Mobilfunkmarkt Auf Schnappschussjagd

Wer macht das Rennen? Ob Vodafone oder T-Mobile, Sharp, NEC und Panasonic - sie alle wollen dem dümpelnden Markt mit eingebauten Kamera-Handys wieder Schwung geben. Doch auf prall gefüllte Kassen müssen die Unternehmen wohl noch länger warten.

Frankfurt – Ein Schnappschuss, ein Gruß, ein Bild wird durch die Luft gefunkt. Die Handywelt wird von einem neuen Spielzeug erobert: dem Mobiltelefon mit eingebauter Kamera.

Über den Fernseher flimmern derzeit die Geschichten vom bebilderten Liebesgrüßen, ob bei Steffi Graf oder einfach nur im 'normalen' Freundeskreis. Handys mit Farbdisplays und eingebauter Digitalkamera sind ein Muss für jeden Mobilfunk-Fan.

Was für die einen eine willkommene Abwechslung ist, ist für den anderen ein technisches Highlight. Die Hoffnung der Hersteller und Mobilfunk-Betreiber liegt in der neuen Technologie. Sie soll dem Geschäft deutliche Impulse geben. Während also unter den Produzenten für gute Stimmung gesorgt wird, melden sich aber auch kritische Stimmen.

Hinderniss: Hohe Preise

Analysten erwarten nämlich, dass die hohen Preise für die neuen Endgeräte und technischen Anfangsschwierigkeiten den möglicherweise hohen Erwartungen der Unternehmen in die Quere kommen könnt. Nennenswerte Umsatzsteigerungen erwarten die Experten erst ab Ende 2003.

Einer Studie des US-Marktforschungsunternehmens Strategy Analytics zufolge wurden in den ersten neun Monaten 2002 weltweit gerade mal 9,5 Millionen Kamera-Handys verkauft. Das entspricht 3,2 Prozent des gesamten Mobiltelefonmarktes. Zwar wächst das Segment dynamisch - vom zweiten auf das dritte Quartal 2002 stieg die Zahl der verkauften Geräte um mehr als 40 Prozent auf 4,6 Millionen – doch die Analysten erkennen nur eine langsame Marktdurchdringung.

Die Investmentbank Credit Suisse First Boston rechnet beispielsweise damit, dass erst Ende 2003 rund zwölf Prozent aller Mobiltelefone in Westeuropa einen Multimedia Messaging Service (MMS) anböten - also farbige, bewegte Bilder und andere große Datenmengen hin und her senden können.

Gedämpft werden die Hoffnungen auf einen baldigen Boom auch vom weltgrößten Handyhersteller Nokia, der vor kurzem eine enttäuschende erste Bilanz über das Weihnachtsgeschäft mit den neuen Spielzeugen der Technikfreaks zog. Die Nachfrage tendiere weiter zu preiswerten Mobiltelefonen und nicht zu den hochwertigen, aber teuren Produkten, teilte der finnische Konzern mit.

Nokia, SonyEricsson und Siemens hinken hinterher

Hohe Subventionen für neue Handys

Im Weihnachtsgeschäft werden die neuen Spielzeuge der Technikfreaks heftig beworben - natürlich mit dem dazugehörigen Vertrag mit dem Mobilfunkbetreiber. Viele Kunden greifen schon nach den neuen Geräten: "Die Nachfrage steigt ständig", bestätigt Jana Nüssler, für Karstadt im Einkauf tätig.

Diese sei aber auch mit der hohen Subventionierung der Geräte durch die Mobilfunkbetreiber künstlich hervorgerufen, heißt es in einer Studie von Merrill Lynch (ML). So steuert Vodafone zum Beispiel für ein Panasonic-Handy rund 300 Euro dazu, etwa 300 Euro muss der Verbraucher selbst auf den Tisch legen, wenn der Kunde einen Vertrag über 24 Monate abschließt. Als Bonus erhält der Kunde dafür auch noch 50 MMS-Nachrichten kostenlos.

Dennoch erwarten Analysten, dass die letzten drei Monate dieses Jahres für den Handymarkt ein starkes Dezember-Quartal wird, schreiben die ML-Analysten. "Aber wir bezweifeln, dass das hohe Subventionsniveau aufrechterhalten werden kann." Die Betreiber versuchten, eine Euphorie um die neuen Geräte zu kreieren, um Kunden zu locken. "Obwohl wir glauben, dass MMS langfristig eine attraktive Anwendung wird, bezweifeln wir, dass der Dienst in den nächsten zwölf Monaten eine nennenswerte Verbreitung finden wird", heißt es im Kommentar.

Japaner haben die Nase vorn

Die Haupthemmnisse für die neue Technologie sehen die Analysten in den trotz Subventionen immer noch hohen Preisen für die Kamera-Handys und der Tatsache, dass der MMS-Dienst bisher oft nur innerhalb eines Mobilfunknetzes funktioniert, aber nicht notwendigerweise von einem zum anderen.

Die Bedienung der Geräte ist noch recht kompliziert und die Qualität der Bilder lässt zu wünschen übrig. "Das wird sich Ende nächsten Jahres bessern, wenn die zweite Geräte-Generation auf den Markt kommt", sagt Roland Pitz, Technologie-Analyst bei der HypoVereinsbank. Mit den dann sinkenden Preisen für die Endgeräte werde erst ein wirklicher Massenmarkt für die neue Technologie entstehen.

Bei der Entwicklung der Kamera-Handys lagen die asiatischen Konzerne vorn, denn in Japan gibt es diese Technologie schon seit zwei Jahren. Weltweiter Marktführer ist nach den Verkaufsdaten von Strategy Analytics der japanische Sharp-Konzern, gefolgt von NEC, Panasonic und Toshiba. Nokia, SonyEricsson und Siemens ziehen mit eigenen Modellen nach. "Für ein substanzielles Weihnachtsgeschäft reicht das aber nicht", sagt Pitz.

Vodafone: Einstieg in den Datendienst Nokia : Märkte zeigen sich von Prognosen enttäuscht Mobile Dienste: Teure Bilder Mobilfunk: Aber bitte in Farbe Sony Ericsson: Verpatztes Weihnachtsgeschäft

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