Palm Erfolg durch Trennung

Der PDA-Hersteller Palm hat sich vor knapp einem Jahr in ein Hardware- und ein Software-Unternehmen aufgeteilt. David Nagel, CEO des Bereiches der Betriebssystem-Programmierer Palm Source, erklärt im Interview mit manager-magazin.de seine Wachstumspläne.

mm.de:

Vor zwei Jahren war ein Manager ohne digitalen Assistenten megaout. Heute kauft kaum jemand mehr die Taschencomputer. Hat Palm , der größte Hersteller der Minirechner, noch eine Zukunft?

Nagel: Moment, wir haben gerade den 25-millionsten Palm ausgeliefert. Der Absatz der Taschencomputer ist nicht wesentlich stärker gesunken als der von PCs allgemein. Der Rückgang wurde durch die schlechte Wirtschaftslage ausgelöst. Das Interesse an digitalen Assistenten hat aber nicht signifikant nachgelassen.

mm.de: Wie wollen Sie das beweisen?

Nagel: In den vergangenen zwei Monaten hat Palm wieder Wachstum verzeichnet. Das neue preiswerte Modell Zire verkauft sich sehr gut.

mm.de: Adressen und Termine verwalten, E-Mails abrufen können mittlerweile auch Handys. Wozu braucht man eigentlich noch einen Palm?

Nagel: Wir halten Smartphones, die wie Taschencomputer mit Telefon funktionieren, auch für eine tolle Sache. Handspring, Samsung und Kyocera bauen solche Geräte und benutzen dabei unsere Software Palm OS. In Europa haben deren Smartphones große Erfolgsaussichten.

mm.de: Gegen den Marktführer Nokia ?

Nagel: Im Moment hat das Handy-Betriebssystem des Industriekonsortiums Symbian, das auch Nokia nutzt, noch 90 Prozent Marktanteil in Europa. Aber Samsung  will 2003 mit einem Smartphone mit Palm OS nach Europa gehen. Und Samsung ist sehr aggressiv. Die Koreaner sind innerhalb kürzester Zeit von Platz acht auf Platz drei unter den Handyherstellern aufgestiegen. Unser Lizenznehmer Kyocera, in den USA schon die Nummer drei im Mobiltelefongeschäft, will ebenfalls Europa erobern.

mm.de: Haben sie konkrete Ziele für Europa?

Nagel: In zwei bis drei Jahren wollen wir hier ein wichtiger Lieferant sein. Ich wäre sehr enttäuscht, wenn wir 2005 nicht 25 Prozent Marktanteil bei der Software für Smartphones hätten.

mm.de: Kannibalisieren Sie mit dem Verkauf Ihres Betriebssystems an andere Hardware-Hersteller wie Samsung oder Kyocera nicht Ihr eigenes Geschäft mit dem Palm Minirechner?

Nagel: Deshalb hat sich ja Palm Source, der Unternehmensteil der das Palm OS programmiert, schon im Dezember 2001 von dem Hardware-Hersteller getrennt. Wir haben als eigenständige Software-Firma einfach bessere Chancen am Markt.

"Microsoft ist nicht unbesiegbar"

mm.de: Zeigen sich die Effekte der Trennung in Ihren Unternehmenszahlen?

Nagel: Noch sind wir nicht profitabel. Aber wir werden bis Ende 2003 wieder Gewinne machen. Unseren Jahresumsatz von derzeit rund 70 Millionen Dollar wollen wir von Jahr zu Jahr um 30 Prozent steigern.

mm.de: Wie wollen Sie das in dem schwachen Computermarkt schaffen?

Nagel: Als eigenständiges Unternehmen können wir in die verschiedensten Märkte expandieren. Wir beliefern nicht mehr nur die Hersteller von Taschencomputern mit Palm OS sondern eben auch Handy-Produzenten oder Anbieter von preiswerten Rechnern für Schulen oder Geräte für die Industrie.

mm.de: Reicht das für kräftiges Wachstum?

Nagel: Wir diversifizieren auch in der Software. Neben dem Betriebssystem bieten zudem die verschiedensten Anwendungen an. Wir haben zum Beispiel ein Medizin-Programm. Damit können Ärzte auf Ihrem digitalen Assistenten die Neben- und Wechselwirkungen von 2600 Medikamenten prüfen.

mm.de: Mit Ihrer Palm-Software konkurrieren Sie gegen das Betriebssystem Pocket PC von Microsoft . Wie wollen Sie als Winzling gegen den Giganten bestehen?

Nagel: Unsere Software ist viel praktischer, leistungsfähiger und kompakter als die von Microsoft. Bei Palm können sie eine Adresse in zwei Schritten verändern. Bei Pocket PC brauchen sie vier Arbeitsgänge. Viele Produkte sind besser als die von Microsoft.

mm.de: Dennoch ist kein Unternehmen so erfolgreich wie das von Bill Gates.

Nagel: Microsoft dominiert bei PCs, ist aber längst nicht überall erfolgreich. Die Spielkonsole X-Box ist ein Verlustgeschäft. Bei interaktivem TV hat Microsoft einen Marktanteil von Null. Und im Telefongeschäft versagen sie auch. Die Firma Sendo, die Telefone mit Pocket PC-Software herstellen wollte, hat das Microsoft-System rausgeworfen. Und das obwohl Microsoft 16 Millionen Dollar in Sendo investiert hat. Aber Pocket PC hat im Handy einfach nicht funktioniert.

mm.de: Und Sie wollen den David spielen?

Nagel: Der Goliath Microsoft ist nicht unbesiegbar. Er macht ganz viele verschiedene Dinge. Wir konzentrieren uns auf unser Produkt und machen das richtig gut. Deshalb nehmen wir jetzt schon Pocket PC Marktanteile ab.

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