Holtzbrinck Abgebremst

Zitterpartie für die Holtzbrinck-Gruppe:. Klappt die Übernahme des Berliner Verlags? Das Bundeskartellamt ist wenig begeistert. Nun hat der Verlag eine Verlängerung der Prüffrist erreicht.

Bonn - Das Bundeskartellamt könnte den Plänen der Holtzbrinck-Gruppe noch in die Quere kommen. Das Verlagshaus will die Gruner+Jahr-Tochter Berliner Verlag übernehmen. Doch die Behörde scheint dem Deal eher skeptisch gegenüberzustehen.

Die Transaktion hatten Holtzbrinck und Gruner+Jahr bereits im Sommer bekannt gegeben - seitdem warten die Unternehmen auf grünes Licht vom Bundeskartellamt. Da die Bonner Behörde erhebliche Bedenken gegen das Vorhaben hat, setzte nun Holtzbrinck eine Verlängerung der Prüffrist um vier Wochen durch, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Das Unternehmen wolle noch einmal die ursprünglich geplante Übernahmekonstruktion überdenken, heißt es in dem Bericht. Bis Mitte Dezember hat der Verlag nun Zeit, das Kartellamt von dem Kauf zu überzeugen.

Bislang demonstrierte Holtzbrinck Selbstsicherheit. Das Amt werde die Übernahme des Berliner Verlags schon genehmigen, so die Meinung führender Mitarbeiter. Auch jetzt übt sich das Unternehmen in Optimismus. "Wir sind nach wie vor zuversichtlich, dass wir die Bedenken ausräumen können", zitiert das Blatt einen Holtzbrinck-Sprecher.

Doch das Bundeskartellamt befürchtet offenbar negative Auswirkungen auf den Wettbewerb in Berlin, denn die Holtzbrinck-Gruppe ist bereits mit den Objekten "Der Tagesspiegel" und dem Stadtmagazin "Zitty" auf dem Berliner Markt präsent. Mit der Gruner+Jahr-Tochter würde das Verlagshaus den Markt beherrschen, denn zu dem Unternehmen gehören die "Berliner Zeitung", der "Berliner Kurier", das Stadtmagazin "Tip" und das Anzeigenblatt "Berliner Abendblatt".

Wie auch immer die Entscheidung der Kartellbehörden ausfällt, Gruner+Jahr ist den Verlag auf jeden Fall los. Sollte es nun doch nicht zu der gewünschten Übernahme kommen, würde nämlich der Berliner Verlag nicht mehr an Gruner+Jahr zurückfallen. Stattdessen müsste Holtzbrinck sich nach einem anderen Käufer umschauen. Dies sei vertraglich festgelegt worden, schreibt die Zeitung. Als potenzieller Interessent hat das Blatt den Verlag der "Stuttgarter Zeitung" ausgemacht.

Der Hamburger Medienkonzern ist zumindest nicht in seiner Strategie gestört, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Das Unternehmen will sich auf jeden Fall von seinem Zeitungsgeschäft trennen. Die Veräußerung der "Sächsischen Zeitung" und "Morgenpost Sachsen" hat der Verlag jedoch erstmal verschoben, teilte das Unternehmen Ende Oktober mit. Grund: Zurzeit sei kein vernünftiger Preis zu erzielen.

Erfolgreicher verlief dagegen die Veräußerung der Beteiligung an der G+J Medien-Vertrieb GmbH. Die Anteile der Sparte, die auch Branchenbücher in Hamburg, Hannover und Bremen herausgibt, wurde an die Dr. W. Bentlage Verlagsgesellschaft in Frankfurt verkauft. Mitgesellschafter PubliGroupe behält seine Anteile.