Lycos Europe Weiter auf Sinkflug

Das Internetunternehmen leidet weiter unter der Werbeflaute. Der Umsatz sank in den ersten neun Monaten um 22 Prozent. Nun wird Firmenchef Christoph Mohn sein Ziel, im vierten Quartal den Break-even zu erreichen, wohl nicht mehr halten können.

Haarlem – Die Werbeflaute macht dem Internetportal Lycos Europe  schwer zu schaffen. Das Unternehmen meldet für die ersten neun Monate 2002 einen deutlichen Umsatzrückgang. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Erlöse um 22 Prozent auf 89,3 Millionen Euro zurückgegangen. Damit rückt auch das Ziel in weite Ferne, bald den Break-even zu erreichen. Die Aktie verlor am Mittwochvormittag mehr als acht Prozent.

"Wir können nicht ausschließen, dass wir unser Ziel, im vierten Quartal auf Ebitda-Basis in die schwarzen Zahlen zu gelangen, nicht erreichen können", sagte Lycos-Europe-Chef Christoph Mohn auf der Pressekonferenz am Mittwoch.

Für die Anteilseigner dürfte diese Nachricht etwas überraschend kommen. Noch im August hatte Mohn bekräftigt, die Bertelsmann-Beteiligung werde im letzten Quartal des Jahres den Break-even erreichen. An Lycos Europe halten neben Bertelsmann auch Terra Lycos – eine Telefonica-Beteiligung – und Christoph Mohn, Sohn des Bertelsmann-Gründers maßgeblich Anteile.

Bertelsmann-Vertrag geht flöten

Doch aus dem ehrgeizigen Ziel wird wohl nichts. Wie der Vorstandsvorsitzende weiter erklärte, verhagelt die gesamtwirtschaftliche Lage aber auch ein ausgelaufener Exklusivvertrag mit Bertelsmann dem Unternehmen das Ergebnis. Letzterer hatte Lycos zwei Jahre lang pro Quartal sieben Millionen Euro in die Kasse gespült.

Allerdings dürfte das Ende des Exklusivvertrages mit Bertelsmann für Lycos nicht überraschend kommen. Intern war dieser Schnitt längst bekannt. "Es war immer klar, dass dieser Vertrag ausläuft," bestätigte auch Bertelsmann-Sprecher Oliver Herrgesell gegenüber manager-magazin.de.

"Wir verhandeln nun mit anderen Unternehmen", sagte Mohn. Doch könne er nicht dafür garantieren, dass die verlustigen Umsätze vollständig kompensiert werden könnten. Abgeschlossen habe Lycos eine Kooperation mit Amazon , wichtige Geldbringer seien zudem die Werbeverträge mit Overture und Espotting. Darüber hinaus verspüre Lycos einen Aufwärtstrend bei den Werbebuchungen. Besonders auffällig sei, dass Markenartikler vermehrt Branding-Kampagnen im Internet schalteten.

Hoffen auf bessere Zeiten

117 Millionen Euro Verlust

Doch die optimistischen Töne können nicht darüber hinweg täuschen, dass das Unternehmen immer noch hohe Verluste schreibt. Mohn wird zwar nicht müde, zu erzählen, wie gut das Konsolidierungsprogramm wirke, doch der Fehlbetrag lag für die ersten neun Monate bei 117 Millionen Euro. Im Vorjahr betrug er allerdings noch 880,6 Millionen Euro.

Auch beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) wies Lycos erwartungsgemäß einen Verlust aus. Das Ebitda lag bei minus 55,4 Millionen Euro, im Vorjahr waren es noch minus 112 Millionen Euro. Das Ergebnis sei besonders durch Restrukturierungsmaßnahmen in Höhe von 13,6 Millionen Euro belastet. Zudem hätten auch Akquisitionsaufwendungen in Höhe von 10,3 Millionen Euro zu Buche geschlagen. Im dritten Quartal lag das Ebitda bei minus 15,7 Millionen Euro, im Vorjahr waren es noch minus 27,2 Millionen Euro.

Vom kommenden Jahr verspricht sich Mohn eine Besserung des Werbemarktes. Zudem sollen Premium-Services die Erlöse in die Höhe treiben. In einer ersten Stufe will Lycos Europe in Kooperation mit Gesellschafter Terra Lycos die ersten kostenpflichtigen Dienste starten. In den USA und Großbritannien seien diese bereits im Angebot. Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien sollen in den kommenden Monaten folgen.

Angst um seine Zukunft hat Lycos Europe trotz der hohen Verluste offensichtlich nicht. Noch verfügt das Unternehmen mit 246,3 Millionen Euro (Ende September) über reichlich liquide Mittel. Zudem will auch der Medienkonzern Bertelsmann an dem defizitären Internetunternehmen festhalten. Vor wenigen Wochen sagte Bertelsmann-Chef Gunter Thielen, Lycos habe langfristig gute Chancen, profitabel zu werden.

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