hatten mehrere andere Bietergruppen Angebote abgegeben.

Leo Kirch: Die Chronik eines Abstiegs

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