Microsoft Sendo kündigt Bill Gates

Rückschlag für den Softwarekonzern. Der britische Handypartner Sendo will von der Software des Konzerns nichts mehr wissen. Künftig setzt das Unternehmen auf Nokia.

London - Der Softwarekonzern Microsoft  erhält einen empfindlichen Dämpfer für sein Handygeschäft. Mobilfunkpartner Sendo Holding, an dem Microsoft mit zehn Prozent beteiligt ist, hat das Entwicklungsprogramm für Smartphones mit Microsoft-Software eingestellt.

Stattdessen hat sich der britische Handyhersteller entschlossen, künftig die Software von Nokia einzusetzen. Darüber hinaus kündigte das britische Unternehmen auch den Lizenzvertrag mit Microsoft.

Ein herber Rückschlag für den amerikanischen Konzern. Das Bill-Gates-Unternehmen wollte eigentlich ganz groß in den Handymarkt einsteigen. Erst im Frühjahr hatte Microsoft unter dem Arbeitstitel "Stringer" eine Handy-Offensive angekündigt. Einziger Partner in Europa war zunächst Sendo. Die Zusammenarbeit mit dem Mobilfunkbetreiber Orange galt schließlich als Durchbruch. Vor wenigen Wochen präsentierte das Unternehmen zusammen mit dem britischen Netzbetreiber ein Kamerahandy.

Doch darüber hinaus konnte Microsoft nur wenige Erfolge für seine Handysparte vorweisen. Kaum ein Hersteller hat sich bislang für die Software des amerikanischen Unternehmens entschieden. In den USA ist mit AT&T Wireless gerade mal ein Partner gefunden. In Asien sind es das taiwanische Unternehmen HTC und der Koreaner Samsung.

Branchenkenner spekulieren nun, Microsoft habe dem britischen Hersteller zu wenig Freiheit gelassen. Sendo hat Presseberichten zufolge mehrere zehn Millionen Pfund in die Entwicklung der Geräte gesteckt.

"Es war eine sehr schwierige Entscheidung, insbesondere, weil wir durch das Handy Z100 die führende Position bei der Entwicklung von Smartphones erworben hatten", zitiert das "Handelsblatt" den britischen Hersteller.

Eigentlich hätten die Microsoft-Handys noch in diesem Monat an die Betreiber Wind in Italien und Telefonica in Spanien ausgeliefert werden sollen. Da der Termin bereits mehrere Male verschoben worden war, spekulierte die Branche bereits schon länger über technische Schwierigkeiten. Sendo wies dies jedoch zurück.

Trotz der Absage übt sich der Softwarekonzern unterdessen in Optimismus. Nach dem britischen Markt sei das Unternehmen auch in Deutschland auf der Suche nach einem Partner, sagte der Microsoft-Europachef, Jean-Philippe Courtoise, in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE. In den kommenden 12 Monaten werde mindestens ein deutscher Mobilfunker mit der Software von Microsoft arbeiten. Zudem verhandele der Konzern auch mit verschiedenen Geräteherstellern in Europa über eine Zusammenarbeit.