KirchMedia Milliardenbeträge gefordert

Riesensumme - die Gläubiger fordern über 9,3 Milliarden Euro von dem insolventen Unternehmen. Doch KirchMedia hat den Großteil der Forderungen vorerst zurückgewiesen.

Hamburg - Die Verhandlungen mit den Bietern für die insolvente KirchMedia laufen auf Hochtouren. Doch noch steht eine Entscheidung aus. Insolvenzverwalter und Geschäftsführung von KirchMedia haben unterdessen auf der Gläubigerversammlung bekannt gegeben, wie hoch die Forderungen gegen das Unternehmen sind.

Wie Michael Jaffe, Insolvenzverwalter des Kirch-Unternehmens, mitteilte, seien im laufenden Verfahren bislang Forderungen in Höhe von 9,304 Milliarden Euro angemeldet worden. Diese Summe setze sich aus insgesamt 1282 Einzelforderungen zusammen - vom einzelnen Mitarbeiter bis zu Banken.

Doch den Großteil der Forderungen haben Jaffe und die KirchMedia-Geschäftsführung bereits vorläufig zurückgewiesen. Das betrifft eine Summe in Höhe von 7,379 Milliarden Euro. Diese Forderungen würden derzeit noch geprüft oder seien Gegenstand von Vergleichsverhandlungen, hieß es. Darunter fielen auch Schadenersatzforderungen von US-Filmstudios in Höhe von 4,9 Milliarden Euro, sagte ein Sprecher von KirchMedia.

Dagegen seien Forderungen in Höhe von fünf Millionen Euro endgültig zurückgewiesen worden. Anerkannt hätten der Sachwalter am Gericht und die Geschäftsführung Forderungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro.

Wer erhält den Zuschlag?

Welcher KirchMedia-Gläubiger wie viel Geld bekommt, steht allerdings noch nicht fest. Dazu müssen erst die Verkaufsverhandlungen abgeschlossen sein, damit klar ist, wie viel Geld überhaupt zur Verfügung steht. Noch haben die Geschäftsführung und der Insolvenzverwalter aber keine endgültige Lösung für die insolvente KirchMedia gefunden.

Unklar ist, welches der drei Bieterkonsortien den Zuschlag für das Unternehmen beziehungsweise Teile des Konzerns erhalten wird. Branchenkenner gehen davon aus, dass erst Ende November mit einer Entscheidung zu rechnen ist. Bislang hieß es, Anfang November solle bestimmt werden, wer den Zuschlag erhält.

Zu den Bietern gehören die Altgesellschafter um die Investmentbank Lehman Brothers, den Handelskonzern Rewe und den saudischen Prinzen Al-Waleed, möglicherweise schließt sich die Commerzbank  dieser Gruppe an.

Ein weiteres Konsortium besteht aus dem französischen Sender TF1 und dem US-Milliardär Haim Saban. Gerüchten zufolge könnte sich Silvio Berlusconis Mediaset zu dieser Gruppe dazugesellen. Darüber hinaus bietet ein Konsotium aus HypoVereinsbank , der Verlagsgruppe Bauer und dem Axel Springer Verlag für das Kirch-Unternehmen. Branchenkenner gehen davon aus, dass sich das Sony-Filmstudio Columbia dieser Bietergemeinschaft anschließen wird. Allgemein werden dem Bauer-Konsortium die größten Chancen zugerechnet.

Preisdumping bei den Sportrechten?

Während die Gespräche mit den Bietern noch laufen, sollen unterdessen einzelne Bereiche des KirchMedia-Konzerns verkauft werden. Einer der begehrten Geschäftsteile ist das Sportrechtegeschäft von Kirch. Es umfasst die Schweizer KirchSport AG mit den WM-Rechten und die Bundesliga GmbH mit den Bundesliga-Rechten. Den Zuschlag hat ein Management-Buy-out um KirchSport-Manager Günter Netzer und dem ehemaligen Adidas-Chef und Investor Robert Louis-Dreyfus erhalten.

Der Kaufpreis soll zwischen 300 und 400 Millionen Euro liegen. Allerdings ziehen sich die Verkaufsverhandlungen in die Länge. Ursprünglich sollten die Verträge schon unterschrieben sein, doch bislang kam es zu Verzögerungen. Gerüchten zufolge wollen die Käufer den Preis drücken. Geboten haben sie angeblich nur knapp 200 Millionen Euro.

Ein KirchMedia-Sprecher sagte jedoch, dass die Käufer wegen eines steuerlichen Punktes um einen Aufschub gebeten hätten. Es handele sich nicht um ein "taktisches Manöver" sondern beide Seiten seien gewillt, den Verkauf bis kommenden Montag "über die Bühne" zu bringen.