Siebel Systems Behördengänger

Konzern-Chef Tom Siebel sieht für die IT-Branche ein Ende der Abwärtsbewegung. Doch der Aufschwung lässt weiter auf sich warten. Hoffnung setzt der Softwarekonzern nun auf Aufträge aus der Verwaltung.

Hamburg – Siebel Systems  sieht endlich ein Ende des Abschwungs in der IT-Branche.

Tom Siebel, Chef des US-Softwarekonzerns Siebel Systems, sagte in einem Interview mit der "Financial Times Deutschland": "Ich sehe derzeit nichts, was darauf hindeutet, dass die Rezession sich noch verschlimmert." Allerdings kann der Firmenchef auch keine Anzeichen für einen Aufschwung erkennen.

Der Marktführer für Customer Relationship Management-Software (CRM) leidet wie andere Softwareunternehmen auch unter der derzeitigen Marktflaute. So landete das Unternehmen im dritten Quartal 2002 tief in den roten Zahlen. Der Umsatz war um 18 Prozent auf 357,2 Millionen Dollar gesunken. Der Verlust betrug 92,1 Millionen Dollar. Konkurrent SAP  verfünffachte dagegen seinen Gewinn nach Steuern auf 202 Millionen Euro. Der Konzernumsatz lag bei 1,7 Milliarden Euro.

Obwohl der Umsatz von Siebel stärker gesunken ist als bei seinem deutschen Wettbewerber, zeigt der Konzern-Chef dennoch keine Furcht vor den Walldorfern. Die jüngste Kampfansage des deutschen Konkurrenten bezeichnete Siebel sogar als "lachhaft".

Hoffnung auf Verwaltungsaufträge

SAP hatte angekündigt, 2003 Marktführer bei Software für die Verwaltung von Kundenbeziehungen (CRM-Software) werden zu wollen. Doch Siebel gibt sich siegessicher. Zusammen mit Partner Microsoft  will sich das Unternehmen keine Marktanteile nehmen lassen.

Neue Impluse erhofft sich der Siebel-Chef besonders von Aufträgen aus der Regierung und Verwaltung. Binnen fünf Jahren könne hier das umsatzstärkste Segment für das Unternehmen entstehen, sagt Siebel.

"Der Trend zur Nutzung von Informationstechnologie in Verwaltungen wird von Europa getrieben", sagte der Konzernchef. Derzeit erwirtschaftet Siebel weniger als fünf Prozent des Umsatzes in diesem Sektor.

Als Beipsiel für Verwaltungssoftware nannte Siebel das Produkt für Sicherheitsbehörden Homeland-Securitiy. Derzeit werde die Software von US-Ämtern getestet, sagte Siebel. Das Programm soll unter anderem dabei helfen, Aktivitäten von Verdächtigen zu beobachten. Sowohl bei Europol als auch beim Bundeskiminalamt sei das Unternehmen auf großes Interesse gestoßen.

Weitere Wachstumschancen sieht der Konzern in der engen Partnerschaft mit Microsoft. Ende Oktober hatte Siebel angekündigt, die Zusammenarbeit mit dem Bill-Gates-Konzern deutlich zu verstärken. Beide Unternehmen wollen zusammen ein gemeinsames Verkaufs- und Dienstleistungsangebot schaffen. Investitionen in Millionen-Dollar-Höhe stehen an.