Bauer Ringelreihen der Kandidaten

Die Verhandlungen über den Kauf von KirchMedia sind noch nicht abgeschlossen, da träumen die künftigen Herren des Hauses schon von der TV-Zukunft. Wichtigste Frage: Wer könnte ProSiebenSat1 künftig führen?
Von Klaus Boldt

Wenn nichts mehr dazwischen kommt und wenn es seinem Delegationsleiter Manfred Braun gelingt, den Kaufpreis (1,8 Milliarden Euro) noch ein wenig zu drücken, dann übernimmt der Hamburger Großverleger Heinz Bauer im Dezember die Mehrheit an der ProSiebenSat1 Media AG . Mit diesem Kauf steigt er aus den Niederungen der kostendrückenden Gazetten- und Postillenpublizistik ("TV Movie", "Bravo", "Praline") zur Nummer zwei im hiesigen Medienmarkt auf.

Während die Verhandlungen um die lukrativste Beteiligung aus der Hinterlassenschaft von Leo Kirch noch laufen, findet das in erhöhte Alarm- und Expansionsbereitschaft versetzte Bauer-Management Muße, Ruhe und einigen Spaß bei dem, was Führungskräfte gemeinhin am allerliebsten tun: Sie planen und träumen und denken voraus und stellen sich vor.

Zum Beispiel die kitzligste Frage: Wer könnte ProSiebenSat1 künftig führen? Wenig Erfahrung im Flimmergewerbe haben die Bauer-Kräfte jede Menge, sieht man einmal ab von der Minderheitsbeteiligung am Ramschkanal RTL 2. Dass der Wirtschaftsanwalt Urs Rohner, den Leo Kirch 1999 von der Zürcher Kanzlei Lenz & Staehelin abgeworben hatte, seine nur mäßig erfolgreiche Arbeit fortsetzt, scheint derzeit ausgeschlossen.

Der Traum vom völligen Neuanfang

Rohners Aufstieg gehört noch einer Epoche an, in der Medien automatisch florierten, egal wer sie führte, und in der Führungsposten noch nach Connection statt nach Qualifikation vergeben wurden.

Der Advokat Rohner, der im Jahr 2000 den ProSieben-Gründer und Hyperaktivisten Georg Kofler abgelöst hatte, war aus der Tiefe des Kirch'schen Bekanntenkreises in die Münchener TV-Führungsschickeria vorgestoßen: Er hatte unter anderem für die Metro-Gruppe des Kirch-Spezis Otto Beisheim gearbeitet.

Der öffentlichkeitsscheue Verleger Heinz Bauer, der Kirch nie über den Weg traute und dessen Personal erst gar nicht, verlangt einen völligen Neuanfang. "Wir brauchen eine Führung, die Aufbruch signalisiert", sagt ein Bauer-Manager.

Trotz der nahezu umfassenden Führungskrise im deutschen Fernsehen, haben die Verlagsleute freie Auswahl: Als Rohner-Nachfolger im Gespräch sind RTL-Gründer Helmut Thoma und dessen einstiger Atjudant Marc Conrad (heute TV-Produzent); auch der RTL2-Anstaltsleiter Josef Andorfer hat Fürsprecher bei Bauer – gilt freilich eher als Kandidat für den Chefposten von Sat 1.

Klatten ante Portas?

Am liebsten aber, sagt ein Intimus, sähe Firmenchef Heinz Bauer einen alten Bekannten an der Spitze der Münchner Senderfamilie: Werner Klatten. Der Großaktionär und Vorstandschef des schwer maladen Rechtehändlers EM.TV  verfügt über das Idealprofil.

Der ehemalige Zigarettenmanager (Brinkmann) stand in den 80er Jahren Sat 1 vor, scheiterte dort an Kirch, wechselte später in die Geschäftsleitung des Spiegel-Verlags und unternimmt seit 2001 einen bislang eher unerfreulichen Selbstversuch als Medienunternehmer. Vor allem aber kennt man sich: Seit Jahren berät Klatten den Verleger, unter anderem bei dessen RTL2-Engagement.

Hoffnungen auf die bayerische Spitzenposition macht sich im übrigen auch der Wiener Hans Mahr, RTL-Chefredakteur und guter Bekannter des Bauer-Sprechers Andreas "Kein Kommentar" Fritzenkötter. Wobei Mahr allerdings nicht weiß, ob er nicht doch irgendwann und weit lieber Intendant des österreichischen ORF werden will.

Und schließlich ist nach Ansicht von Manfred Braun auch Bauer-Stratege Manfred Braun nicht grundsätzlich ungeeignet. Das einzige Problem ist: ProSiebenSat1  muss erst noch gekauft werden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.