E-Plus Ein Trauerspiel

Das Mobilfunkunternehmen hinkt mit seinem i-mode-Dienst den eigenen Zielen weit hinterher. Nun soll eine Kooperation mit AOL frischen Wind in das schleppende Geschäft bringen.

Hamburg – Bei dem deutschen Mobilfunkunternehmen E-Plus läuft nicht alles rund. Eigentlich wollte die KPN-Tochter einen glänzenden Start für das japanische Exportprodukt i-mode hinlegen, doch daraus ist ganz offensichtlich nichts geworden. "Wir haben unser Ziel von 400.000 bis 600.000 Kunden nicht erreicht", gesteht E-Plus-Vorstandsmitglied Thorsten Dirks.

Bislang zählt das Unternehmen gerade 100.000 Kunden für den mobilen Internetdienst. Dies spreche jedoch nicht gegen den Erfolg von i-mode, so Dirks. Bis Ende des kommenden Jahres rechne E-Plus mit einer Million Abonnenten.

Auf die Sprünge helfen könnte dem Mobilfunkunternehmen möglicherweise eine Kooperation mit dem Onlinedienst AOL. Beide Unternehmen haben am Dienstag eine langfristige Partnerschaft bekannt gegeben. Künftig sollen i-Mode-Kunden ihre AOL-E-Mails mobil empfangen und verwalten können. E-Plus hofft damit vielleicht auch den einen oder anderen AOL-Kunden (2,6 Millionen Mitglieder in Deutschland) für sich gewinnen zu können. Insgesamt hat E-Plus bereits 114 Inhalte-Anbieter als Kooperationspartner für mobile Angebote gewinnen.

Dass sich i-mode trotz der Startschwierigkeiten noch durchsetzen wird, davon sind das Mobilfunkunternehmen wie AOL überzeugt. "Auch in Japan hat man etwa ein Jahr gebraucht, um i-mode populär zu machen", verteidigt AOL-Manager Jürgen Rösger die schwachen Zahlen. Dirks unterstreicht, die Kundenakzeptanz sei mit 92 Prozent zufriedener i-mode-Abonnenten sehr hoch.

E-Plus bietet seit März dieses Jahres den mobilen Internetdienst an. Entwickelt wurde er von dem japanischen Unternehmen NTT Docomo, der Mobilfunktochter des Telekomriesen NTT. Das Unternehmen feierte einen viel beachteten Siegeszug, der weltweit in anderen Ländern nachgeholt werden sollte. NTT Docomo schloss in Europa beispielsweise mit der Muttergesellschaft von E-Plus, dem niederländischen KPN, eine Kooperation. Doch bislang wartet das erfolgsverwöhnte Unternehmen vergeblich auf ein furioses Geschäft. Ähnlich ergeht es NTT Docomo mittlerweile auch in Japan mit UMTS.

Der Expansionskurs für i-mode und UMTS im Ausland kostete das Unternehmen seit 1999 insgesamt rund 1,8 Billionen Yen. Doch das Ergebnis ist kläglich. Gerade mal 143.000 Kunden erreicht die KPN-Gruppe nach Angaben von Dirks in den Niederlanden, Belgien und Deutschland mit i-mode.

Der i-mode-Start für Frankreich ist noch für dieses Jahr vorgesehen, Spanien soll im kommenden Jahr folgen. Ob sich an diesen Plänen etwas ändern wird, ist nicht bekannt, allerdings berichteten Medien vor kurzem, NTT Docomo wolle angesichts hoher Verluste seine Auslandsaktivitäten zurückschrauben.