Gruner + Jahr Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Der Markt ist schlecht, die Stimmung düster - nun stoppt Bernd Kundrun, Chef des Hamburger Verlagshauses G+J, die Gespräche zum Verkauf der "Sächsischen Zeitung" und "Morgenpost Sachsen".

Hamburg – Das Verlaghaus Gruner + Jahr (G+J) kapituliert vorerst vor dem schwierigen Marktumfeld. Die "Sächsische Zeitung" und die "Morgenpost Sachsen" bleiben dem Hamburger Konzern zunächst erhalten. Das Unternehmen habe sich entschieden, die Gespräche zum Verkauf der "Sächsische Zeitung" und "Morgenpost Sachsen" nicht fortzuführen, schreibt der Verlag in einer Pressemitteilung.

Grund: Die momentane Situation und die anhaltenden schlechten Nachrichten aus dem Markt der Regionalzeitungen ließen einen Verkauf zur Zeit nicht zu. "Es hat eine Reihe von Interessenten gegeben, aber das Gesamtpaket hat am Ende immer nicht gestimmt", sagte G+J-Verlagssprecher Stefan Michalk. Der Kaufpreis sei bei den Verhandlungen ein wichtiges, aber nicht das einzige Kriterium gewesen.

Das Verlagshaus hält derzeit 60 Prozent an dem Dresdner Druck- und Verlagshaus (DD+V), das die "Sächsische Zeitung" und weitere Blätter herausgibt. Die restlichen 40 Prozent sind in Besitz der SPD-Medienholding ddvg.

Dennoch bedeute die Beendigung der Gespräche keine Umkehr der Strategie, schreibt G+J weiter. Das Verlagshaus hatte bereits im Sommer dieses Jahres mitgeteilt, der Konzern wolle sich auf sein Kerngeschäft fokussieren. Dies sollte auch den Rückzug aus dem deutschen Regionalzeitungsmarkt implizieren.

Kurz darauf verlautbarte G+J, das Unternehmen wolle sich von dem defizitären Berliner Verlag trennen, in dessen Haus die "Berliner Zeitung", der "Berliner Kurier", das Stadtmagazin "Tip" und das Anzeigenblatt "Berliner Abendblatt" erscheinen. Den Zuschlag erhielt die Holtzbrinck-Gruppe, die bereits mit dem "Tagesspiegel" und dem "Zitty"- Magazin den Berliner Markt bedient. Noch ist das Geschäft allerdings nicht endgültig besiegelt, denn das Bundeskartellamt muss dem Kauf noch zustimmen.

WAZ - der ewige Kandidat

Doch G+J ließ damals bereits keinen Zweifel aufkommen, sich gänzlich aus dem Zeitungsgeschäft herausziehen zu wollen. Das Unternehmen teilte mit, der Konzern wolle auch die "Sächsische Zeitung" und die "Morgenpost Sachsen" verkaufen. Die Gespräche seien aber noch nicht abgeschlossen.

Als potenzieller Käufer machte die Presse schnell die WAZ-Gruppe aus, die als kaufsstark gilt und mittlerweile bei jeder Ankündigung eines Zeitungsverkaufs ins Spiel gebracht wird. Möglicher Anwärter ist die WAZ demnach auch bei thüringischen Regionalzeitungen aus dem Süddeutschen Verlag. Interesse hatte das Essener Verlagshaus zudem an einem Einstieg beim Axel Springer Verlag angemeldet - wenn auch erfolglos.

Branchenexperten spekulieren nun, die WAZ und G+J hätten sich nicht über einen Preis einigen können. Möglich sei auch, dass die WAZ lieber beim Süddeutschen Verlag investieren, sich gar an dem Unternehmen direkt beteiligen wolle. Allerdings stoßen die Essener Presseberichten zufolge bei den Gesellschaftern des Münchener Verlagshauses auf wenige Gegenliebe.

Schlechtes Marktumfeld

Dass sich G+J indes von seinem Plan, die Regionalzeitungen in Sachsen zu verkaufen, vorerst verabschiedet, überrascht nicht. Der Markt ist schlecht, die Preise sind gefallen und finanzstarke Medienhäuser in Deutschland angesichts der Werbeflaute kaum noch zu finden. Zudem ist der Markt derzeit voll mit Medienobjekten, die veräußert werden sollen. Zum einen zieht sich die Zerschlagung des Kirch-Imperiums in die Länge, zum anderen versuchen verschiedende Verlage bereiche abzustoßen.

So versucht beispielsweise der Bertelsmann-Konzern seinen Fachverlag BertelsmannSpringer los zu werden – bislang erfolglos. Auch der Süddeutsche Verlag will sich dringend von Objekten trennen, um die anhaltende Anzeigenflaute zu überleben und der FAZ-Verlag scheitere jüngst mit dem Verkauf des FAZ Business Radios. Der Sender ist mittlerweile so gut wie eingestellt.