Premiere Der unaufhaltsame Einstieg von Permira

Der angeschlagene Pay-TV-Sender Premiere hat sich als erste Kerngesellschaft des zerfallenen Kirch-Imperiums mit einem neuen Eigentümer auf eine Übernahme geeinigt. Doch der Vertrag soll erst im kommenden Jahr unterschrieben werden. Derweil denkt der Sender über einen Gang an die Börse nach.

Berlin - So gut wie alles unter Dach und Fach - nur noch an Details muss gefeilt werden. Der Pay-TV-Sender Premiere jubelt. Als erste Gesellschaft aus dem ehemaligen Kirch-Reich hat das Unternehmen einen neuen Investor gefunden. Der Sender habe sich mit einem neuen Eigentümer auf eine Übernahme geeinigt, heißt es. Allerdings würden sich die Verhandlungen über die Details der Vereinbarung mit dem Finanzinvestor Permira und den Gläubigerbanken noch bis ins neue Jahr hinziehen.

"Eine Einigung über die Grundzüge der neuen Gesellschafterstruktur von Premiere ist erzielt worden", teilte der Sender mit. Die europäische Investmentgesellschaft Permira strebe die Mehrheit an Premiere an. Die Gläubigerbanken BayernLB, HVB und BAWAG wollten eine Minderheitsbeteiligung eingehen, ebenso wie das Premiere-Management. Premiere-Chef Georg Kofler sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er rechne mit einem Abschluss der Verträge im ersten Quartal nächsten Jahres.

Kofler triumphiert

Premiere hatte seit der Insolvenz der Muttergesellschaft KirchPayTV nach einem Investor gesucht, der das Überleben des Senders sichert. Die Schwestergesellschaft KirchMedia ist noch mit dem Bauer-Verlag in Übernahmegesprächen, bei denen es noch vor Weihnachten zu einer Einigung kommen soll.

Permira bringt nun offenbar 150 bis 200 Millionen Euro an frischem Kapital mit, um Premiere bis zum geplanten Erreichen der Gewinnschwelle im ersten Quartal 2004 zu finanzieren. "Es ist schon klar, dass der Investor gewährleistet, dass Premiere bis zum angepeilten Break-Even durchfinanziert ist", sagte Kofler zu Reuters. Den Finanzierungsbedarf bis zu diesem Zeitpunkt bezifferte er mit 150 bis 200 Millionen Euro.

Geplant ist zudem, Premiere nach der Sanierung an die Börse zu bringen. "Ab 2005 wird es einen Börsengang geben", sagte Premiere-Chef Georg Kofler dem "Handelsblatt".

Eine Frage der Anteile

Gegenstand der Verhandlungen seien die genaue Aufteilung der Anteile von Permira, den Gläubigerbanken und dem Management sowie die Behandlung der Kredite, so Kofler. In verhandlungsnahen Kreisen hieß es, die Gläubigerbanken würden zusammen einen Anteil von weniger als 25 Prozent anstreben, das Management etwa zehn Prozent. Somit bliebt für Permira, die in mehreren Ländern Europas und in New York vertreten und an Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von 17 Milliarden Euro beteiligt ist, ein Anteil von mehr als 65 Prozent übrig.

Bei der Rückforderung der Kredite würden die Banken sich zunächst zurückhalten, hieß es in den Kreisen. So würden Altkredite an KirchPayTV von 750 Millionen Euro erst dann zurückgezahlt, wenn Premiere wieder schwarze Zahlen schreibt.

Kosten halbiert

Die Gläubigerbanken glaubten daran, dass Premiere nach dem Sanierungskurs von Kofler wieder ein interessantes Investment sei, hieß es in Finanzkreisen. Der notorisch optimistische Südtiroler kann auch einige Erfolge vorweisen. Er halbierte die Kosten des Senders innerhalb weniger Monate und sorgte mit einer neuen Programmstruktur für wieder steigende Abonnentenzahlen.

Seit Anfang Dezember gewinnt Premiere zwischen 4000 und 6000 neue Kunden pro Tag. Nachdem der Sender die Zahl von 2,5 Millionen Kunden im November überschritten hat, peilt Kofler die Marke von 2,6 Millionen Abonnenten im nächsten Vierteljahr an.

Auch bei der Programmversorgung verkündete Premiere am Donnerstag Fortschritte. Mit dem US-Studio Paramount habe Premiere einen Liefervertrag über fünf Jahre unterzeichnet und von Columbia ein großes Filmpaket erworben. Nun habe Premiere mit sieben Hollywood-Studios Filmverträge geschlossen. Die Verhandlungen mit Disney liefen weiter, sagte Kofler. Mit einer Einigung rechne er hier ebenfalls bis April 2003.