Heinrich Bauer Verlag "Wie ein Fels in der Brandung"

Trotz akuter Krise am Medienmarkt wächst der Medienkonzern - wenn auch nur leicht.

Frankfurt- Der vor dem Einstieg beim TV-Konzern ProSiebenSat1  stehende Hamburger Bauer-Verlag erwartet im laufenden Jahr trotz der Krise auf dem Medienmarkt einen leichten Umsatzzuwachs.

Im Anzeigengeschäft rechnet der Konzern mit einem Plus von drei Prozent auf 371 Millionen Euro, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht des Marktführers im deutschen Zeitschriftengeschäft hervorgeht. "Die Bauer Verlagsgruppe präsentiert sich in dieser Wirtschaftsflaute wie ein Fels in der Brandung", frohlockte Geschäftsleiter Manfred Braun.

Die Anzeigeneinnahmen machen beim Bauer-Verlag mit seinen Programm- und Frauenzeitschriften ("TV Hören und Sehen", "Neue Revue", "Bravo") jedoch nur rund 20 Prozent aus, der Umsatz aus dem Verkauf dagegen rund 75 Prozent – bei den meisten Verlagen ist das Verhältnis eher umgekehrt.

Preiserhöhung trotz konjunkturellen Schwäche

Bauer habe trotz der konjunkturellen Schwäche Preiserhöhungen am Markt durchsetzen können, hieß es in dem Jahresbericht weiter. Daher rechnet der Zeitschriftenriese in diesem Jahr mit einem Anstieg des Vertriebsumsatzes um 1,6 Prozent auf 1,34 Milliarden Euro. Insgesamt soll der Konzernumsatz 2002 um 1,7 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro steigen. 2001 lagen die Erlöse bei 1,75 Milliarden Euro.

Ergebniszahlen gibt der Konzern, seit vier Generationen in Besitz der Familie Bauer, traditionell nicht bekannt. Experten schätzen, dass der Verlag auch in dem Branchenkrisenjahr eine Umsatzrendite von zehn bis 15 Prozent erreicht.

Bei den Aussichten für das kommende Jahr gibt sich Bauer zurückhaltend. "Umsatzwachstum wird, trotz der gewachsenen Risiken, nur durch neue Produkte und Zukäufe möglich sein", hieß es. Dabei steht für den Verlag vor allem die Expansion in das TV-Geschäft an. Seit mehreren Wochen verhandelt Bauer exklusiv über die Übernahme der Filmbibliothek des zusammengebrochenen Medienimperiums von Leo Kirch und der Mehrheit an der Senderfamilie ProSiebenSat1. Der Vertrag über den Einstieg in den TV-Konzern ist praktisch unterschriftsreif und soll noch vor Weihnachten abgeschlossen werden.

Kalkuliertes Risikos in Sachen Kirch

"Es ist eine konsequente Fortsetzung unserer Unternehmenspolitik, dass wir in einer einmaligen Situation ein Angebot für einen massiven Einstieg in den deutschen Fernsehmarkt abgegeben haben", hieß es. "Auch dabei haben wir uns vom Prinzip des kalkulierten Risikos leiten lassen."

Das Auslandsgeschäft in insgesamt zwölf Ländern, mit dem Bauer 37 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet, soll in diesem Jahr mit einem Umsatzanstieg von 3,7 Prozent auf 665 Millionen Euro stärker wachsen als das Inlandsgeschäft (plus 0,6 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro).

In Westeuropa, Nordamerika, Mittelamerika und Fernost werde die Gesamtauflage zwar nur leicht ansteigen, "bei den Gewinnen wird dagegen mit einer starken Zunahme gerechnet", hieß es in dem Geschäftsbericht. Die behutsame Vorwärtsstrategie im Ausland solle fortgesetzt werden.

Der Bauer Verlag und RTL 2 werden zum Jahresende ihre Kooperation für das TV-Jugendformat der Bravo-Family beenden. Bereits in den letzten Tagen war bekannt geworden, dass Bauer künftig mit dem ZDF zusammenarbeiten wird.

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