Axel Springer Verlag Unausgegorene Börsenpläne

Die Fusion mit Ringier ist geplatzt. Nun will die Deutsche Bank ihr Paket am Axel Springer Verlag voraussichtlich 2003 an die Börse bringen. Springer soll sich dafür stärker bei ProSiebenSat1 engagieren.

Berlin/Frankfurt - Nach der geplatzten Fusion des Schweizer Ringier und des Axel Springer Verlags  will die Deutsche Bank ihr Springer-Aktienpaket voraussichtlich im kommenden Jahr an die Börse bringen. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Bankenkreise. Einen genauen Termin wollte das Unternehmen jedoch nicht nennen.

Die Deutsche Bank  hält knapp 30 Prozent an dem Berliner Verlagshaus, die das Geldinstitut im Zuge des Zusammenbruchs des Kirch-Imperiums erhielt.

Ursprünglich wollten Springer und Ringier eine Überkreuzbeteiligung arrangieren. Die Schweizer sollten die Springer-Papiere der Deutschen Bank abkaufen. Doch dann scheiterte das Projekt Großverlag. Ringier wollte seine Eigenständigkeit behalten.

Nun arbeitet auch der Axel Springer Verlag an den Vorbereitungen für einen Börsengang, bestätigte Sprecherin Edda Fels gegenüber manager-magazin.de. Das Unternehmen habe parallel zu den Verhandlungen mit dem Schweizer Ringier Verlag auch mit der Deutschen Bank über die Börsenpläne gesprochen. Offiziell beschlossen sei allerdings noch nichts, auch gebe es keinen Zeitplan.

Das Bankhaus fordert dem Artikel zufolge indes, dass sich das Berliner Unternehmen stärker bei der Sendergruppe ProSiebenSat1  engagieren soll. Damit könnten den Anlegern die Anteile an Europas größtem Printkonzern schmackhaft gemacht werden, heißt es. Springer müsse deshalb seine Beteiligung an der Senderfamilie aus dem Kirch-Konzern von 11,5 auf 28 Prozent ausweiten. Um sich eine Sperrminorität bei der Sendergruppe zu sichern, fehle dem Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner jedoch das nötige Kapital, schreibt das Blatt.

Rückzug auf Raten?

Springer-Sprecherin Edda Fels zeigt für den Bericht wenig Verständnis: "Wir haben doch selber immer erzählt, dass wir mit ProSiebenSat1 weiter im Geschäft bleiben, wenn wir einen sinnvollen Anteil an dem Unternehmen halten können." Deshalb habe sich der Verlag auch bei dem Bieterverfahren um KirchMedia engagiert.

Das Verlagshaus hält dabei die Option, dem Bauer-Konsortium beizutreten, das aus einer Reihe von Interessenten den Zuschlag für das insolvente Medienunternehmen erhalten hat. "Entweder ganz oder gar nicht" sei die Devise, die der Axel Springer Verlag verfolge, bekräftigt Fels. Das Unternehmen spreche daher sowohl mit Bauer als auch mit den KirchMedia-Gesellschaftern.

Ob der Axel Springer Verlag jedoch tatsächlich an seinem TV-Engagement festhalten wird, darf bezweifelt werden. Hauptproblem seien die hohen Investitionskosten, heißt es bei Insidern. Zwar habe Döpfner dem "Handelsblatt"-Artikel zufolge eine vermeintliche Geldquelle gefunden. Doch Springer habe schon den Rückzug aus dem TV-Geschäft eingeleitet, vermutet das Branchenblatt "Kress".

Dem Bericht der Wirtschaftszeitung zufolge hofft Döpfner, sich in einem Musterprozess gegen Kirch durchsetzen zu können. Dabei soll geklärt werden, ob eine Forderung Springers von 767 Millionen Euro gegen Leo Kirchs Taurus Holding Gültigkeit habe. Doch die Aussichten auf Erfolg stünden schlecht, da sich das Kirch-Unternehmen mitten im Insolvenz-Verfahren befinde.

"Kress" schreibt bereits, die Wahrscheinlichkeit sei gering, dass Springer seinen Anteil an ProSiebenSat1 erhöhen wird. Vor allem da das Unternehmen nichts zahlen wolle. Als Hinweis mag dienen, dass der Verlag beim Bieterverfahren um KirchMedia nur noch eine Option beim Bauer-Konsortium hält. Zudem gab das Unternehmen kürzlich bekannt, die Springer TV News GmbH bis Ende des Jahres zu schließen. Und so meinen Branchenexperten auch, dass sich das Verlagshaus künftig eher auf den Printmarkt konzentrieren werde als sich weiter im Fernsehgeschäft zu probieren. Das müsse der Verlag jetzt nur noch der Deutschen Bank erklären.

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