O2 Mobilfunker auf Aufholjagd

Der kleinste deutsche Handy-Netzbetreiber glänzt mit schwarzen Zahlen. Erstmal hat die mmO2-Tochter Gewinn geschrieben.

München - Der Mobilfunker O2 jubelt. Die deutsche Tochter des britischen Unternehmens mmO2  weist erstmals einen Gewinn aus. Zwar stehen unter dem Strich weiterhin rote Zahlen. Da aber auch der Marktanteil weiter gesteigert wurde, sieht sich das Unternehmen für das UMTS-Zeitalter gut gerüstet. "O2 Germany hat alle Hausaufgaben erledigt", sagte Chef Rudolf Gröger in München.

In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2002/03 wies O2 (früher Viag Interkom) einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 1,7 Millionen Euro aus. Im Vorjahreszeitraum betrug der Verlust 173 Millionen Euro. Das Minus vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank im abgelaufenen Halbjahr von 333 auf 190 Millionen Euro. Der Umsatz verbesserte sich von 679,4 auf 764,3 Millionen Euro.

E-Plus im Visier

Für die Zukunft hat sich der kleinste Mobilfunkbetreiber Deutschlands viel vorgenommen. In zwei bis drei Jahren will das Unternehmen den Konkurrenten E-Plus überrundet haben. Ziel ist es, zum drittgrößten Anbieter in Deutschland nach T-Mobile und Vodafone  aufzusteigen.

Auch bei der Kundenzahl verzeichnete O2 Germany eine positive Entwicklung. Die Zahl der Handy-Kunden sei binnen Jahresfrist um ein Viertel auf 4,29 Millionen. Zum Start der Massennutzung von UMTS will das Unternehmen deutlich aufgeholt haben. Der Startschuss für den dritten Mobilfunkstandard soll hier zu Lande im September 2003 fallen.

Noch habe O2 aber nach eigener Einschätzung nicht die kritische Größe für das UMTS-Zeitalter erreicht, sagte Gröger. Der Marktanteil von derzeit 7,5 Prozent solle aber jedes Jahr um einen Prozentpunkt verbessert werden. Zum Vergleich: Marktführer T-Mobile hat etwa 23 Millionen Kunden.

Glück der Abspaltung

Dass O2 derart glänzen kann, während die gesamte Branche vor allem unter den hohen Milliardeninvestitionen für UMTS ächzt, hat einen Grund. Die ursprüngliche Muttergesellschaft von mmO2, die British Telecom, hatte das Mobilfunkunternehmen bei der Abspaltung nicht mit den hohen Gebühren für die UMTS-Lizenzen belastet. Somit tauchen diese Anfangsinvestitionen nicht in der Bilanz des Mobilfunkunternehmen auf. Etwas großspurig trägt dann auch Gröger auf: "Wir sehen heute, dass in diesem Wettbewerb denen die Puste ausgeht, die nur Kondition für die ersten 100 Meter mitgebracht haben",

Gröger räumte jedoch ein, dass UMTS viel Geduld erfordere. "UMTS ist keine Lizenz zum Gelddrucken, sondern eine langfristige Basistechnologie, die ihren Platz finden muss." Die Kosten für den Aufbau eines ordentlichen UMTS-Netzes schätzen Experten nach seinen Angaben auf drei bis vier Milliarden Euro. Die Preise für Netztechnik seien zuletzt aber tendenziell gesunken. O2 arbeitet beim Aufbau des UMTS-Netzes mit T-Mobile zusammen. mmO2 erwartete sich daraus Einsparungen von etwa zwei Milliarden Euro.

Zufriedene Analysten

mmO2 meldete am Dienstag ebenfalls schwarze Zahlen auf Ebitda-Basis für Großbritannien. In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2002/03 habe das Unternehmen die Erwartungen der Analysten erfüllt, hieß es.

Das Ebitda wuchs von April bis September gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 135 auf 378 Millionen britische Pfund. Experten hatten im Durchschnitt mit 360 Millionen Pfund gerechnet. Der Umsatz stieg um 11,5 Prozent auf 2,34 Milliarden Pfund, und lag damit im Rahmen der Erwartungen.