Heinrich Bauer Verlag Die neue Medienmacht im Norden

Nach der KirchMedia-Übernahme will der Hamburger Verleger Heinz Bauer den Konzern umbauen. Offen ist, wie sein eigenes Unternehmen den Zukauf verkraften wird.

Hamburg – Der Zuschlag ist erteilt, Bauer ist der Sieger. Der Zeitschriftenverlag wird in den nächsten Wochen Verhandlungen mit den Gläubigern über den Kauf der Reste des Kirch-Imperiums führen. Ein Scheitern der Verhandlungen wird von den Beteiligten eher als theoretische Möglichkeit eingestuft. KirchMedia-Sanierer Hans-Joachim Ziems bezeichnete dies als nicht wahrscheinlich.

Bei Bauer rechnen die Verantwortlichen nur noch mit kleinen Korrekturen am eigenen Angebot, das nach Medienberichten zwischen 1,8 und 2 Milliarden Euro liegen soll. Der Druck von außen bei den Gesprächen wird überschaubar sein. Angeblich gab es am Ende des Bieterverfahrens keine ernsthaften Konkurrenten für das Medienhaus. Zudem steht Bauer für die von vielen Seiten favorisierte "deutsche Lösung".

Der Verlag wird bei den Verhandlungen die Zügel in der Hand halten. Innerhalb des Konsortiums soll Bauer die Mehrheit erhalten. Zwar ist auch die HypoVereinsbank  beteiligt, doch das Kreditinstitut will seine Anteile bald veräußern. "Das Engagement bei Kirch ist keine strategische Beteiligung. Mittelfristig werden wir uns von den Anteilen trennen", sagte eine Banksprecherin gegenüber manager-magazin.de.

Tief greifende Veränderungen bei Kirch

Weitere Interessenten wie der Axel Springer Verlag haben zwar Interesse bekundet, halten sich aber noch zurück. Derzeit ist das Berliner Zeitungshaus ohnehin über seinen ProSiebenSat1-Anteil von etwa 11,5 Prozent involviert. Nach einem Bericht der Zeitung "Welt" überlegen die Verantwortlichen bei Springer, ob die TV-Beteiligung ausgebaut wird oder ob sich der Verlag aus dem Fernsehgeschäft zurückzieht.

Auch der Spiegel Verlag hat die Möglichkeit, sich später an dem Konsortium zu beteiligen. Experten gehen davon aus, dass zumindest das Hollywood-Studio Columbia einsteigen wird.

So wird Bauer aller Voraussicht nach seine Vorstellungen für die ProSiebenSat1 Media AG  und den Filmrechtehandel durchsetzen. Dem Kerngeschäft des insolventen Kirch-Konzerns stehen tief greifende Veränderungen bevor. Ehemals getrennt operierenden Bereiche könnten zusammengelegt werden.

Bisher muss das Fernsehunternehmen die Filme teuer von der Konzernschwester einkaufen. Dieser Umweg würde durch eine direkte Unterordnung entfallen. Entsprechend begrüßte eine Konzernsprecherin die sich abzeichnende Lösung. Unklar ist jedoch, mit welchen Finanzierungsschritten und für welchen Preis der TV-Konzern die Kirch-Filmbibliothek erwirbt.

Beim Umbau ist mit wenig Widerstand seitens der Kirch-Beteiligungen zu rechnen. ProSiebenSat1-Chef Urs Rohner hatte selbst die Übernahme des Filmstocks ins Spiel gebracht.

Möglicherweise operieren beide Bereiche aber auch weiterhin getrennt. Die Kirch-Gläubiger, deren Kredite mit dem Filmstock besichert wurden, haben dafür gesorgt, dass der Unternehmensbereich sehr hoch bewertet ist. Demnach wäre es auch möglich, dass sich die Kreditgeber gemeinsam mit dem Bauer-Konsortium in einer eigenständigen Holding an der Filmbibliothek beteiligen.

Analysten spekulieren auch über die Komplettübernahme der ProSiebenSat1 Media AG durch das Bauer-Konsortium. Vorteil: Der Umbau kann im Alleingang ungestörter vollzogen werden. Danach könnten die Aktien unter besseren Börsenbedingungen erneut auf dem Parkett platziert werden. Wie sich Filmrechtehandel und TV-Geschäft in Zukunft zueinander verhalten und was mit den ProSiebenSat1-Papieren passiert wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Was blüht Bauer?

Einer der reichsten Männer der Republik

Schwieriger sind die Folgen für den Heinrich Bauer Verlag zu beurteilen. Der Konzern ist seit Generationen fest in Familienhand und lässt wenig unternehmerische Kennzahlen nach außen dringen. Gleiches gilt für Verlagschef Heinz Bauer. Der 62-jährige Patriarch äußert sich selten in der Öffentlichkeit.

Dennoch dürfte die KirchMedia-Übernahme kaum am Geld scheitern. Zwar drang über Details der Finanzierung nichts nach außen. Doch mit einem geschätzten Privatvermögen von vier Milliarden Euro gehört Heinz Bauer zu den reichsten Männern der Republik. Auch wurde der Verlag von der Krise auf dem Anzeigenmarkt , die derzeit Konkurrenten in die roten Zahlen treibt, nicht so sehr getroffen.

Mit seinen Programm- und Frauenzeitschriften generiert der Konzern 75 Prozent seines Umsatzes – etwa 1,7 Milliarden Euro in 2001 - über den Verkauf und nur 20 Prozent über Anzeigen. Zudem hat Bauer sich mit kostspieligen Investitionen im Internet zurückgehalten. Experten schätzen, dass der Verlag auch im Branchenkrisenjahr 2002 noch eine Umsatzrendite von zehn bis 15 Prozent erreicht.

Veränderungen in der Verlagsführung

Zweifellos wird die KirchMedia-Übernahme Veränderungen in der Führung des Verlages nach sich ziehen. Offen ist, ob sich der Konzern aus wettbewerbs- oder medienrechtlichen Gründen von anderen Unternehmensteilen trennen muss. Vor allem die RTL-2-Beteilung steht zur Diskussion, da Bauer auf diese Weise in den beiden großen deutschen Privat-TV-Familien aktiv wäre. Auch der hohe Marktanteil bei TV-Zeitschriften bereitet Wettbewerbshütern und Medienaufsicht Sorge.

Der Hamburger Verlag beeilte sich, mögliche Einwände gegen die sich anbahnende Medienmacht aus dem Norden zu zerstreuen. Das traditionelle Geschäft und der neue TV-Bereich sollen getrennt geführt werden. Das Modell des integrierten Medienkonzerns steht nicht zur Debatte. Sender und Zeitschriften sollen nicht ausschließlich für einander werben.

Die Frage ist, ob sich die Kartellwächter von den Beschwörungsformeln beeinflussen lassen. Ansonsten steht nicht nur dem Kirch-Konzern eine tief greifende Umschichtung bevor.

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