0190-Nummern Dialer unter Druck

Abschied vom Inkassodienst. Laut Gerichtsurteil muss die Deutsche Telekom nicht mehr die 0190-Abrechnung für die Konkurrenz übernehmen. Anbieter befürchten Umsatzverluste. Derweil will die Bundesregierung schärfer gegen Dialer-Betrug vorgehen.

Düsseldorf/Hamburg – Anbieter von 0190-Nummern fürchten um ihr Geschäft. Wie das "Handelsblatt" berichtete, muss die Deutsche Telekom  künftig nicht mehr die Inkassodienste für die teuren Telefondienste übernehmen.

Das Verwaltungsgericht Köln entschied bereits vergangene Woche, dass die Telekom keine Abrechnungen für Anbieter von 0190-, 0180- und 0900-Nummern durchführen muss. Die Unternehmen hatten die fälligen Gebühren vom Nutzer bisher über die Telekom-Telefonrechnung eingezogen. Jetzt müssten sie theoretisch selber den Rechnungsdienst übernehmen. Auch Anbieter von Internet-by-Call-Diensten sind betroffen.

Auf Grund der geringen Beträge, die das Geschäft mit einem einzelnen Kunden einbringt, lohnt sich für viele 0190- und Internet-by-Call-Dienste eine eigene Rechnungsabteilung aber kaum. Zudem fürchten Anbieter den Verlust von Kunden. So könnten etwa TV-Sender, für die bislang kostenpflichtige Hotline-Dienste unterhalten wurden, nun die Leistung direkt von der Telekom einkaufen, um die Sicherheit ihrer Einnahmen zu gewährleisten.

Gravierende Folgen

"Die Folgen wären gravierend", erklärt Elke Rüther, Sprecherin des Online-Dienstes Freenet. "Wir wären in der Verpflichtung, eine direkte Abrechnung zu ermöglichen. Wir gehen aber davon aus, dass die Regulierungsbehörde Rechtsmittel einlegen wird", so Rüther weiter.

Unternehmen wie Talkline oder DTMS sehen in der Entscheidung der Kölner Richter einen Schritt Richtung Remonopolisierung des Telekommunikationsmarktes. "Statt den Wettbewerb zu fördern, hat das Gericht den Wettbewerbern den Boden unter den Füßen entzogen", sagte Talkline-Geschäftsführer Renatus Zilles gegenüber dem "Handelsblatt". Sollte das Urteil rechtskräftig werden, würden tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.

Drohende Entmonopolisierung

Unternehmen wie Talkline oder DTMS sehen in der Entscheidung der Kölner Richter einen Schritt Richtung Remonopolisierung des Telekommunikationsmarktes. "Statt den Wettbewerb zu fördern, hat das Gericht den Wettbewerbern den Boden unter den Füßen entzogen", sagte Talkline-Geschäftsführer Renatus Zilles gegenüber dem "Handelsblatt". Sollte das Urteil rechtskräftig werden, würden tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.

Die Telekom hingegen kann keine Nachteile für Talkline und Co. entdecken. "Anbieter mit einem rechtlich einwandfreien Angebot sollten keine Probleme haben", sagte Telekom-Sprecher Frank Domagala. "Das Urteil wird Transparenz schaffen, für den Markt und für die Kunden. Dagegen können doch auch die 0190-Services nichts haben", kontert Domagala die Vorwürfe.

Das letzte Wort in dieser Angelegenheit ist jedenfalls noch nicht gesprochen. Tatsächlich unterstützt die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post die betroffenen Dienstleister. Behördenchef Matthias Kurth wird wohl das Urteil anfechten und gegen den Spruch vor dem Oberverwaltungsgericht Münster Berufung einlegen.

Schärfere Gesetze gegen Dialer-Missbrauch

Schärfere Gesetze gegen Dialer-Missbrauch

Derweil plant die Bundesregierung schärfere Maßnahmen gegen den Betrug mit 0190-Nummern. Nach einem Bericht des Branchendienstes Heise.de sollen Gesetze geändert werden.

Im Rahmen einer Anhörung von Unternehmens- und Verbandsvertretern legte das Bundeswirtschaftsministerium ein entsprechendes Konzept vor. Dem Plan nach soll dem Bundskabinett bereist 2003 ein beschlussfertiger Entwurf vorgelegt werden.

Zeitabhängige Mehrwertdienstrufnummern sollen dem Papier nach auf zwei Euro pro Minute begrenzt werden. Die Abrechnung soll stets im Minutentakt erfolgen. Zeitunabhängige Dienste dürfen maximal mit 120 Euro pro Anruf berechnet werden.

Betreiberdatenbank geplant

Zudem ist der Aufbau einer Datenbank bei der Regulierungsbehörde geplant. 0190-Anbieter sollen dort mit einer ladungsfähigen Adresse registriert werden. Bei einem Verstoß gegen die mit dem Betrieb verbundenen Auflagen soll die Nummer entzogen werden.

Die Regulierungsbehörde soll auch ermächtigte werden, Bußgeldbescheide zu erlassen, wenn die Meldepflicht nicht beachtet wird. Eine Ergänzung des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb soll es zudem Verbraucherschutzverbände ermöglichen, gegen Anbieter zu klagen.