Handy-Tickets Eine SMS für den Kontrolleur

Digitale Fahrkarte - in Berlin gibt es das U-Bahn-Ticket künftig aufs Handy.

Berlin – Wenn es in Berlin demnächst "Fahrkarten bitte" heißt, dann könnten die Passagiere in Bussen, U- und S-Bahn statt eines Fahrscheins aus Papier dem Kontrolleur ihr Handy vorzeigen. Die Berliner Verkehrbetriebe haben im Oktober einen Modellversuch gestartet – offensichtlich mit Erfolg, denn ab kommenden Jahr soll das Handy-Ticket per SMS gelten.

"Der Modellversuch für Tickets per SMS ist sehr gut verlaufen, sagt Stefan Kissinger von den Berliner Verkehrsbetrieben. "Insgesamt haben über 8000 Fahrgäste ihre Tickets über Handy gekauft", sagte Kissinger. Bei dem Projekt "Telepay" konnten Kunden sich den Weg zum Automaten sparen. Stattdessen konnten sie ihren Fahrschein per Kurzmitteilung unter einer Servicenummer gebührenfrei bestellen. Prompt erhielten sie eine SMS, die als Fahrschein galt. Der Ticketpreis wurde dabei bargeldlos über die Mobiltelefonrechnung abgerechnet.

Von den großen Telefongesellschaften wie T-Mobile und Vodafone machte jedoch niemand bei dem Versuch mit. Nur E-Plus war zu einer vierwöchigen Zusammenarbeit bereit.

Till Ackermann vom Verband deutscher Verkehrsunternehmen sagte, "Telepay" werde von den Verkehrsbetrieben anderer deutscher Städte noch skeptisch gesehen. Aus seiner Sicht seien die SMS-Tickets etwa besonders für ortsfremde Reisende geeignet, die am Flughafen ihr Ticket für die S-Bahn per Handy bestellen könnten. Für eine bundesweite Einführung des SMS-Tickets bestehen die technischen Möglichkeiten jedoch noch nicht. Dafür müsste zuerst eine einheitliche technische Plattform geschaffen werden, so Kissinger.

Positives Feedback

Der Mann von den Berliner Verkehrsbetrieben betont aber die Vorzüge des Projekts, das nach seiner Einschätzung schon im nächsten Jahr vielerorts umgesetzt werden könnte. "Wir haben von unseren Kunden überwiegend sehr positive Rückmeldungen bekommen und viele Vorschläge, wie zum Beispiel, auch Monatskarten in das System mit aufzunehmen."

In der Anfangsphase habe es zwar technische Schwierigkeiten mit dem SMS-Versand gegeben, die Kunden hätten dies aber nicht übel genommen. Für eine endgültige Markteinführung sollten möglichst alle Mobilfunkanbieter gewonnen werden, damit sämtliche Handy-Besitzer den Service nutzen können.

Auch ökonomisch sei das SMS-Ticket sinnvoll: Die Gebühren, die an den Mobilfunkbetreiber abgeführt werden müssten, lägen im Rahmen der derzeitigen Kosten für den Ticketverkauf durch das Personal oder die Fahrscheinautomaten der Verkehrsbetriebe, sagt Kissinger.

Springen T-Mobile und Vodafone auf?

E-Plus zeigt sich bereit, den Service dauerhaft anzubieten. "Unsere Kunden waren begeistert, wie einfach und sicher das System ist", sagt E-Plus-Sprecherin Catrin Glücksmann. Um das System auf eine breitere Basis zu stellen, liefen bereits Gespräche mit anderen Mobilfunkanbietern über ein gemeinsames System.

Auch die Verkehrsbetriebe müssen für eine bundesweite Einführung noch einige rechtliche und technische Probleme lösen - etwa ob für ganz Deutschland eine einheitliche SMS-Nummer eingeführt werden könnte, die lediglich durch einen Städtecode (zum Beispiel HH für Hamburg oder M für München) ergänzt wird.

Rechtlich müsse aber auch noch geklärt werden, was beispielsweise passiere, wenn ein Kunde seine Monatskarte über das Handy laufen lasse, sein Akkugerät aber kaputt gehe. In diesem Fall sei es ja nicht Verschulden des Kunden, dass er den Fahrausweis nicht vorzeigen könne, sagt Kissinger. Er sei aber davon überzeugt, dass die Zahl der Schwarzfahrer durch das SMS-Ticket zurückgehe.

Ruth Seibicke, Reuters