Pixelpark Aus für Gründer Paulus Neef

Der Vorstandschef des Berliner Internetdienstleisters Pixelpark, Paulus Neef, wird von dem einstigen Bertelsmann-Manager Jürgen Richter abgelöst. Der Vorwurf angeblicher Vetternwirtschaft brachte den Pixelpark-Gründer zu Fall.

Hamburg - Der Vorstandschef des Berliner Internetdienstleisters Pixelpark, Paulus Neef, wird von Jürgen Richter abgelöst. Das teilte das Unternehmen am Freitag in einer Ad-hoc-Meldung mit.

Jürgen Richter war bis vor wenigen Wochen Aufsichtsratschef von Pixelpark und trat damals überraschend von seinem Posten zurück. Zuvor war es zu Auseinandersetzungen zwischen Richter und Neef über den zukünftigen Kurs des Unternehmens gekommen.

Entzieht der Pixelpark-Mehrheitsaktionär Bertelsmann mit der Berufung Richters Neef das Vertrauen? Oliver Herrgesell, Sprecher von Bertelsmann, dementierte jeglichen Einfluss des Konzerns auf das Votum des Aufsichtsrats, Neef abzulösen: "Das ist eine Entscheidung des Aufsichtsrats von Pixelpark, Bertelsmann war in den Prozess nicht eingebunden", sagte Herrgesell gegenüber manager-magazin.de.

Sanierungsversuch blieb ohne Erfolg

Neef, Gründer und zuletzt alleiniger Vorstand von Pixelpark, hatte es in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht geschafft, das finanziell angeschlagene Unternehmen zu sanieren. Zum Rausschmiss des einstigen Stars der New Economy führte allerdings nicht nur sein Scheitern, aus Pixelpark ein profitables Unternehmen zu machen. Zum Verhängnis wurde dem begnadeten Verkäufer, wie ihn sein ehemaliger Mitarbeiter Harald Neidhardt betitelt, der Kauf des Zentrums für Logistik und Unternehmensplanung (ZLU) im Jahr 2000.

Neef zahlte 69 Millionen Mark in bar und Aktien für das Schweizer Unternehmen - fast das Dreifache des damaligen Umsatzes von ZLU. Eine teure Akquisition, urteilten schon damals Branchenkenner. Das Geld floss unter anderem an den ZLU-Gründer und ehemaligen Anteilseigner von Pixelpark, Helmut Baumgarten.

Auf der für diese Woche einberufenen Aufsichtsratssitzung sei allein Neefs angebliche Vetternwirtschaft Thema gewesen, hieß es aus Unternehmenskreisen. Das Gremium beschloss einstimmig, den Vorstandsvorsitzenden abzulösen. Treibende Kraft sei der neu gewählte Aufsichtsratschef Manuel Cadmus gewesen.

Nun obliegt es Richter, Pixelpark zu sanieren. Das Unternehmen steckt tief in den roten Zahlen. 2001 schloss Pixelpark bei einem Umsatz von 81 Millionen Euro mit einem Rekordverlust von 86 Millionen Euro ab. Mehrheitseigner Bertelsmann schoss immer wieder Geld nach und verzichtete auf die Rückzahlung eines 40 Millionen Euro schweren Kredits. Noch Anfang Dezember hatte der Gütersloher Konzern angekündigt, Pixelpark eine Finanzspritze in Höhe von 3,2 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Das Geld sei allerdings noch nicht geflossen, heißt es in Gütersloh.