Sonntag, 5. April 2020

EM.TV Klatten bremst die Banken aus

Der Medienkonzern kämpft um die Formel 1. Das Unternehmen hat eine Einstweilige Verfügung gegen die Banken erwirkt, die sich eigentlich die Beteiligung an der Rennsportserie unter den Nagel reißen wollen.

München - Im Kampf um ihre Formel-1-Beteiligung hat die angeschlagene Medienfirma EM.TV Börsen-Chart zeigen nach eigenen Angaben vor einem Gericht in Jersey eine Einstweilige Verfügung erwirkt.

Formel 1 Streit auf ganzer Linie
Diese untersage es der Bayerischen Landesbank und den anderen Formel 1-Banken, ihr Pfandrecht zu verwerten, teilte EM.TV mit. Mit der 16,7-Prozent-Beteiligung an dem Rennsportspektakel war ein Kredit der zusammengebrochenen KirchGruppe abgesichert. EM.TV drohen bei einer Vollstreckung hohe Sonderabschreibungen.

Ende November hatten die Bayerische Landesbank, JP Morgan und Lehman Brothers Börsen-Chart zeigen dem Münchener Medienkonzern schriftlich mitgeteilt, dass die Voraussetzungen für eine Verwertung ihres Pfandrechts eingetreten seien. EM.TV bestreitet dagegen die Wirksamkeit der Verpfändung. Schon im November kündigte Unternehmenschef Werner E. Klatten an, rechtliche Schritte einleiten zu wollen. Die Gläubigerbanken wollten den Vorgang zunächst nicht kommentieren. Der Entscheid müsse zunächst einmal geprüft werden, hieß es in Finanzkreisen. Das Jersey-Recht gilt als kompliziert.

EM.TV hofft trotz richterlichem Einschreiten dennoch auf eine friedliche Lösung. "EM.TV hat von Anfang an das Ziel verfolgt, eine juristische Auseinandersetzung zu vermeiden", sagte Klatten. Ein gemeinsames Vorgehen aller Parteien sei der beste Weg, den Wert der Rennsportserie zu sichern und zu erhöhen.

EM.TV hatte ursprünglich die Mehrheit an der Rennsportserie erworben. Später verkaufte die Medienfirma diese dann größtenteils an die Kirch-Gruppe bis auf einen Rest. EM.TV hält nunmehr nur noch etwa 16,7 Prozent. Obwohl das Unternehmen versucht hatte auch diesen Anteil noch zu veräußern, gelang dies nicht, denn wegen der Verpfändung galt das Paket als unverkäuflich.

Sollten die Banken allerdings zum Zuge kommen, drohen EM.TV bei einer Vollstreckung hohe Sonderabschreibungen. Dies würde auch den Verlust im laufenden Jahr massiv erhöhen.

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