SAP/Siebel Wenn zwei sich streiten ...

Thomas Siebel stänkert erneut gegen SAP und wirft den Walldorfern Bilanzfälschung vor. Derweil brüsten sich beide Konzerne, der Konkurrenz erhebliche Marktanteile abgenommen zu haben.

Hamburg – Die New Yorker Börsenaufsicht SEC sorgte für Aufsehen, als sie Klage gegen das amerikanische Softwareunternehmen Siebel Systems  erhob. Das Amt warf dem Chief Executive Officer (CEO) Thomas Siebel vor, auf einer Veranstaltung vor 200 Investoren vor rund einem Jahr einen ganz anderen Ausblick auf das Geschäft gegeben zu haben als noch wenige Wochen zuvor der breiten Öffentlichkeit. Damit habe das Unternehmen gegen die Regeln zur Veröffentlichung von Informationen verstoßen.

Siebel erklärte sich nun bereit, eine Strafe von 250.000 Dollar zu zahlen. Die SEC legte damit die Ermittlungen nieder. Ein Schuldeingeständnis wollte das Unternehmen aber nicht abgelegen. Doch der Ärger über ein derartiges Vorgehen rumort bei Thomas Siebel offenbar weiter.

Erneut warf der CEO in einem Interview dem deutschen Softwareunternehmen SAP  Bilanzkosmetik vor. Nach Ansicht von Tom Siebel schönt SAP seine Umsätze mit Software für Kundenbeziehungen. "Der von SAP ausgewiesene CRM-Umsatz basiert nicht auf allgemein anerkannten Rechnungslegungsregeln", kritisiert Siebel in der "Computerwoche". Seiner Meinung nach fehlt es an objektiver Überprüfbarkeit.

"Da bekämpfen sich zwei Konkurrenten"

"Ein Akt der Verzweiflung", kommentiert SAP-Sprecher Herbert Heitmann Siebels Anschuldigungen. "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen", sagte Heitmann mit Blick auf die SEC-Klage gegen das US-Unternehmen. Juristische Schritte will SAP jedoch nicht einleiten.

Das Interview mit Siebel erschien zeitgleich mit einem Bericht der "Financial Times Deutschland", die mit SAP-Vorstand Henning Kagermann gesprochen hatte. Siebel wie Kagermann behaupten, dass ihre Firmen als einzige Marktanteile gewonnen hätten. "Da bekämpfen sich zwei Konkurrenten", urteilt die Branche.

Die Bilanzen der letzten Quartale zeigten die Wirklichkeit, sagt Heitmann. Im dritten Quartal verfünffachte SAP nach Steuern den Gewinn auf 202 Millionen Euro. Der Konzernumsatz lag mit 1,7 Milliarden Euro leicht über den 1,65 Milliarden aus dem Vorjahr.

Siebel Systems landete dagegen tief in den roten Zahlen. Der Umsatz war um 18 Prozent auf 357,2 Millionen Dollar gesunken. Der Verlust betrug 92,1 Millionen Dollar.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Auch wenn die Umsätze deutlich zurückgegangen sind: Siebel  ist tatsächlich Marktführer bei Software für Kundenbeziehungen (CRM). SAP  rangiert hinter dem US-Konzern. Allerdings ist das deutsche Softwareunternehmen unangefochtener Marktführer in den Bereichen betriebswirtschaftlicher Software. Den CRM-Bereich will das Unternehmen künftig stärken.

So strotzen die Walldorfer auch vor Optimismus. Kagermann: "Dies sind schwere Zeiten für die Branche, aber gute Zeiten für SAP" ("Financial Times Deutschland"). Das Gute sei, dass es keine starke Nummer zwei gebe. Das gilt zwar für Europa, in den USA konnte SAP neben Siebel, Oracle und Peoplesoft kaum Fuß fassen.

"Die Produktpipeline ist gut gefüllt"

Noch hat sich der IT-Markt aber nicht erholt. Allerdings sind die Prognosen für die kommenden Monate wieder besser. Mit einem Aufschwung rechnen die Marktforscher aber vor allem erst ab 2004.

In das gleiche Horn stößt auch Peter Mark Droste von Siebel Systems Deutschland: "Die Produktpipeline ist gut gefüllt. 2003 wird aller Voraussicht nach nicht so schlimm wie 2002. Die Talsohle ist bereits erreicht" ("Frankfurter Allgemeine Zeitung").

Kagermann rechnet derweil mit einer Konsolidierungswelle unter den kleineren Konkurrenten. SAP werde sich daran aber nicht beteiligen. Er sehe keine Notwendigkeit, Marktanteile oder neue Produkte zu kaufen. Auch Siebel prüfe den Markt, so Droste, das Unternehmen sei aber nicht auf Einkaufstour.

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