Vivendi Universal Nachschub für die Schlacht

Mit dem anstehenden Verkauf der Verlagssparte verschafft sich Vivendi-Chef Fourtou ein wenig Luft im laufenden Übernahmekampf um die Telekom-Tochter Cegetel. Ob der Erlös allerdings ausreicht, um den Gegenspieler Vodafone auszustechen, erscheint zweifelhaft.

Paris/Hamburg - Der angeschlagene Medienkonzern Vivendi Universal  hat sich offenbar mit dem französische Konzern Lagardere über den Verkauf des europäischen Teils der Verlagssparte Vivendi Universal Publishing (VUP) geeinigt. Für etwa 1,25 Milliarden Euro soll Lagardere den Unternehmensbereich übernehmen.

Vivendi teilte am Mittwoch in Paris mit, dass Verhandlungen mit Lagardere aufgenommen wurden. "Dieser Verkauf ist ein Beitrag zur Entschuldung Vivendis, die wichtigste Voraussetzung einer Sanierung", sagte Vivendi-Chef Jean-René Fourtou.

Zu VUP gehören prestigeträchtige Namen wie Larousse, Robert, Bordas und Laffont. Vor der Übernahme muss allerdings noch die Erlaubnis der Kartellbehörden eingeholt werden. Die Verlagstochter Hachette von Lagardere ist mit einem Umsatz von 846 Millionen Euro nach VUP der zweitgrößte Verlag Frankreichs.

Patriotische Töne

Vivendi hatte zwei weitere Angebote für VUP. In einem Konsortium bot die Investmenttochter der französischen Bank BNP Paribas mit dem US-Firmenhändler Kohlberg, Kravis, Roberts & Co. Die zweite Gruppe wurde angeführt vom Kohlberg-Konkurrenten Carlyle Group.

Unterstützt wird die Übernahme durch die französische Regierung. Konzern-Gründer Jean-Luc Lagardere hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass VUP "französisch bleiben sollte" und begegnete damit Ängsten vor einer möglichen Übernahme durch ausländische Investoren. Für den US-Schulbuch-Verlag Houghton Mifflin, den Fourtous Vorgänger Jean-Marie Messier 2001 für knapp 2,2 Milliarden Dollar gekauft hatte, werde noch ein Käufer gesucht, hieß es in der Mitteilung von Vivendi weiter.

Munition für die Schlacht um Cegetel

Den Erlös aus den Verlagsverkäufen benötigt Vivendi-Chef Fourtou dringend in der Übernahmeschlacht um die profitable Telekommunikationstochter Cegetel. Die britische Vodafone Group  hatte Vivendi sowie den anderen Cegetel-Eignern BT Group (26 Prozent) und SBC Communications  (15 Prozent) jüngst ein Angebot in Höhe von insgesamt rund 13 Milliarden Euro gemacht.

Fourtou dagegen will Cegetel weiter kontrollieren und plant seinerseits Angebote an BT und SBC. Dabei ist er gegenüber Vodafone im Vorteil, da er ein Vorkaufsrecht für die Anteile besitzt, das allerdings nur noch bis zum 10. November gilt.

Der Verkauf der Verlagssparte dürfte Vivendi frisches Kapital bringen – allerdings wohl nicht genug. "Der Markt glaubt, Vivendi werde nun noch mehr Geld aufnehmen, um Cegetel zu kaufen", sagte ein Händler.

Wahrscheinlich wird sich der mit 19 Milliarden Euro verschuldete Medienkonzern sehr schnell von anderen Vermögensteilen trennen. "Der Preis ist positiv für Lagardere, nicht aber für Vivendi", sagte Jean-Pierre Geremy von Fideuram Wargny in Paris. Der Wert liege etwas unter den Markterwartungen aber auch unter dem üblichen Niveau für solche Transaktionen in dem Sektor.

Keine Hilfe von den Banken

Keine Hilfe von den Banken

Auf neue Kreditlinien kann Vivendi indes nicht hoffen. Man verleihe sein Geld nicht für ewig, heißt es in Pariser Bankenkreisen. Tatsächlich würden es die Kreditinstitute wohl lieber sehen, wenn Fourtou das Cegetel-Angebot von Vodafone in Höhe von 6,77 Milliarden Euro annehmen würde.

So bleibt Fourtou einzig der Verkauf von weiteren Unternehmensanteilen, um sich Barmittel zu verschaffen. Die Veräußerung der Beteiligung von 40,8 Prozent an der Versorgertochter Vivendi Environnement beispielsweise würde vier Milliarden Euro bringen.

Spiel auf Zeit

Doch statt weiter zu verkaufen, spielen die Franzosen offenbar auf Zeit. Wie die französische Zeitung "Le Figaro" berichtet, will Vivendi gerichtliche Schritte einleiten, um den britischen Vodafone-Konzern daran zu hindern, über Anteilszukäufe die Mehrheit an Cegetel zu erhalten.

Vivendi: Konzern-Chef Fourtou will Beteiligungen veräußern

Verwandte Artikel